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Kino : Der Film zur Wolldecke: „Die Chroniken von Narnia“

  • -Aktualisiert am

Vivienne Westwoods jüngere Schwester? Tilda Swinton, hier mit Skandar Keynes Bild: AP

Abenteuer hinterm Wandschrank: „Die Chroniken von Narnia“ ist das, was man „Fantasy-Franchise“ nennt, also Hokuspokus in mehreren Fortsetzungen mit der Lizenz zum Gelddrucken.

          Alle Jahre wieder finden Filmkritiker in der Weihnachtspost das ein oder andere Präsent von Verleihfirmen: Spielzeug mit Aufdruck von Filmen, Wandkalender mit Fotos von Filmen, Weinflaschen mit aufgedrucktem Logo, Wolldecken mit eingesticktem Logo. Das ist alles nett gemeint, freut die Kinder oder den Weihnachtsbasar und führt überraschenderweise auch nicht zu besseren Besprechungen.

          Als nun die Kinotrailer und Plakate zu „Die Chroniken von Narnia“ auftauchten, fragten meine Kinder erstaunt, wie es sein könne, daß schon seit vergangenen Weihnachten bei uns die entsprechende Wolldecke mit aufgesticktem Titel herumliege. Berechtigte Frage. Zumal seit damals immer wieder E-Mails verschickt wurden, die darüber aufklärten, welche Firmen für die sogenannte Cross-Promotion zu den „Chroniken“ mit ins Boot geholt wurden. In England gab es allen Ernstes Preisausschreiben, die fragten, welche Softdrink-Marke „Narnia“ unterstützt. Das ist im Filmgeschäft heute so üblich, und womöglich funktioniert es sogar. Die Erfahrung aber sagt: Wer es nötig hat, ein Jahr vor Filmstart Wolldecken an Filmkritiker zu verschicken, der hat entweder zuviel Geld oder einen zu schwachen Film.

          Hokuspokus mit Fortsetzungen

          „Die Chroniken von Narnia“ ist das, was man „Fantasy-Franchise“ nennt, also Hokuspokus in mehreren Fortsetzungen mit der Lizenz zum Gelddrucken. So gesehen, ist der Film eine Mischung aus dem „Herrn der Ringe“ und „Harry Potter“, vom einen hat er das Spezialeffekt-Brimborium, vom anderen das englische Kinderland-Setting, von beiden die Absicht, die Sache in mehreren Sitzungen fortzuführen, auf daß Jahr für Jahr neue Wolldecken verschickt werden können.

          Regisseur Andrew Adamson hat sich bislang dadurch hervorgetan, daß er den pfiffigen Trickfilm „Shrek“ und seine etwas zu pfiffige Fortsetzung „Shrek 2“ gedreht hat. Mit Realfilm hat er nur insofern Erfahrung, als er zweimal bei „Batman“ für die Spezialeffekte zuständig war. Das Problem an „Narnia“ ist entsprechend, daß er sich nicht recht entscheiden kann, ob er Trick- oder Realfilm sein soll. Natürlich ist er so real, wie es die Vorlage von C. S. Lewis eben zuläßt, aber das Übermaß an Tier- und Schreckgestaltenpersonal führt dazu, daß es kaum Einstellungen gibt, die nicht vom Computer bevölkert werden mußten. All die sprechenden Biber und Löwen, Eisbären und Faune, die die vier Kinder auf ihrem Abenteuer hinterm Wandschrank begleiten, sind zweifellos liebevoll gemacht, aber entstammen so sichtlich der Trickkiste, daß sie nie richtige Erdenschwere erhalten.

          Unsichtbare Gegenspieler

          Dazu kommt, daß sich die vier Darsteller mit einer Ausdruckslosigkeit durch den Film schlagen, die sich wohl weniger mit ihrer englischen Erziehung als damit erklären läßt, daß sie die meiste Zeit mit unsichtbaren Gegenspielern agieren mußten, die erst nachträglich in den Film eingefügt wurden. Und Tilda Swinton sieht aus wie Vivienne Westwoods jüngere Schwester.

          Wer nach dem „Herrn der Ringe“ befürchtet hat, daß die Computerbilder dem wirklichen Leben den Schneid abkaufen werden, darf sich in „Die Chroniken von Narnia“ bestätigt sehen. Der Film ist ein blasses Zwitterwesen - da helfen auch keine Wolldecken.

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