https://www.faz.net/-gqz-nubp

Kino : Ang Lees Verfilmung des "Hulk"

Läßt lang auf sich warten: der Hulk Bild: dpa

Der taiwanesische Regisseur Ang Lee hat den Comic „Hulk“ verfilmt, den Jack Kirby und Stan Lee in den sechziger Jahren entworfen haben. Dabei setzt Lee ganz eigene Akzente, die nicht immer zum Besten der Geschichte ausfallen.

          4 Min.

          Da ist nun, seit der Trailer zu sehen war, eine Ewigkeit lang im Internet debattiert worden, wie lebensecht, was immer das in diesem Fall heißt, das grüne Ungetüm in Ang Lees Verfilmung des Marvel-Comics "Hulk" wohl ausfallen würde. Das fertige Produkt macht den Streit mit einem Schlag obsolet: Unzweifelhaft ist den verrückten Wissenschaftlern von "Industrial Light & Magic" ihr Meisterstück mit Dr. Bruce Banner geglückt, der Menschengestalt des Ungeheuers vor der Verwandlung. Allein die Konstruktion der bleiernen Augenlider muß ein Vermögen gekostet haben. Zappeln kann jeder gezeichnete Filmheld. Stumpfheit und Dumpfheit sind der Triumph der Tricktechnik.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Wie bitte? Der australische Schauspieler, der in der Besetzungsliste angegeben wird, ist ein Wesen aus Fleisch und Blut? Eric Bana ist gar kein Phantasiename, dem Gleichklang der Nachnamen von Figur und Darsteller zum Trotz? Dann hätte Oliver Stone seinen Hauptdarsteller gefunden, wenn es ihm einfallen sollte, die Verschwörung zu schildern, die Al Gore um das Präsidentenamt gebracht hat. Oder hat Ang Lee genau diesen Film jetzt schon gedreht? Ereignet sich auf der Leinwand jene Zornesexplosion, die Gore zur Enttäuschung seiner Anhänger im Dezember 2000 schuldig geblieben ist, als er zum bösen Spiel der Fünfermehrheit des Obersten Gerichtshofs zwar keine gute, aber weiterhin eine unbewegte Miene machte?

          Söhne besessener Väter

          Die biographischen Parallelen zwischen den beiden traurigsten Robotern seit dem Blechmann aus dem "Zauberer von Oz" liegen auf der Hand. Bruce Banner ist ein idealistischer Wissenschaftler, der mit getrockneten Atomkernen und Neutronen in Gelee arbeitet. Seine Experimente könnten glückliche Zeiten für die Menschheit heraufführen, was der militärisch-industrielle Komplex naturgemäß verhindern muß. Al Gore hat im Zuge seiner Forschungen über das Erdgleichgewicht nebenbei das Internet entdeckt, welcher Ruhm ihm vom Pentagon nicht gegönnt wird. Und beide sind Kinder von Vätern, die ihnen in ihrem Beruf vorausgingen und besessen waren von der Idee, daß ihre Söhne es einmal besser machen sollten als sie.

          Väter! Das ist eine lange Geschichte. Sie fordert ungefähr die halbe Zeit von Lees zweieinviertel Stunden langem Werk. Beim Einsatz in Frankreich könnte man es vielleicht "La Disparition" nennen. Denn wie der gleichnamige Roman von Georges Perec ohne den Buchstaben E auskommt, so war es offenbar Lees Ehrgeiz, eine "Hulk"-Verfilmung zu drehen, die so lange wie möglich keine grünen Farbtupfer verwendet. Daß hierzulande einige mit den Verleihkonditionen unzufriedene Kinobetreiber den Film nicht zeigen wollen, der in den Vereinigten Staaten am zweiten Wochenende hinter den Erwartungen an einen "Blockbuster" zurückgeblieben ist, könnte sich noch als baupolizeilich weise Vorsichtsmaßnahme erweisen. Ausschließen möchte man nicht, daß einem eingefleischten Fan das Warten auf den Helden zu lang wird, er grün anläuft und dann das ganze Lichtspielhaus kurz und klein schlägt.

          Kampf in der Finsternis

          Daß Lee ein Dunkelspiel nach dem Vorbild von Tim Burtons "Batman" abliefern würde, war wohl die Erwartung des Studios beim Auftrag an den Kunstfilmemacher. Aber muß sich deshalb die erste große Schlacht, das Superkräftemessen zwischen dem Hulk und drei von Dr. Banner Senior (Nick Nolte) genetisch veränderten Kampfhunden, in der Finsternis zutragen? Daß die Mischrassehunde Weltklassehunde sind, die rangehen wie Klone von Blücher und Bonaparte, muß man sich aufgrund der Tonspur denken. Nach allem, was man sieht, könnte hinter den Äuglein des Pudels auch die Seele von Rudolf Scharping stecken.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Baukräne stehen an einer Baustelle in Berlin.

          Wohngemeinnützigkeit : Ein Bärendienst für den Wohnungsmarkt

          Immer lauter wird die Forderung, die Wohngemeinnützigkeit wiederzubeleben. Dass dies eine schlechte Idee ist, zeigt schon das abschreckende Beispiel der Neuen Heimat.
          Frau mit Kopftuch vor der Humboldt-Universität in Berlin

          Redeverbote an Hochschulen : Flucht vor Argumenten

          Eine Forschungsstelle der Uni Köln fordert, die Redefreiheit zu begrenzen, um Grundrechte zu verteidigen. Das würde einer Abschaffung der akademischen Freiheit gleichkommen. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.