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Kino : Eine Frage des Volumens

  • -Aktualisiert am

Der furchtlose Sean Penn, die leuchtende Kate Winslet, der schöne Jude Law und der große Anthony Hopkins gemeinsam in einem Film: Doch Steven Zaillians „Das Spiel der Macht“ scheitert auf ganzer Linie.

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          Grundsätzlich spricht nichts dagegen, einen Roman neu fürs Kino zu adaptieren, dessen erste Verfilmung vor mehr als fünfzig Jahren Oscars für den besten Film und den besten Hauptdarsteller gewonnen hat. Es sollte sich nur im Laufe des Films irgendwann die Frage beantworten lassen: warum?

          Weder Robert Penn Warrens pulitzer-preisgekrönter Roman „All the King's Men“ noch Robert Rossens Verfilmung „Der Mann, der herrschen wollte“ aus dem Jahr 1949 sind heute noch so richtig geläufig, deswegen braucht Steven Zaillian den Vergleich auch kaum zu scheuen. Die Geschichte handelt vom Aufstieg und Fall eines Politikers in Louisiana, der wie sein kaum verschlüsseltes Vorbild Huey Long den Staat im Süden aus der Depression herausführen will und auf dem Höhepunkt seines Machthungers einem Attentat zum Opfer fällt. Als Volkstribun war Long offenbar tatsächlich eine Figur von beträchtlicher Strahlkraft, der im rückständigen Südstaat einiges in Gang brachte, sich aber im selben Maß in Korruption und Willkür verstrickte.

          Es fehlt an Körpermasse

          Dieser Gouverneur namens Willie Stark ist natürlich für einen furchtlosen Schauspieler auf der Höhe seines Ruhms wie Sean Penn ein verlockendes Angebot, obwohl schon die Tatsache, dass er nur die gefühlte Hälfte des Gewichts von Broderick Crawford auf die Waage bringt, ihm von vornherein etwas Giftzwergenhaftes verleiht. Wann immer er flammende Reden schwingt, scheint er sich aufplustern zu wollen, und wenn er gravitätisch Autorität ausstrahlen möchte, fehlt es ihm irgendwie an Körpermasse - es wirkt fast so, als sollte sein absurd auftoupiertes Haupthaar für ein wenig zusätzliches Volumen sorgen.

          Sean Penn kann cooler sein als die meisten, er kann gequält und durchgeknallt spielen, aber seine ganze nach innen gerichtete Mimik fällt bei dieser Rolle in sich zusammen. Er ist kein Mann für die Massen, es fehlt ihm die nötige Gebrauchtwagenhändlermentalität, so dass man sich einen Film lang fragt, was ihn eigentlich treibt - außer der Suche nach einer weiteren oscarreifen Performance.

          Briten mit Südstaatenakzent

          Steven Zaillian, oscargekrönter Drehbuchautor von „Schindlers Liste“ und Regisseur von Filmen wie „Zivilprozess“, hat die Handlung aus den Dreißigern in die fünfziger Jahre verlegt, denen bei ihm aber alles abgeht, was das Jahrzehnt im Kino sonst so an Aufstiegsglaube und Stromlinienförmigkeit zu bieten hat. Das verhangene Licht der Depressionsjahre liegt über den Bildern, zumal Zaillian alles tut, um sein Drama in der alten Südstaatenvergangenheit zu verankern.

          Wie verquer die Dinge bei solchen Projekten in Hollywood laufen, sieht man schon daran, dass für drei der größeren Rollen Briten verpflichtet wurden, die sich nun mit dem schweren Südstaatenakzent herumplagen müssen: Jude Law, Kate Winslet und Anthony Hopkins. Es sind Fälle denkbar, in denen so etwas funktionieren kann - aber nicht in einem Film, in dem der ganze Organismus von Gewebeabstoßung befallen scheint. Jude Law spielt einen Journalisten, der seine ungewissen Ambitionen als Willie Starks rechte Hand verwirklicht und durch dessen Augen die Geschichte erzählt werden soll. Seit einiger Zeit wird Law als sexiest actor alive gepriesen, und er sieht auch hier wieder phantastisch aus, hat die Sympathien auf seiner Seite und ist auch sonst seiner Aufgabe im Großen und Ganzen gewachsen. Aber es fehlt ihm wie stets jene Präsenz, die erst glaubhaft macht, dass er mehr als nur ein gerngesehener Gast bei der Produktion des Films gewesen ist - am besten war er immer noch als gelähmter, trauriger Schnösel in „Gattaca“. Selbst Kate Winslet, die sonst so ziemlich alles zum Leuchten bringt, verfängt sich als blondierte femme fatale in irgendeinem der Subplots. Und Hopkins ist als müder Südstaaten-Richter völlig auf dem falschen Dampfer.

          Natürlich sieht man all den Leuten eine Zeitlang gerne zu, aber allmählich merkt man, dass hier mehrere Filme nebeneinanderher laufen und keiner so recht weiß, wohin die Reise eigentlich geht. Im grandiosen Schlussbild soll dann plötzlich alles zusammenfließen, was vorher auseinanderstrebte. Große Filme sehen anders aus.

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