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Neuverfilmung von „Felix Krull“ : Duze mich derb!

Horst Buchholz und Werner Hinz in einer Szene der Verfilmung von Kurt Hoffmann aus dem Jahr 1957 Bild: INTERFOTO

Daniel Kehlmann soll das Drehbuch schreiben, Detlev Buck Regie führen, Jannis Niewöhner die Hauptrolle spielen: Auf einen Namen bei der Neuverfilmung des „Felix Krull“ wartet noch die Welt.

          Indem wir die Feder ergreifen, um in völliger Muße und Zurückgezogenheit – gesund übrigens, wenn auch müde, sehr müde (so dass wir wohl nur in kleinen Etappen und unter häufigem Ausruhen werden vorwärtsschreiten können) – indem wir uns also anschicken, unsere Geständnisse dem geduldigen Zeitungspapier anzuvertrauen, stellen wir mit Erleichterung fest, dass wir so arg viel gar nicht auf dem Kerbholz haben.

          Für einen Roman würde es nicht reichen, nicht einmal für einen unvollendeten wie „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ einer ist. Allerdings, das immerhin bleibt zu beichten, haben wir längst nicht so viel gelesen, wie wir gern gelesen hätten. Manches von Thomas Mann, fast alles von Daniel Kehlmann, das freilich schon. Aber darf mit derlei protzen, wer zugleich gestehen muss, dass er von Diane Philibert schlicht gar nichts kennt? Unter den zahllosen gewichtigen Werken, die nicht gelesen zu haben uns seit vielen Jahren wie ein glühender Mühlstein auf der Seele liegt, sind die Romane von Diane Philibert zwar eher Fliegengewichte, aber wir würden sie schon einmal lesen wollen. Oder sie zumindest zur Hand nehmen, um einen Blick hineinzuwerfen in bänglicher Erwartung.

          Aber es gibt sie nicht. Denn Diane Philibert ist keine einstmals berühmte, heute zu Unrecht vergessene Schriftstellerin, sondern es ist der Künstlername der Madame Houpflé, jener Gemahlin des reichen Klosettschüsselfabrikanten Houpflé aus Straßburg, die den jungen Felix Krull in die Kunst der Liebe einführt, um dann, die weichen Lippen an seinem schlanken Hals, dem Gipfel der Lust bereits erfreulich nahe, einen der seltsamsten aller Liebesspielbefehle an ihren Galan, den glatten, schmeichlerischen Knaben, heranzustöhnen: „Duze mich derb zu meiner Erniedrigung!“

          So klingt Madame Houpflé im wahren Romanleben bei Thomas Mann. Wie erst würde wohl Diane Philibert in ihren eigenen Romanen klingen? Niemand will das wissen. Niemand kann es wissen. Außer Thomas Mann natürlich. Und vielleicht Daniel Kehlmann. Das ist jener junge Teufel, der sich nun anschickt, die „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ fürs Fernsehen zu adaptieren, zum dritten Mal nach 1957 und 1980. Als Regisseur ist Detlev Buck verpflichtet worden, unter den eminent prominenten Schauspielern unseres Landes sind Joachim Król und Jannis Niewöhner mit von der Partie. Katja Flint und Maria Furtwängler werden auch dabei sein, vermutlich als des späten Felix verführerische Gefährtinnen beim Liebesspiel. Die eine, so darf vermutet werden, als die wahrhaft imposante Dona Maria Pia, die andere als deren entzückende Tochter Zouzou. Vielleicht kommt es aber auch genau umgekehrt.

          Ob Daniel Kehlmann, der süße Helot der Kalliope, dieser Hermes der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, der durchtriebene Lifttreiber unseres literarischen Lebens, wohl schon weiß, welcher Schauspielerin er die Rolle der Diane Philibert anvertrauen wird? Und kann sie schreiben? Ach, wenn wir es doch schon wüssten! Ein Wirbelsturm urtümlicher Kräfte trüge uns ins Reich der Wonne.

          Hubert Spiegel

          Redakteur im Feuilleton.

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