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Karikaturenstreit : Ein Schweine-Quiek-Wettbewerb und die Folgen

Ein Schweinequieker hält die Welt in Atem
          2 Min.

          So kann man sich täuschen oder besser gesagt, so wird man getäuscht. Jetzt wissen wir zumindest, womit beziehungsweise woher das öminöse Bild stammt, mit dem der in Dänemark lebende Imam Abu Laban und seine Delegation im Dezember und Januar durch den Nahen Osten gereist sind, um ihre Gesprächspartner davon zu überzeugen, daß die Mohammed-Karikaturen in der Zeitung „Jyllands-Posten“ eine Beleidigung aller Muslime darstellten.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das Bild, das angeblich einen Mann zeigen soll, der den Propheten Mohammed mit einer Schweinsnase im Gesicht und Schweinsohren verulkt, hat mit dem Islam nicht das geringste zu tun, es entstammt auch nicht der dänischen Zeitung. Es ist vielmehr ein Bild der Nachrichtenagentur Associated Press, das einen Mann zeigt, der auf einer Landwirtschaftsmesse in Südfrankreich im Sommer 2005 an einem Schweine-Quiek-Wettbewerb teilnimmt.

          Protest der Agentur

          Die Nachrichtenagentur hat dagegen protestiert, daß ihr Foto in der Broschüre mit Bildern auftauchte, welche die muslimische Gruppe aus Dänemark als Beispiele für Beleidigungen des Islam zusammengestellt hatte. Das Bild habe keinerlei Bezug zu dem derzeitigen Streit um die Mohammed-Karikaturen, erklärte der Fotochef von AP, Santiago Lyon.

          Eine Schwarzweißkopie dieses Fotos war in der Broschüre abgedruckt, welche die Delegation dänischer Muslime bei ihrer Reise dabeihatte, mit der sie die beispiellose Protestwelle der vergangenen Tage angestachelt hat, die in Gewaltakte mit zahlreichen Toten mündete. Das Heft sollte, wie ein Sprecher der Gruppe, Ahmed Akkari, sagte, Beispiele für antimuslimische Veröffentlichungen in Europa zeigen. In der Broschüre seien auch die zwölf Mohammed-Karikaturen der „Jyllands-Posten“ enthalten gewesen. Die Kopie des AP-Bildes sei der Gruppe in anonymen Drohbriefen im vergangenen Jahr zugeschickt worden, sagte Akkari der Agentur AP. Ihm selbst sei der Ursprung des Fotos nicht bekannt gewesen. Das Bild sei völlig aus dem Zusammenhang gerissen und ohne Erlaubnis abgedruckt worden, entgegnete der AP-Sprecher Jack Stokes.

          Keine Holocaust-Karikaturen in „Jyllands-Posten“

          Die „Jyllands-Posten“ selbst mußte derweil in eigener Sache dementieren, daß sie nach den Mohammed-Karikaturen auch die Bilder zeigen wolle, mit der eine iranische Zeitung den Holocaust karkieren will. „Es ist nicht korrekt, daß JP am Sonntag eine Reihe antichristlicher und antisemitischer Karikaturen bringen will. Mit freundlichen Grüßen, die Chefredaktion“, stand gestern auf der Titelseite der Zeitung. Auf Seite fünf hieß es: „JP wird unter keinen Umständen Holocaust-Karikaturen aus einer iranischen Zeitung abdrucken.“

          Beides hatte nach Agenturberichten jedoch der Feuilletonchef des Blattes, Flemming Rose, im Fernsehen angekündigt. Erst sei der Initiator der Mohammed-Karikaturen im amerikanischen Fernsehen aufgetreten und habe mitgeteilt, seine Zeitung versuche, Kontakt mit der iranischen Zeitung aufzunehmen, die einen „internationalen Wettbewerb für Holocaust-Karikaturen“ veranstalten will. „Wir würden die Karikaturen am selben Tag bringen“, sagte er. Wenig später unterrichtete er im heimischen Sender TV2 darüber, daß die Leser am Sonntag bereits früher veröffentlichte Jesus- und Juden-Karikaturen erwarten dürften. „Wir wollen zeigen, daß wir keinen speziell antiislamischen Kurs haben“, sagte er. Nur um kurz später zu bekennen, er sei von der Chefredaktion zurückgepfiffen worden, teile deren Ansicht mit Blick auf den Druck, dem auch er seit Wochen durch zahlreiche Morddrohungen ausgesetzt sei.

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