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Kino : Das muß ich haben, das will ich haben

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Zwanzig Jahre war Bernd Eichinger hinter den Rechten an Patrick Süskinds „Parfum“ her. Als er sie hatte, entschied er sich gegen viele berühmte Regisseure und für Tom Tykwer. Ein Gespräch über die Geschichte seines Traumprojekts.

          8 Min.

          Wer in Bernd Eichingers Büro an der Münchner Freiheit kommt, sieht in den Regalen einen ganzen Wald von Auszeichnungen und Trophäen, die Eichinger in seiner über dreißigjährigen Karriere als Produzent und Verleiher gewonnen hat. Dennoch ist die Verfilmung von Patrick Süskinds „Parfum“, die am 14. September ins Kino kommt, eine besondere Herausforderung gewesen. Zwanzig Jahre war er hinter den Rechten an der Geschichte des Mörders Grenouille her, und als er sie hatte, gab es viele berühmte Regisseure, mit denen er den Film hätte machen können - aber Eichinger entschied sich für Tom Tykwer. Hier spricht er über die Geschichte seines Traumprojekts.

          Herr Eichinger, als Sie „Das Parfum“ zum ersten Mal gelesen haben, war Ihnen da schon klar, daß dies ein Filmstoff ist, den Sie unbedingt haben wollten?

          Ja, obwohl ich normalerweise nicht gleich in Filmstoffen denke. Ich muß beim ersten Lesen das Gefühl haben, ein Original gefunden zu haben. Das war beim „Parfum“ so. Das Buch hat mich in Bann geschlagen, und als ich es zuklappte, habe ich mir gedacht: „Was ist das eigentlich?“ Es gab keine Genrezuordnung. Weil ich nun einmal Filmemacher bin, war für mich klar: Das muß ich haben, das will ich haben, das ist für mich eines der ganz wichtigen Bücher in deutscher Sprache von einigen Dekaden. Dann erfuhr ich, daß Patrick Süskind die Rechte unter keinen Umständen verkaufen wollte.

          Während der Dreharbeiten zu „Das Parfum” in Barcelona

          Welche Register zieht man denn als Produzent, um den Autor umzustimmen?

          Zunächst ist das bitter, aber das war schon eine klare Aussage. Der Verlag hat gesagt, die Rechte sind nicht verkäuflich, und zwar zu keinem Preis. Ich wußte, daß sie das ernst meinen. Trotzdem habe ich Herrn Keel vom Diogenes Verlag immer wieder einmal gefragt, ob sich daran was ändert. Und es hieß immer wieder: No, no, no. Das blieb so, fünfzehn Jahre lang.

          Wann hat sich das geändert und warum?

          Ich war in Los Angeles, im Jahr 2000 war das, und da gab es Bewegungen, das kriegt man ja mit. Ich habe sofort reagiert und Herrn Keel angerufen. Er sagte, na ja, der Patrick wäre jetzt unter Umständen doch bereit, die Rechte zu verkaufen. Ich bin sofort nach Zürich geflogen. Es hieß, der Patrick will einen bestimmten Preis und weiter nichts mit dem Film zu tun haben. Eine Summe, und das war's.

          Hatte das vielleicht mit Kubricks Tod zu tun? Es gab ja das Gerücht, daß der einzige Regisseur für „Das Parfum“, den Süskind sich vorstellen konnte, Stanley Kubrick gewesen sei.

          Ich glaube das eher nicht. Das hätte ich erfahren. Ich kann mir aber vorstellen, daß es dem Patrick einfach nicht mehr so wichtig war.

          Aber Ihnen ist es gleich wichtig geblieben? Was ist für Sie die Essenz, die Sie in den Film übersetzen wollten?

          Das kann man doch so nicht sagen! Wenn Sie Beethovens Neunte hören, wissen Sie am Ende auch nicht, was das Wichtigste, welcher Ton der schönste war. Es ist das Ganze.

          Na ja, aber wenn Sie ein Haus bauen wollen und sagen, es soll so sein wie Beethovens Neunte, dann müssen Sie sich das mit der Essenz schon überlegen. Und hier nehmen Sie ja ein Buch und transponieren es in ein anderes Medium.

          Ich bleibe dabei, das ist ein Gesamtkunstwerk als Buch, und es muß ein neues Werk geschaffen werden. Man kann ein Buch nicht verfilmen, deshalb hasse ich auch diesen Ausdruck. Ich verfilme kein Buch. Ich schaffe ein neues Werk, das auf einem bestehenden Werk aufbaut.

          Sie haben das Drehbuch mitgeschrieben. Was war da der Ausgangspunkt?

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