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Kino : Der Walkürenritt des Tom Cruise

  • Aktualisiert am

Bizarre Paarung? Cruise spielt Stauffenberg Bild: AFP

Dass Tom Cruise den Grafen von Stauffenberg spielt, wäre ein guter Witz, wenn es kein schlechter wäre. Es steht zu erwarten, dass der peinliche Tom das Projekt gegen die Wand fährt.

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          Die Nachricht, dass Tom Cruise den Grafen von Stauffenberg spielen soll, wäre ein guter Witz, wenn sie nicht ein schlechter wäre. Der Mann aus Hollywood hat auf den ersten Blick tatsächlich gewisse physiognomische Ähnlichkeiten mit dem Hitler-Attentäter, vor allem im Gesicht: die hohen Wangenknochen, die gerade Nase, das markante Kinn - bei einem offenen Casting für die Stauffenberg-Rolle wäre Tom Cruise jedenfalls nicht von vornherein chancenlos.

          Auch die auffällige Verbissenheit, das Hektische und Getriebene, das Cruise bei seinen Auftritten vor Publikum an den Tag legt, macht ihn durchaus geeignet für die Rolle eines Mannes, der unter Zeitdruck und Lebensgefahr eine Bombe im Besprechungszimmer der „Wolfsschanze“ deponierte. Die Tatsache schließlich, dass Cruise zwanzig Zentimeter kleiner ist als Claus Schenk Graf von Stauffenberg, ließe sich filmtechnisch kaschieren; Größenunterschiede dieser Art haben noch keinen Produzenten vom Produzieren und keinen Zuschauer vom Zugucken abgehalten. Damit enden aber auch schon die Plausibilitäten, und es beginnt das weite Reich der Peinlichkeit.

          „Kreativer Suizid“

          Denn Cruise, der sich für das Projekt „Valkyrie“ („Walküre“) mit Bryan Singer, dem Regisseur von „Superman Returns“ und „X-Men“, und dem Drehbuchautor Chris McQuarrie zusammengetan hat, ist ja nicht irgendein Schauspieler. Er ist der höchstbezahlte Schauspieler der Filmgeschichte - und zugleich der erste Hollywoodstar, der von einem Studio, der Paramount, wegen „erratischen Verhaltens“ und „kreativen Suizids“ öffentlich fallengelassen wurde; so geschehen im vergangenen August. Und nicht zuletzt ist Cruise auch noch der weltweit bekannteste Anhänger jener Scientology-Religion, deren Gründer durch die Maxime „Macht Geld, macht mehr Geld“ einen uramerikanischen Impuls zum Moralgesetz geadelt hat.

          Die Vorstellung, Stauffenbergs letzte Worte „Es lebe das heilige Deutschland!“ könnten auf der Leinwand von einem Mann gesprochen werden, der sich „Thetan“ nennen lässt und an den außerirdischen Ursprung der Menschheit glaubt, ist mehr, als der stärkste Kino-Magen verkraften kann. Ein ähnliches Vorgefühl muss auch den Stauffenberg-Enkel Caspar Schenk Graf von Stauffenberg befallen haben, als er der schottischen Zeitung „The Scotsman“ gestand, er sei besorgt, dass der Film dazu benutzt werden könnte, Propaganda für Scientology zu machen. Leider, so Graf Caspar, könne seine Familie nichts gegen das Cruise-Vorhaben tun, schließlich sei sein Großvater eine historische Person.

          An diesem Punkt allerdings kann man den Grafen beruhigen. Denn das meiste von dem, was man mit einiger Phantasie gegen das Projekt „Valkyrie“ unternehmen kann, wird Tom Cruise schon selbst besorgen. Er hat es getan, als er im Fernsehen das Liebesleben mit seiner Frau Katie Holmes breittrat und bei Filmpremieren für seine Scientologenfreunde warb. Und er wird es wieder tun. Es braucht keinen Attentäter, um die Hollywood-Ikone Tom Cruise in die Luft zu sprengen. Das schafft er schon ganz allein. Es lebe der peinliche Tom.

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