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Kino : Picknick am Hadrianswall: "King Arthur" von Antoine Fuqua

Sieh an, König Artus war ein Römer: Antoine Fuquas Film „King Arthur“ unterdrückt die Legende und läßt die Fakten krachen.

          Mit historischen Filmstoffen verhält es sich wie mit allen anderen Geschichten im Kino: Man glaubt, was man sieht - und nicht, was man weiß. Buchwissen ist im Gegenteil beim Kinobesuch eher hinderlich. So mag beispielsweise ein Altphilologe an der Rüstung, die Brad Pitt in Wolfgang Petersens "Troja" trägt, einiges auszusetzen haben, aber sie erfüllt trotzdem ihren Zweck. Helena mag schwarzhaarig gewesen sein; wir aber sehen sie gern blond. Ein Historienfilm ist, anders gesagt, ungefähr so gut wie die historischen Fälschungen, die er sich erlaubt. Wenn die Legende zum Faktum wird, dann druckt die Legende, lautet eine der Grundregeln des Kinos. Aufgestellt hat sie der große Legendenmacher John Ford, und wer sie verletzt, muß dafür büßen, auf die eine oder andere Art.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Antoine Fuquas Film "King Arthur" beginnt damit, daß er uns eine alte, lang vergessene Geschichte erzählt. Der römische Kaiser Theodosius, erfahren wir, hat auf einem seiner Feldzüge im Osten die räuberischen Sarmaten besiegt und seinem Reich tributpflichtig gemacht. Seither schickt jede sarmatische Familie ihren ältesten Sohn, sobald er fünfzehn Jahre alt ist, zu den Legionen im nördlichen Britannien, wo er fünfzehn Jahre Militärdienst leistet, bevor er in seine Heimat entlassen wird. Das war im vierten Jahrhundert nach Christus - und nach einem kleinen Zeitsprung sind wir im fünften Jahrhundert, und immer noch kommen die Römer zu den Sarmaten und holen ihre Söhne ab. Einer, ein schwarzgelockter Junge, schwingt sich, von Vater, Mutter und Schwester tränenreich verabschiedet, zu den Legionären aufs Pferd. Er heißt Lancelot. Abermals vergehen die Jahre, und wir sehen Lancelot, der inzwischen zum Mann gereift ist, über die grünen Hügel Britanniens reiten, im Gefolge eines Mannes, den die Römer als Artorius Castus kennen. Der Film aber nennt ihn gleich bei seinem richtigen Namen: Artus. Arthur. King Arthur.

          Ausgedacht hat sich diesen Prolog der Drehbuchautor David Franzoni, der schon die Vorlage zu Ridley Scotts "Gladiator" schrieb und zur Zeit einen Hannibal-Film mit (ausgerechnet!) Vin Diesel als karthagischem Kriegshelden vorbereitet. Drehbuchautoren sind dafür bekannt, daß sie die Geschichten, die sie sich ausdenken, sehr genau recherchieren. Und Franzoni hat recherchiert; er hat vor allem Howard Reids populärwissenschaftliche Studie "Arthur the Dragon King: The Barbaric Roots of Britains Greatest Legend" penibel ausgewertet und verdaut. Was er dabei übersehen hat, ist, daß es bei einer Legende nicht so sehr darauf ankommt, aus welchen historischen Quellen sie sich speist. Sondern darauf, aus welchen Gründen sie erzählt wird. Und die Dichter des Mittelalters, von Chretien de Troyes bis Thomas Mallory, hatten sehr gute Gründe, als sie die Artussage erfanden: Sie wollten eine Geschichte von Liebe, Treue, Eifersucht und Verrat erzählen, in der die Kardinaltugenden des Rittertums ebenso vorkamen wie seine Todsünden, ein weltentrücktes Märchen mit sehr realen Aussagen und Anspielungen.

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