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Kino : Hitler spielen

  • Aktualisiert am

Corinna Harfouch und Bernd Eichinger Bild: dpa

Kann man Hitler spielen? Ein Gespräch mit Schauspielerin Corinna Harfouch und Bernd Eichinger, dem Produzenten und Drehbuchautoren, über ihren Film "Der Untergang".

          11 Min.

          Schauspielerin Corinna Harfouch und Bernd Eichinger, der Produzent und Drehbuchautor, über ihren Film "Der Untergang".

          Warum Hitlers letzte Tage? Wie kamen Sie darauf?

          Eichinger: Das erste war eine Auseinandersetzung mit terroristischen Systemen, mit Diktaturen. Das war seit zwanzig Jahren mein Lesestoff. Nicht nur das Hitlerregime, auch die UdSSR, China.

          Alexandra Maria Lara als Hitlers Sekretärin in „Der Untergang”

          Auch die DDR?

          Eichinger: Die DDR weniger. Die war für mich immer ein relativ weicher Versuchsraum.

          Sie haben offensichtlich viele politische Diskussionen miteinander geführt, über Revolutionen, Diktaturen, Terrorismus. Wenn wir von Ernst Noltes Begriff des "Weltbürgerkriegs" ausgehen, der alles spaltet und jede Familie zwingt, daran teilzunehmen: Ist dieser Film da in irgendeinem Sinne eine Lösung für Sie gewesen?

          Harfouch: Dieser Film hat uns eine Art seelisch-intellektuellen Frieden gebracht, in meinen Augen.

          Hitlers Ende hat Ihnen Frieden gebracht - warum?

          Harfouch: Weil es mir nach diesem Film möglich ist, die Systeme miteinander zu vergleichen. Ich konnte das vorher nicht. Ich habe mich mit allen Händen und Füßen dagegen gewehrt. Es ist mir möglich, mich sozusagen rauszusetzen und das zu betrachten und einen klaren Gedanken dazu zu fassen. Ich verstehe jetzt vieles von dem, worüber wir geredet haben, worin Bernd Eichingers Wut lag und worin meine lag, mit der wir uns, mehr oder weniger, bekriegt haben.

          Eichinger: Worin lag deine Wut?

          Harfouch: Meine Wut lag darin, daß ich mich in eine Ecke gedrängt fühlte, in der ich nicht klar nachdenken kann, aber Stellung zu nehmen und mich zu verteidigen habe.

          (...)

          Eichinger: Das erste, was mich wirklich interessiert hat, war: Wie kommt es dazu, daß Menschen von einem Zustand, den fast jede Revolution erreichen wollte - nämlich Mitspracherecht der Bürger, Demokratie -, daß die irgendwann ein anderes, militantes System wollen? Was passiert da? Hitler ist ja demokratisch gewählt worden.

          Das kann man so nicht sagen. Hitler ist nie von der Mehrheit des Volkes gewählt worden.

          Eichinger: Aber er ist in einem demokratischen Prozeß an die Macht gekommen.

          Sie haben keinen Film gemacht über die Verführung der Deutschen durch Adolf Hitler, sondern über die letzten zwölf Tage und den Tod des Adolf Hitler.

          Eichinger: Man muß diesen Prozeß verdichten. Es hat mich interessiert - und in "Mein Kampf" ist das nachzulesen, wie einer mit einem obskuren Programm erst eine Gruppe von Leuten und dann solche Massen hinter sich bringt.

          Warum, Ihrer Meinung nach?

          Eichinger: Er hatte Erfolge.

          Das ist die Antwort?

          Eichinger: Ja, selbstverständlich. Man muß das sehen: Die Deutschen waren die Alleinschuldigen am Ersten Weltkrieg, sie waren als wirtschaftliche und militärische Macht ausgeschaltet, sie waren sozusagen die Aussätzigen. Das war die eine Seite. Die andere war das nationale Selbstbewußtsein, das völlig am Boden lag. Jeder Deutsche mußte sich vorkommen wie ein Stück Dreck. Und das hat Hitler relativ schnell zusammengebracht. Es hat Hitler in der Tat überragende Erfolge gehabt, in unglaublich kurzer Zeit und nicht nur innenpolitisch: Millionen Arbeitslose zur Vollbeschäftigung gebracht, außenpolitisch wurde Deutschland als Staat akzeptiert. All das hat ihm einen unglaublichen Nimbus gebracht. Er war absolut populär.

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