https://www.faz.net/-gqz-864fu

„Kartoffelsalat“ im Kino : Worüber die Youtube-Generation lacht

Bei der Premiere von „Kartoffelsalat – nicht fragen!“ ist nicht Otto Waalkes der Star, sondern Youtuber Torge Oelrich alias Freshtorge. Bild: dpa

Dauergeblödel in Spielfilmlänge: Mit „Kartoffelsalat – nicht fragen!“ kommt Pennälerhumor ins Kino. Der Youtuber Freshtorge bringt seine Fans zum Toben – über Otto Waalkes lacht hingegen niemand.

          Am Ende der sonderbaren Kinokomödie „Kartoffelsalat - nicht fragen!“ hat der Held Leo Weiß, der im wahren Leben unter dem Künstlernamen Freshtorge auf dem Videoportal Youtube mit seinen Witzen berühmt geworden ist, noch eine Botschaft für seine Fans: „Glaub an dich, sei du selbst!“ In diesem simplen Rat steckt das offene Erfolgsgeheimnis der Youtube-Stars. Diese Nicht-Dramaturgie, Authentizität genannt, ist im Netz zwar sichtbar für alle, löst bei Erwachsenen aber in der Regel verständnisloses Kopfschütteln aus. Sie suchen nach einer schlüssigen Erklärung, weshalb Freshtorge und andere Youtuber so absurd viele Fans um sich scharen, aber sie finden keine. Vielleicht haben sich viele Eltern deshalb an diesem Sonntag entschieden, ihren Nachwuchs allein beziehungsweise mit Freunden ins Kino zu schicken.

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Fünf Vorstellungen laufen derzeit täglich im Frankfurter Cinestar, eine Frequenz, die derzeit sonst nur die „Minions“ sowie die Comicverfilmung „Ant-Man“ schaffen. Es mögen gut hundert Teenager sein, die meisten zwischen zehn und fünfzehn, wobei der Anteil von Mädchen und Jungs etwa gleich hoch ist. Die Mädchengruppen gehen, kurz bevor der Film beginnt, exakt dem Klischee entsprechend, in Gruppen zur Toilette, während die Jungs Popcorn und Cola kaufen. Die wenigen Erwachsenen erwecken den Eindruck, als wünschten sie sich woandershin, in einen anspruchsvolleren Film, besser noch hinaus in den Sommer.

          Youtuber-Kontext lässt Otto alt aussehen

          „Kartoffelsalat“ – der Titel ist sinnfrei, daher der Untertitel – erzählt die Aufstiegsgeschichte eines Außenseiters zum Helden. Leo, ein von Mädchen belächelter Komplettversager, kommt an eine neue Schule und verliebt sich in die blonde Tussi Perle, gespielt von Bibi, die Teenagern im Internet erfolgreich Schminktipps erteilt. Als plötzlich eine Zombie-Epidemie ausbricht und sich beinahe alle Mitschüler in dumpfe, torkelnde, klobürstenfressende Ungeheuer verwandeln, schlägt Leos große Stunde. Zur Seite steht dem Unerschrockenen bei der Befreiung seiner Schule aus den Klauen des Bösen unter anderem die bebrillte Karin – im Netz als Dagi Bee bekannt. „Sie ist kein Zombie, sie hat sich heute morgen nur nicht geschminkt“, ruft Leo in einer Szene. Lautes Gelächter im Publikum.

          Tritt hingegen der Mitproduzent von „Kartoffelsalat“, Otto Waalkes, auf, ob als tatenloser Polizist oder dämlicher Journalist, lacht niemand. Sein Witz und sein Rumgehampel wirken im Youtuber-Kontext wie aus der Zeit gefallen, genauso wie das Scheibentelefon, das Otto bedient. Ähnliche Irritation hat wohl auch Jenny Elvers ausgelöst, die in einem Interview sagte, sie spiele sich im Film selbst, was bedeutet, dass sie zwei, drei Alkoholwitze machen darf. Gut möglich, dass ihre Minirolle lediglich Aufmunterungsmomente bei den mitgeschleiften Eltern bewirken soll. Jenny Elvers’ traurige Rampenlichtbiographie kennt man immerhin aus sämtlichen Klatschmagazinen.

          Ein ganz spezieller Humor

          Bereits vor dem Kinostart ließ der Regisseur Michael David Pate keinen Zweifel daran, dass das Youtuber-Werk schlicht Dauergeblödel in Spielfilmlänge ist. Es handele sich bei „Kartoffelsalat“ nicht um einen Kritiker-, sondern einen „Zielgruppenfilm“, sprich: „Wir reden von einer relativ jungen Zielgruppe. Die haben einen ganz speziellen Humor.“

          Gefragt nach diesem ganz speziellen Humor, gucken einen nach der Vorführung zwei Zwölfjährige leicht verdutzt an und sagen nur: „Es ist halt super witzig.“ Ihre Eltern könnten über Freshtorge, Dagi Bee und Y-Titty auch nicht lachen und seien zu Hause geblieben. Ob sie selbst Jenny Elvers kennten? „Hä, wen? Nee, nie gehört.“ Die Youtuber aber, das könnten ihre Freunde sein.

          Weitere Themen

          „Herbstsonate“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Herbstsonate“

          „Herbstsonate“, 1978. Regie: Ingmar Bergman. Darsteller: Ingrid Bergman, Liv Ullmann, Lena Nyman.

          Topmeldungen

          Bei gewaltsamen Protesten gegen ein neues Arbeitsgesetz wurden mehr asl 50 Menschen festgenommen.

          Ungarn : Gewaltsame Proteste gegen Orbans neues Arbeitsgesetz

          Mehrere tausend Demonstranten protestierten dagegen, dass Arbeitgeber künftig bis zu 400 Überstunden im Jahr verlangen können. Die Opposition spricht von einem „Recht auf Sklaverei“. Mindestens 14 Menschen wurden verletzt, mehr als 50 festgenommen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.