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Kino : Arche Ferdinand

Auf hoher See: „Das Geheimnis der Frösche” Bild: dpa

Genau zwischen "Große Haie, kleine Fische" und "Die Unglaublichen", den beiden grandios beworbenen Computertrickfilmen, kommt ein ganz kleiner Trickfilm in die Kinos, der auch für die ganz Kleinen gedacht ist.

          Genau zwischen "Große Haie, kleine Fische" und "Die Unglaublichen", den beiden gleichermaßen grandios beworbenen, aber unterschiedlich grandios ausgefallenen Computertrickfilmen aus den amerikanischen Studios Dreamworks und Pixar, kommt ein ganz kleiner Trickfilm in die deutschen Kinos, der auch für die ganz Kleinen gedacht ist: "Das Geheimnis der Frösche".

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Hergestellt wurde er in Frankreich, von dem in Valence angesiedelten Studio Folimage, einem der großen europäischen Trickfilmproduzenten, und die Anfertigung des knapp anderthalbstündigen Werks erfolgte ganz konservativ per Hand, Folie für Folie. Das sieht man vor allem den Farben auch an: Sie sind nicht flächig aufgetragen, wie es meist beim Einsatz von Computern passiert, sondern führen ein Eigenleben. Ihre Struktur wandelt sich mit der Animation der Figuren, so daß ein spezifischer Glanz über die Kleidungsstücke oder Hautpartien zu wandern scheint - ein Phänomen, an das Trickfilmfreunde sich von Kindheit an gewöhnt haben und das einen der Gründe dafür darstellt, daß Computertrick oft immer noch als leblos empfunden wird, auch wenn dessen Perfektion längst größer ist als die des klassischen Zeichentricks.

          Mitfühlende Amphibien und ein alter Seebär

          Solche ästhetischen Erwägungen scheinen weitgehend irrelevant für das Zielpublikum. Doch man täusche sich nicht: Niemand hat ein schärferes Auge für Qualität als Kinder. Sie werden deshalb die Figuren, die nach Entwürfen des Trickfilmers Iouri Tcherenkov gestaltet sind, lieben, vor allem die Tiere. Wie hier mit schlichtesten Mitteln Elefanten, Katzen, Ziegen, Schweine, Tiger, Löwen, Krokodile zum Leben erweckt werden, das hat immensen Charme und steht viel eher in europäischer als amerikanischer Tradition. Die Bildsprache des Trickfilms aus dem Ostblock, der die politische Wende kommerziell nicht überstanden hat, ist mit einemmal wieder auf der Leinwand präsent.

          Die Geschichte ist ebenso simpel gehalten wie die Animation, doch das funktioniert nicht genauso gut. Der Regisseur Jacques-Rémy Girerd hat für seinen ersten langen Trickfilm auch das Drehbuch mitverfaßt und eine moderne Variation der Arche Noah erdacht. Der ehemalige Kapitän Ferdinand lebt mit seiner schwarzen Geliebten Juliette und dem Waisenjungen Tom auf einem Bauernhof, in dessen Nähe sich die wetterfühligen Frösche der Umgebung versammeln, um ihre Prognosen auszutauschen. Die Vorhersage: vierzig Tage Regen, eine neue Sintflut. Die mitfühlenden Amphibien warnen Tom und seine etwas ältere Freundin Lili, die während einer Reise ihrer Eltern bei Ferdinand untergekommen ist, und schon werden zahlreiche Tiergattungen in die hochgelegene Scheune getrieben, denn Lili ist die Tochter eines Zoobesitzers. Als das Wasser sogar die Hügelkuppe erreicht, erweist sich die Scheune als schwimmfähig - und Ferdinand als Seebär von altem Schrot und Korn.

          Was die Bibel ausgeblendet hat

          Dann aber geschieht, was die Bibel ausgeblendet hat: Fleisch- und Pflanzenfresser sind während der folgenden Irrfahrt nicht gleichermaßen zufrieden mit den Rationen an Bord, die aus 28 Tonnen Kartoffeln bestehen. Eine heimtückische Schildkröte wiegelt die Raubtiere zusätzlich auf, und bei einer Meuterei verliert Ferdinand das Kommando. Die Kartoffelschlacht ist verloren, Übles droht den Gefangenen. Daß das Ganze am Ende dennoch einen guten Ausgang nimmt, muß nicht eigens betont werden. So weit, so absehbar.

          Immerhin gibt es ein paar überraschende Momente. So werden zwei Hühner tatsächlich verspeist, und die lockere familiäre Bindung der Protagonisten läßt Raum für manchen Hintergedanken in Zeiten einer permissiven Gesellschaft. Dafür geht der Schlußgag leider überhaupt nicht auf. Aber man wird trotzdem in bester Stimmung aus dem Kino entlassen, weil man etwas gesehen hat, was selten geworden ist: einen Trickfilm, dessen Macher den Spaß an ihrem Metier nicht in geistreichen Anspielungen, sondern durch liebevolle Gestaltung spüren lassen.

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