https://www.faz.net/-gqz-7kh61

Kino : Schauspieler Peter O’Toole ist tot

  • Aktualisiert am

Mit 81 Jahren gestorben: Peter O’Toole, hier auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1980 Bild: AP

Ein gewöhnlicher Mann wollte Peter O’Toole nie sein, mit seiner Rolle als „Laurence von Arabien“ erlangte er internationalen Ruhm. Nun ist der Schauspieler mit 81 Jahren gestorben - und die Welt verabschiedet sich von einem „Giganten des Films“.

          Er war berühmt als „Laurence von Arabien“ und bekannt als Verlierer in der Oscar-Nacht. Acht Mal wurde Peter O’Toole für die goldene Trophäe nominiert. Genauso oft ging er leer aus - ein Hollywoodrekord. Am Samstag starb der irische Schauspieler in einer Londoner Klinik, wie sein Agent Steve Kenis am Sonntagabend bekanntgab.

          „Ich werde kein gewöhnlicher Mann sein, weil es mein Recht ist, ein ungewöhnlicher Mann zu sein“, hatte O’Toole einmal in einem Gedicht geschrieben.“ Irlands Präsident Michael D. Higgins war am Sonntag einer der ersten, der den Schauspieler würdige. „Irland und die Welt haben einen Giganten des Films und des Theaters verloren“, sagte Higgins.

          „Bin nicht mehr mit dem Herzen dabei“

          Erst im vergangenen Jahr hatte der Mime mit den eisblauen Augen die Schauspielerei an den Nagel gehängt und sich vorrangig noch für Cricket und Rugby interessiert. „Ich bin nicht mehr mit dem Herzen dabei und das wird sich auch kaum noch ändern“, begründete der gebürtige Ire Anfang Juli seinen Beschluss. Was bleibt, ist der Ehren-Oscar für sein Lebenswerk, den er 2003 nach anfänglicher Weigerung doch noch annahm, und ein Vermächtnis von fast 70 Filmen in 50 Jahren. Mit der Rolle eines Priesters in „Cristiada“ hatte er sich im vergangenen Jahr verabschiedet.

          Peter O’Toole 1965 bei den Dreharbeiten zu „How to steal a million dollars and live happily ever after“ Bilderstrecke

          Er sei in die Londoner Academy of Dramatic Arts gestolpert und habe sich um ein Stipendium bemüht, erinnerte er sich an die Anfänge. „Nicht aus glühendem Eifer“, sagte er. „Sondern wegen der vielen, wunderbar aussehenden Mädels.“ Seine Theaterpremiere misslang so abgrundtief, dass er sich danach sinnlos betrank - und eine Geldstrafe wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses aufgebrummt bekam.

          Paraderolle „Lawrence von Arabien“

          Sein Name ist vor allem mit einem Wüstenhelden verbunden: „Lawrence von Arabien“ verschaffte ihm 1962 weltweiten Ruhm. Dabei hatte er sich schon voll auf Shakespeare eingestellt, seine Lehrjahre an der Royal Academy of Arts in London verbracht und den Titel „Schauspieler des Jahres“ gewonnen.

          Als ihm David Lean den Part des britischen Offiziers anbot, der die Araber in ihrem Freiheitskampf unterstützt und in der Wüste zu sich selbst findet, tauschte O’Toole die Bretter gegen die Leinwand aus. Jahrzehnte später sagte er, die Arbeit an dem Wüstenklassiker sei zum Maßstab für fast alles in seinem Leben geworden. Nie wieder feierte er einen solchen Erfolg.

          Dabei war er auch in anderen Rollen unübertrefflich: als Henry II. mit Richard Burton in Peter Glenvilles Anouilh-Verfilmung von „Becket“ (1964), die ebenfalls für den Oscar nominiert war. In Woody Allens „Was gibt’s Neues, Pussy“ (1965) war O’Toole mit Peter Sellers zu sehen, als Joseph Conrads gefallener Engel in „Lord Jim“ (1965) und als Schulmeister in „Leb wohl Mr. Chips“ (1969).

          Schwere Krise in den 70er Jahren

          Mitte der 70er Jahre geriet der Schauspiele, der sich nach der Schule erfolglos als Journalist versucht hatte, in eine schwere Krise. O’Toole-Filme galten als „Kassengift“, seine langjährige Ehe mit der Schauspielerin Sîan Phillips scheiterte, seine Eltern kamen ums Leben. „Sogar der Hund starb“, sagte er damals. Er trank zwanghaft, eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse zwang ihn schließlich, den Alkohol aufzugeben. „Noch ein Tropfen, und die bist tot“, hatten ihm die Ärzte klargemacht.

          Ein Comeback erlebte O’Toole in Richard Rushs „The Stunt Man“ (1980) in der Rolle eines tyrannischen Regisseurs. Auch sie trug ihm eine Oscar-Nominierung ein. Noch die kleinste Filmrolle wie die des Schulmeisters in Bertoluccis Film „Der letzte Kaiser“ (1987) machte der exzentrische Schauspieler zum Ereignis.

          Parallel verfolgte der in Connemara als Sohn eines irischen Buchmachers geborene O’Toole seine Theaterkarriere weiter. Unter der Regie von Laurence Olivier spielte er 1963 am National Theatre in London den Hamlet. Wie so oft in seinem Leben löste ein Flop den Höhenflug ab: Als Macbeth fiel er später auf der Bühne durch.

          Auch in Hollywood wechselte O’Toole Glanzrollen mit unwichtigen Filmen ab. Die Bereitschaft, sein Talent zu verschießen, schob er auf chronischen Geldmangel. „Man kann nicht ewig auf die richtige Rolle warten. Ich muss meine Miete bezahlen.“ Aus seiner Ehe mit Phillips gingen zwei Töchter hervor. Aus einer anderen Beziehung stammte sein Sohn Lorcan, dem er die Freude am Schauspielen in die Wiege gelegt hatte.

          Weitere Themen

          Hoffnung im Ansicht der Apokalypse Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Endzeit“ : Hoffnung im Ansicht der Apokalypse

          Blutverschmierte Münder, abgehackte Gliedmaßen und non-stop Action – so kennt man als geneigter Zuschauer das Zombiefilm-Genre. Wie sich der deutsche Film „Endzeit“ dagegen abhebt, und warum man gerade als Nicht-Zombie-Fan den Gang ins Kino wagen sollte erklärt FAZ-Redakteur Andreas Platthaus.

          Topmeldungen

          Jeder hat sein Kreuz zu tragen: Matteo Salvini am Strand auf Sizilien.

          Italienische Regierung : Ohne den Segen des Papstes

          Italiens Innenminister Salvini gibt sich gerne als gläubiger Christ. Damit hat er den Zorn Franziskus’ auf sich gezogen – und am Ende auch den des scheidenden Ministerpräsidenten Conte.

          An Scholz’ Seite : Manchmal liegt das Glück ganz nah

          Das Rennen um den SPD-Vorsitz geht weiter: Wofür die Kandidatin an Scholz’ Seite steht – und wieso der erfolgsverwöhnte Niedersachse Stephan Weil plötzlich beschädigt ist.
          Der Charging Bull, eine Bronzestatue im Financial District in Manhattan, New York.

          Amerikas Wirtschaft : Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen?

          Amerikas Manager-Elite gibt sich neue Prinzipien: Sie will Aktionäre nicht mehr über alles andere stellen. Ihre eigene Vergütung dagegen ist bisher kein Thema.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.