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Kino : Lizenz zur Schönen: Die Bond-Girls

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Sie heißen Elektra King, Honey Rider oder Pussy Galore, sind rätselhaft und schön - und stets todgeweiht: die Frauen neben 007. Ihr jüngster Neuzugang heißt Vesper Lynd alias Eva Green. Eine Bond-Girl-Hommage in Wort und Bild.

          Vesper Lynd? Keine Ahnung. Eva Green? Ebenso. Es sei denn, man ist Kinoliebhaber und hat das mäßig erfolgreiche Historiendrama „Königreich des Himmels“ gesehen, in dem Miss Green eine Hauptrolle spielte. Ansonsten ist sie nur französischen Theaterenthusiasten bekannt, die sie in „Jalousie en trois fax“ auf einer Pariser Bühne erlebt haben.

          Alles wird anders mit diesem Satz: Eva Green alias Vesper Lynd ist das neue Bondgirl. Sofort steigt vor dem geistigen Auge eine perfekt geformte Schönheit auf, deren wiegender Gang darüber hinwegtäuscht, daß die unbeschreiblich weibliche Ausstrahlung einen stählernen Kern verbirgt, dem die „Lizenz zum Töten“ ebenso gebührt wie jenem James, dessen Nachname als Etikett der Schönen dient.

          Weizenblond oder ebenholzfarben

          Eva Green ist dunkelhaarig, wozu ihre blauen Augen reizvoll kontrastieren. Doch das spielt eine untergeordnete Rolle. Denn ein Bondgirl kann, wie Ursula Andress oder Britt Ekland, auch weizenblond, groß und vollbusig sein, kann, wie Karin Dor, als klassische Schönheit blauschwarz schimmernde Haare zu faszinierend blauvioletten Augen bieten, kann sogar, wie Diana Rigg, eher knabenhaft gebaut sein und ein Katzengesicht vorweisen oder, wie Grace Jones, dem Agenten 007 als ebenholzfarbene Venus die Sinne verwirren.

          Gemeinsam sind ihnen allen nur drei Eigenschaften: Sie tragen meistens bedeutungsschwangere oder gern auch anzügliche Filmnamen wie Elektra King, May Day, Lisl von Schlaf oder Honey Rider, Pussy Galore, Miss Goodthigs. Sie sind immer, was die Produzenten des neuesten Bondfilms über Eva Green sagen, „die Vereinigung von Rätselhaftigkeit und Schönheit“ - und sie sind allzeit todgeweiht. Ave James, morituri te salutant: Morituri lautet der eigentliche Deckname sämtlicher Bondgespielinnen. Es braucht nicht einmal handgestrickte Psychologie, um sie damit als klassische Ausgeburten nicht minder klassischer Männerphantasien zu erkennen.

          Sie büßen die Gefühle mit dem Tod

          Im Grunde sind Ian Fleming und alle Drehbuchautoren Brüder Heinrich von Kleists, der in seinem schauerlichsten Drama die Amazone Penthesilea den begehrten Achilleus vor Liebe fressen läßt. Nur ist bei Bond der Spieß umgedreht: Hier büßen die Girls die Gefühle, die sie im Geheimagenten Ihrer Majestät auslösen, mit dem Tod. Den bisher gräßlichsten starb Shirley Eaton als Jill Masterson, die am Goldlack erstickte, mit dem man ihren nackten Körper überzog.

          Für Bondgirls brachte der Kontakt mit 007 nicht nur den Rollentod, sondern oft auch den der Karriere. Kaum eine Schauspielerin, ausgenommen Diana Rigg und Sophie Marceau und Halle Berry, konnte die Ruhmeshöhe halten, auf die sie als Bondgirl katapultiert worden war. Eva Green könnte den Teufelskreis durchbrechen. Sie dreht momentan mit Daniel Craig, dem neuen James Bond, den Fantasyfilm „His Dark Materials“. Das könnte sie darüber hinwegtrösten, daß nach der Premiere von „Casino Royal“ niemand vom Bondgirl schwärmte, dafür aber Keisha, Mitglied der „Sugababes“, beim Anblick von Daniel Craig gleich einer Penthesilea verkündete: „Ich habe Lust auf ihn.“

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