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Kertész-Verfilmung : Mit Make-up und Musik im Lager

Auschwitz taugt nicht als Spielfilmset: Szene aus „Fateless” Bild: Berlinale

Erst wollten alle rein ins Kino, kurz darauf wollten die meisten wieder raus: Der ungarische Wettbewerbsbeitrag „Fateless“ nach dem „Roman eines Schicksallosen“ von Imre Kertész weckt auf der Berlinale Ärger statt Empathie.

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          Erst wollten alle rein ins Kino, kurz darauf wollten die meisten wieder raus. "Fateless", der ungarische Film von Lájos Koltai nach dem "Roman eines Schicksallosen" von Imre Kertész, war überraschend in den Wettbewerb genommen worden und hatte den dort eigentlich vorgesehenen amerikanischen Beitrag "Heights" verdrängt.

          Verena Lueken
          Freie Autorin im Feuilleton.

          Weil Glenn Close ihr Erscheinen auf dem Berliner roten Teppich kurzfristig abgesagt hatte, wurde dieser Film, in dem sie mitspielt, wieder ausgeladen. Das ist unhöflich und spricht nicht für die Wertschätzung des eingeladenen Films, ein Skandal aber ist es nicht. Hätte nicht Imre Kertész selbst das Drehbuch zu "Fateless" geschrieben, wäre indessen dieser Film ein guter Anlaß für einen Skandal, mindestens für eine große Empörung. So aber ist die erste Vorführung ein unendlich trauriges Ereignis gewesen - was, horribile dictu, mit dem Schicksal des Jungen Gyurka Koves in Auschwitz und Buchenwald nichts zu tun hat, sondern damit, daß es dem Film nicht gelingt, auch nur ein wenig Empathie zu wecken statt einzig Ärger.

          Beschämend banale, harmlose Kinobilder

          Auschwitz taugt nicht als Spielfilmset, dafür ist "Fateless" ein weiteres Beispiel. Nackte Leiber auf Holzkarren, hagere Gesichter mit dunkel geschminkten Augenringen, die Gier, mit der dünne Suppe geschlürft, und die Schwäche, unter der sich die Insassen mit jedem Sandsack, der ihnen auf die Schultern geworfen wird, mehr gen Boden ducken, die löchrigen Hemden, sterbenden Freunde, rauchenden Schornsteine, all das sind so beschämend banale, harmlose Kinobilder, in denen nichts sichtbar wird außer einer Menge Komparsen, vielen Töpfen Make-up und einem gutgefüllten Lumpenfundus.

          Da hilft es auch nichts, daß der Regisseur die Bilder nahezu monochrom sepiagrau der Düsternis anheimgibt. Doch selbst darin ist er nicht konsequent. Wenn Gyurka sein entzündetes Knie inspiziert und die Würmer aus der Wunde krabbeln, sehen wir dann doch ein kräftiges Rot.

          Wir schauen in die mageren Gesichter und spüren nichts

          Die Musik von Ennio Morricone zieht diese Elendsattrappe vollends ins Bodenlose. Die Jugend von Gyurka in Budapest, die ein Onkel "unbeschwert" nennt, bekommt ein Flötenthema. Während Gyurkas Lagerzeit ertränkt Morricone die Flöte in dicker Riesenorchestersauce und läßt die Hörner klagen, wenn der Junge fast am Ende ist, um dann, wenn er auf der Suche nach Überlebenden seiner Familie wieder in Budapest durch die Straßen streift, in einer Art Variation aufs "Lied vom Tod" wieder zur Panflöte zu greifen. Da hatte sich das Kino bereits zur Hälfte und mehr geleert.

          Es ist der bitterste Vorwurf, den man "Fateless" machen muß, daß er trotz der Romanvorlage kein Gran Mitgefühl zu evozieren in der Lage ist. Wir sitzen im Kino, auf der Leinwand wogen die Massen der Internierten im kalten Wind, immer wieder einmal fällt einer tot zu Boden, immer wieder schauen wir in die mageren Gesichter und spüren nichts.

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