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Kino : Filmkomiker Hape Kerkeling: "Samba in Mettmann"

  • -Aktualisiert am

Komik ist bekanntlich Schwerstarbeit. In diesem Sinne muß man über „Samba in Mettmann“ sagen, daß der Film von und mit Hape Kerkeling weniger komisch ist, als zu erhoffen war.

          Irgendwann hat man angefangen, unter den Abspanntiteln sogenannte Outtakes zu zeigen, also jene Szenen, die nicht in den Film gefunden haben, weil sich die Schauspieler versprochen oder verhaspelt haben, weil sie gestolpert oder in Lachen ausgebrochen sind. Naturgemäß ist dieser heitere Ausklang eher den Komödien vorbehalten; in Heulern oder Thrillern wäre der Blick hinter die Kulissen verheerend. Jedenfalls gehören die Outtakes mittlerweile so sehr zum Wohlfühlfilm, daß selbst Animationsfilme ihre Abspänne damit aufmöbeln - obwohl dabei gar keine Outtakes anfallen. Wenn man davon absieht, daß sie die endlosen Abspänne vollends überflüssig machen, weil sie volle Aufmerksamkeit fordern, erfüllen sie in der Regel tatsächlich ihren Zweck, weil sie den Film in die Wirklichkeit hineinverlängern.

          Was die Outtakes von "Samba in Mettmann" angeht, so fallen sie vor allem dadurch auf, daß sie nicht witzig sind, kein bißchen. Das ist fast schon ein Kunststück. Vielleicht zeigt es auch, mit welchem Ernst bei diesem Film alle bei der Sache waren. Komik ist ja bekanntlich Schwerstarbeit.

          Hape Kerkeling und Angelo Colagrossi haben auch vor zehn Jahren zusammengearbeitet bei "Kein Pardon", der deutlich amüsanter war, als zu befürchten stand. Schon deshalb muß man über "Samba in Mettmann" sagen, daß er leider weniger komisch ist, als zu erhoffen war. Kerkeling spielt den Sohn eines Reinigungsbesitzers (Sky du Mont), der erst mal genervt ist, weil seine Verlobte (Alexandra Neldel) vor der Ehe drei Monate sexuelle Enthaltsamkeit fordert, und dann mächtig ins Schwitzen kommt, weil er aus heiterem Himmel drei brasilianische Sambatänzerinnen am Hals hat, von denen eine immer Pipi machen muß, wenn es brenzlig wird. Die Verwicklungen laufen im großen und ganzen darauf hinaus, daß Kerkeling endlich "Tanze Samba mit mir" singen kann: "Tanze Samba die ganze Nacht". Ansonsten muß man sich daran freuen, daß die Verlobten einander Muckel und Schnurzel nennen.

          "Samba in Mettmann" lebt vorwiegend von Kerkelings sympathischer Präsenz, die um so wirkungsvoller ist, je mehr er seine Szenen unterspielt. Ihm dabei zuzusehen, wie seine schlechte Laune zunimmt, wenn ihm die Situation nach und nach über den Kopf wächst, macht den Witz des Films aus. Aber in seiner kuriosen Mischung aus Biederkeit und Affektiertheit wirkt er vom Plot dauernd unterfordert. Am Ende denkt man sich, daß Kerkeling in einem ernsten Film womöglich besser aufgehoben wäre.

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