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Kino : Epochenumbruch in Hollywood

Apocalypse Now: Hollywood hat die Nase voll von Präsident Bush und sorgt sich um den Zustand Amerikas. Eine große Menge neuer Filme erzählt vom Irak-Krieg und der Gewalt, die sich in die amerikanische Gesellschaft frisst.

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          Ein ägyptischer Naturwissenschaftler, seit zwanzig Jahren wohnhaft in Chicago, mit Greencard, einer amerikanischen Frau und einem amerikanischen Kind, wird auf dem Rückflug von einer Konferenz in Südafrika beim Zwischenstopp in Washington überwältigt und in ein nordafrikanisches Land entführt, dort gefoltert, bis er falsche Aussagen macht, während seine Frau nach ihm sucht und keine Auskunft bekommt. Hinter der Entführung steht die CIA. Diese Geschichte erzählt Gavin Hood in seinem Film „Rendition“.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Eine Gruppe amerikanischer Soldaten vergewaltigt ein fünfzehnjähriges irakisches Mädchen und ermordet dann dessen gesamte Familie, um die Spuren ihrer Tat zu verwischen. Auf der Grundlage tatsächlicher Ereignisse baut aus dieser Geschichte Brian de Palma seinen Film „Redacted“ (siehe auch: Lust, Schuld und melancholische Männer im Spiegel der Blicke).

          Massaker an Frauen und Kindern

          Irakische Aufständische vergraben eine Bombe, warten auf einen amerikanischen Konvoi, der diese Stelle passieren wird, und zünden die Bombe mit einer primitiven Fernsteuerung. Die Explosion tötet einen amerikanischen Offizier und verletzt zwei weitere. Der Rest der Truppe stürmt das nahe liegende Dorf und ermordet vierundzwanzig Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder. Den Film, der dieses Massaker vom 19. November 2005 zum Ausgangspunkt einer Recherche nimmt, hat Nick Broomfield gedreht: „Battle for Haditha“.

          Kaum aus dem Irak zurückgekehrt, verschwindet ein Marine aus dem Camp. Sein Vater, ein Vietnam-Veteran, macht sich auf die Suche nach ihm und entdeckt, dass im Krieg aus seinem Sohn ein Mörder geworden ist. Paul Haggis erzählt diese Geschichte in seinem Film „In the Valley of Elah“.

          Kassenträchtige Besetzung

          Das Filmfestival in Toronto, das gestern zu Ende ging, zeigte diese vier Filme, die teilweise zuvor schon in Venedig zu sehen waren, teilweise hier ihre Weltpremiere erlebten, und dazu noch eine Reihe von Dokumentarfilmen zum Thema, innerhalb weniger Tage. Es sind sämtlich amerikanische Produktionen, und ihre Regisseure sind keineswegs Außenseiter, sondern arbeiten mitten in Hollywood oder an dessen Rändern. Noch mindestens fünf weitere Filme zum Irak-Krieg werden in den nächsten Wochen in die Kinos kommen - von Peter Berg „The Kingdom“, von Robert Redford „Lions for Lambs“, von James C. Strouse „Grace is Gone“, von Mike Nichols „Charlie Wilson's War“ und schließlich von Kimberly Pierce „Stop Loss“. Einige der Regisseure haben sich für eine kassenträchtige Besetzung entschieden, und so sehen wir in ihren Filmen Schauspieler, die zu den populärsten des amerikanischen Kinos gehören: Tom Cruise, Meryl Streep und Robert Redford, Tom Hanks, John Cusack, Jake Gyllenhaal und Reese Witherspoon, Tommy Lee Jones, Charlize Theron und Susan Sarandon, Chris Cooper und Jennifer Garner. Andere drehten mit vollständig Unbekannten, um ihren Filmen höchstmögliche Authentizität zu verleihen.

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