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„Oops! Die Arche ist weg...“ : Was auf der Arche Noah wirklich geschah

Auf dieser Arche hat ein Löwe das Sagen. Und der ist dagegen, dass Mutter Nestrier und Vater Grimps das Schiff wenden, damit sie ihre von der Sintflut über Bord gespülten Kleinen finden. Bild: dpa

Es gibt wieder mal einen sehenswerten deutschen Animationsfilm im Kino: „Ooops! Die Arche ist weg …“ bringt zwei Tierarten einander näher, von denen wir noch nie etwas gehört haben.

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          Im Kino ist jetzt ein Zeichentrickfilm angelaufen, an den sich große deutsche Hoffnungen knüpfen: „Ooops! Die Arche ist weg …“. Trotz des Titels hat man einige andere Produktionsländer mit im Boot, nämlich Luxemburg, Belgien und Irland, alle drei keine Giganten im internationalen Animationsgewerbe, aber das ist Deutschland ja leider auch nicht. Beim „Arche“-Film hat sich vor allem die Hamburger Filmförderung hervorgetan, und wie zum Dank spricht Christian Ulmen eine der Hauptrollen mit leicht hanseatischem Einschlag. Das passt ja auch zu einem Film, der seinen Schauplatz überwiegend in maritimen Gefilden findet.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Es geht um eine der bekanntesten Geschichten überhaupt, die von der Rettung des Lebens auf der Erde vor der Sintflut durch die Arche. Nun könnte man meine, damit nähme Toby Genkel, ein 1970 geborener und in Hamburg ausgebildeter Animator, der nun für Drehbuch und Regie entscheidend mitverantwortlich zeichnet, den seit einigen Jahren feststellbaren Trend zu Bibelverfilmungen auf – doch weit gefehlt. Im Animationsgeschäft, so es denn weltweit betrieben wird, ist kein rechter Platz für dezidiert christlich-jüdische Stoffe, denn die Filme sollen auch im muslimischen oder buddhistischen Kulturkreis Absatzchancen bekommen (und umgekehrt wäre auch ein Mohammed- oder Buddha-Film schwierig im Westen zu vermarkten). Wenn sich also der erst kürzlich monumental inszenierte und außerhalb der Vereinigten Staaten monumental gefloppte Spielfilm „Noah“ ganz auf die biblische Geschichte kaprizierte, nimmt „Ooops! Die Arche ist weg …“ nur den Ausgangspunkt dort: Noah hat die Arche gebaut, nun wollen die Tiere an Bord.

          Spezies Nestrier und Grimps – noch nie gehört?

          Tiere und Trickfilm, das passt einfach. Menschen und Trickfilm dagegen weniger. Also wird Noah gar nicht erst gezeigt; die einzigen Hinweise auf seine Existenz sind eine Erwähnung am Anfang und ein gezeichnetes Kabinenschild im Mittelteil des Films, auf dem eine Menschensilhouette abgebildet ist. Denn jede Art bekommt auf dieser Arche seine eigene Kabine, weil die Tiere möglichst menschlich agieren sollen. Wobei es sehr schön ist, wie beim Einschiffungsvorgang zwei Warteschlagen gebildet werden: links die Fleischfresser, rechts deren potentielles Futter. Da wird ein in der Bibel ausgespartes Problem für die Handlung fruchtbar gemacht, und es taugt für ein paar schöne Gags.

          Aber natürlich nicht für einen ganzen Film von anderthalb Stunden. Der braucht neben Humor auch Spannung und Drama. Dafür zeichnen die vier Hauptfiguren verantwortlich, die sich ganz am Ende der beiden Warteschlangen treffen: links zwei Grimps, rechts zwei Nestrier. Wenn Sie nicht wissen, was das sein soll, geht es Ihnen wie allen Zuschauern, denn beide Tierarten sind frei erfunden. Die Grimps, hier vertreten durch die bärbeißige Kate und ihre Tochter Leah, sind wolfsartige kleine Raubtiere, die Nestrier – Papa Dave und sein Sohn Finny – dagegen friedliche kunterbunte haarige Rüsseltiere mit Ohren, die wie die Quasten einer Vorhangschärpe aussehen. Da wir beide Spezies nicht kennen, könnte man sich schon denken, wie man den Titel des Trickfilms zu verstehen hat: Diese beiden offenbar heute ausgestorbenen Arten dürften es nicht auf die Arche geschafft haben.

          Weder langweilig noch überdramatisiert

          Weit gefehlt, sie schaffen es, wenn auch im Falle der Nestrier nur durch einen Trick, den ihnen wiederum die regulär gebuchten Grimps sehr übel nehmen. Doch alsbald finden sich Mutter Grimp und Vater Nestrier ebenso zusammen wie Tochter Grimp und Sohn Nestrier, denn die beiden Kleinen gehen bei Einbruch der Sintflut über Bord und versuchen fortan, sich auf der immer spärlicher werdenden Landmasse durchzuschlagen, während ihre Eltern verzweifelt versuchen, die Arche zu wenden, was deren Kapitän, ein reichlich affektierter Löwe, keinesfalls gestatten will. Die Handlung wechselt also permanent zwischen zwei Schauplätzen, so dass man zahlreiche Cliffhanger (bisweilen im wahren Sinne des Wortes) genießen kann. Langweilig ist dieser Film tatsächlich nie.

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