https://www.faz.net/-gqz-tljf

Kino : Nackt am Steuer

  • -Aktualisiert am

Zwei deutsche Stars: Daniel Brühl (l.) und Jürgen Vogel Bild: dpa

„Ein Freund von mir“ ist ein Film, der aus nichts als der Lust besteht, zwei deutschen Stars dabei zuzusehen, wie sie aufeinandertreffen: Daniel Brühl und Jürgen Vogel, der Laute und der Leise.

          2 Min.

          Dies ist ein Film, der aus nichts als der Lust besteht, zwei Schauspielern dabei zuzusehen, wie sie aufeinandertreffen. Oder wichtiger noch: zwei Stars. Zwei deutschen Stars. Daniel Brühl und Jürgen Vogel. Das ist ungefähr so, wie wenn in Frankreich Gérard Depardieu und Daniel Auteuil in einem Film zusammen auftreten. Und so ähnlich funktioniert es auch.

          „Ein Freund von mir“ ist einer jener Titel, mit denen sich das deutsche Kino gern im Ungefähren verliert. Aber Regisseur Sebastian Schipper gelingt darin das Kunststück, sozusagen Starkino nach Art der Franzosen zu machen. Den hierzulande immer wieder bejammerten Mangel an Stars gibt es dort schon deswegen nicht, weil das Bedürfnis ausgeprägter ist, bewährte Schauspieler auch jenseits großer Budgets einzusetzen. So wird ständig der Appetit auf sie geschürt. Schon Roehlers „Elementarteilchen“ funktionierte so ähnlich, auch wenn das Ensemble etwas übermotorisiert erschien. Bei Schipper gibt es nun eben die gemäßigte Variante: Vogel und Brühl, der Laute und der Leise. Und dazu die wunderbar unberechenbare Sabine Timoteo, deren Präsenz seit „Gespenster“ und „Der freie Wille“ immer noch unauslotbarer erscheint.

          Sachen, die nicht so leicht zu fassen sind

          Sebastian Schipper hat vor sieben Jahren in „Absolute Giganten“ vom Abschied dreier Freunde von der Jugend erzählt, und die Tatsache, daß er dabei dem Tischfußball ein Denkmal gesetzt hat, zeugt von seinem Blick für all jene Dinge, die im Kino ein Lebensgefühl transportieren könnten. Und um Lebensgefühle geht es auch in „Ein Freund von mir“, also um Sachen, die nicht so leicht zu fassen sind und die der Film auch nicht dadurch beschwert, daß er auf Teufel komm raus seine Freundschaftsgeschichte verkompliziert.

          Cannes : Daniel Brühl spielt Hauptrolle in "Salvador"

          Da ist also Karl (Daniel Brühl), dem als Aufsteiger in einer Versicherung alles so leicht fällt, daß er sich auch dann zu langweilen scheint, als er einen begehrten Preis gewinnt; der aber andererseits auch allem aus dem Weg geht, was Schwierigkeiten bereiten könnte. So treibt er reibungslos durchs Leben, bis ihn sein Chef losschickt, um bei einem Autoverleih als Fahrer anzuheuern, damit er vor Ort unerkannt Abläufe und Risiken recherchieren kann.

          Beim Bewerbungsgespräch begegnet er Hans (Jürgen Vogel), der in allem das Gegenteil ist, kontaktfreudig, konfrontationslustig und stets bereit, alles „top“ zu finden. Und weil er es sich in den Kopf gesetzt hat, Karl aus der Reserve zu locken, ignoriert er dessen Abwehr einfach und zeigt ihm, was es heißt, Spaß am Leben zu haben.

          Wettrennen mit luxuriösen Leihwagen

          Das Muster ist klar, die Gegensätze sind deutlich genug, und doch gelingt es Schipper und seinen beiden Schauspielern, Dialoge und Situationen zu erfinden, die immer frisch wirken und um jene Spur besser als das wirkliche Leben, die dazu führt, daß man sich als Zuschauer nach den beiden Helden ausstreckt. Am schönsten in einer Szene, in der Hans seinen Freund und seine Freundin Stelle (Sabine Timoteo) dazu auffordert, doch mal spanisch zu sprechen, und Karl die Gelegenheit nutzt, ihr auf spanisch seine heimliche Liebe zu gestehen, während Hans fasziniert zuhört und nichts versteht.

          Und so wie Schipper in „Absolute Giganten“ Spaß an der Kunst des Kickerns hatte, so setzt er hier auch die Freude der beiden Freunde in Szene, mit luxuriösen Leihwagen um die Wette zu rasen. Auf dem Höhepunkt sitzen sie nackt am Steuer zweier Porsches, die überführt werden müssen, und schreien ihre Freude hinaus in die Nacht. Aber natürlich kommt es irgendwann zur Belastungsprobe für die Freundschaft, und dabei geht Schipper ein wenig die Puste aus. Ein besserer Film hätte an der Stelle noch mal richtig Luft geholt, aber „Ein Freund von mir“ geht den einfacheren Weg. Sosehr man sich freut, daß sich ein Film mal auf 84 Minuten beschränkt, hat man doch den Eindruck, die Freundschaft hätte durchaus noch auf eine härtere Probe gestellt werden können.

          Weitere Themen

          Kunst am Fuße der Pyramiden Video-Seite öffnen

          Ägypten : Kunst am Fuße der Pyramiden

          Das ägyptische Unternehmen „Art D’Egypte“ eröffnet seine Ausstellung mit dem Titel „Forever Is Now“. Es ist die erste internationale Kunstausstellung, die an den Pyramiden von Gizeh und auf dem umliegenden Gizeh-Plateau stattfindet.

          Wie zähmt man einen Cowboy?

          „Cry Macho“ im Kino : Wie zähmt man einen Cowboy?

          Seit Jahren wird jede Rolle, die der große Clint Eastwood spielt, als seine möglicherweise letzte betrachtet. Im Film „Cry Macho“ kommt wieder mal eine sehr schöne dazu. Und diesmal lernt Eastwoods Charakter sogar etwas Neues.

          Topmeldungen

          Joshua Kimmich wollte sich bislang noch nicht impfen lassen.

          Corona-Impfung im Profifußball : Kimmich und der Preis der Freiheit

          Joshua Kimmich wollte sich bisher nicht gegen Corona impfen lassen. Für Kritik daran gibt es gute Gründe. Und der Imageschaden für Kimmich wird deutlich größer sein als jeder Impfschaden, der ihm droht.

          Verleihung des Friedenspreises : Sturm auf das Rednerpult

          Tsitsi Dangarembga wird mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels geehrt. Aber die Verleihung verläuft anders als geplant – nicht nur wegen einer offenen Kampfansage des Frankfurter Oberbürgermeisters an die Buchmesse.

          Von Laschet zu Wüst : Harmonie, die alle sehen sollen

          Die CDU in Nordrhein-Westfalen demonstriert bei der Übergabe des Vorsitzes von Armin Laschet an Hendrik Wüst Geschlossenheit. So will sie sich bei der nahenden Landtagswahl den Machterhalt sichern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.