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Kino : Bring mir den Zopf von Zhang Ziyi

In der Kritik: Zhang Ziyi Bild: REUTERS

Zhang Ziyi ist eine der schönsten Frauen, die zur Zeit vor der Kamera stehen. Nun aber spürt sie den Zorn ihrer chinesischen Landsleute - weil sie in einem Film eine japanische Amüsierdame spielt.

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          Wir wissen, daß das Kino keine ungefährliche Kunst ist. Filme, das sagt schon Sam Fuller in Godards „Pierrot le Fou“, sind Schlachtfelder und Kriegsschauplätze, auch wenn darin nicht geschossen und gestorben wird.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Das wissen auch die Patrioten aller Länder, wenn sie auf die Leinwand schauen und dort sehen, wie ihre Lieblingsfrauen, die weiblichen Stars der Nation, in den Geschichten des Feindes auftreten, mit ihm ins Bett steigen oder gar den Bund fürs Leben schließen. „Vaterlandsverräterin!“ ruft der Patriot dann oder, noch schlimmer, „Hure!“; meistens folgt ein Aufruf zum Boykott auf dem Fuß. Marlene Dietrich hat das erfahren, als sie von Hollywood aus gegen Hitler kämpfte, ohne sich dafür nach dem Krieg bei den Deutschen zu entschuldigen. Und nun erfährt es Zhang Ziyi.

          Japanische Amüsierdame

          Zhang Ziyi ist eine der schönsten Frauen, die zur Zeit vor der Kamera stehen, und neben Gong Li die bekannteste chinesische Schauspielerin. Bisher hat sie, zur Freude ihrer Landsleute, fast ausschließlich in chinesischen Produktionen mitgespielt. Nun aber spielt Zhang Ziyi die Hauptrolle in Rob Marshalls Film „Memoirs of a Geisha“, der Ende nächster Woche in Hongkong, Japan und den Vereinigten Staaten anläuft, und damit haben die Chinesen ein Problem. Denn „Memoirs of a Geisha“ ist die Hollywood-Verfilmung der Lebensgeschichte einer Japanerin, der Amüsierdame Sayuri Nitta, die in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg zu einer Berühmtheit ihres Heimatlandes aufstieg. Japan aber ist für die chinesischen Patrioten das, was für die Deutschen vor hundert Jahren die Franzosen waren und umgekehrt: der Erbfeind, mit dem es keine Versöhnung gibt.

          In der Kritik: Zhang Ziyi Bilderstrecke

          Schon bei der Vorbereitung des Films wurde Zhang Ziyi deshalb von Reportern gefragt, wie sie sich für so einen Stoff hergeben könne. Nun bekommt sie den Zorn des Internet-Publikums zu spüren. „Sie hat ihre Seele verkauft und ihr Land verraten“, geifert einer der Blogger. „Wenn man sie zu Tode hacken würde, wäre das noch nicht genug.“ Andere stellen eine Liebesszene aus Ang Lees „Crouching Tiger, Hidden Dragon“ ins Netz und behaupten, es handle sich um Nacktbilder Zhangs aus dem neuen Film. Es geht, wieder einmal, um die Ehre der Nation, und sie wird ausgerechnet am Beispiel einer Geschichte aus dem Frauenhaus verhandelt, in der Männer nur als Aufseher oder Kunden vorkommen.

          Interessanterweise ist „Memoirs of a Geisha“ auch in Japan auf Mißfallen gestoßen. Kritiker, die bisher nur den Trailer sehen konnten, stoßen sich an einer in Kyoto spielenden Tanzszene: Sie sehe aus „wie in einer Stripshow in Los Angeles“, heißt es. Daß er Gegner auf beiden Seiten der Frontlinie hat, spricht für den Film. Und es spricht für Zhang Ziyi, daß sie ihren Auftritt darin weder entschuldigt noch wortreich verteidigt. „Wir können soviel mehr, als die Leute denken“, ist alles, was sie bisher auf die Haßtiraden geantwortet hat. Es genügt auch.

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