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Kino : Die kalte See: "Open Water", ein Film von Chris Kentis

Kurz vor Schluß, während die Rettungsaktion des Küstenschutzes schon im Gange ist, trifft Susan in scheinbar aussichtsloser Lage eine Entscheidung, die kein Tier zu treffen imstande wäre, und es ist dieser Entschluß, der die Geschichte erst unvergeßlich macht, weil er die naturgegebene Logik, den Mechanismus der Instinkte, auf spektakuläre Weise durchbricht. In Kevin Macdonalds Film "Sturz ins Leere", der vom Überlebenskampf zweier Bergsteiger in den den Anden berichtet, gab es einen ähnlichen Moment der Selbstüberwindung, als einer der beiden Kletterer beschloß, sich seinen Weg aus der Gletscherspalte, in die er gestürzt war, nicht nach oben, zum Licht hin, sondern nach unten und ins eisige Dunkel hinein zu bahnen.

Es sind solche Augenblicke, um derenwillen man ins Kino geht, um sich Geschichten von Haien und Quallen und Andengipfeln erzählen zu lassen. Denn in den Kräften der Fauna und des Wetters, um deren dämonische Aufladung sich die Horror- und Actionfilme durchschnittlicher Machart immer wieder bemühen, in aufgesperrten Rachen und donnernden Lawinen, liegt in Wahrheit nichts Erschütterndes, sie folgen nur ihrer Natur; es liegt alles in den Individuen, die sie erleiden. In den digitalen Innovationsschüben der letzten Jahre ist ein wenig in Vergessenheit geraten, daß auch der Katastrophenfilm einmal ein Genre war, das von wirklichen Menschen erzählte. Der Erfolg von "Titanic" hat es wieder in Erinnerung gebracht, und auch "Open Water" dürfte am Ende seinen Anteil daran haben, daß dem Kino der Untergänge und nassen Tode ein Rest von Bodenhaftung bleibt.

Manche Filme kann man an den körperlichen Reaktionen erkennen, die sie auslösen. Nach Steven Spielbergs "Weißem Hai" hatte man eine Zeitlang keine Lust mehr, im Meer schwimmen zu gehen; das Gefühl, von dort unten beutegierig angestarrt zu werden, war übermächtig. Nach "Open Water" spürt man nichts dergleichen. Man schaut nur mit anderen, wacheren Augen auf die Wellen. Und man nimmt sich vor, beim Tauchen im tiefen Wasser auf jeden Fall bei der Gruppe zu bleiben. Alles andere wäre sträflicher philosophischer Leichtsinn.

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