https://www.faz.net/-gqz-9pvxe

Film „So wie du mich willst“ : Die Masken des Begehrens

  • -Aktualisiert am

Juliette Binoche schaut zu François Civil Bild: Alamode Film

Sie springt in Facebook hinein wie in einen Jungbrunnen: Juliette Binoche geht in dem Film von Safy Nebbou „So wie du mich willst“ an die Grenzen.

          Wer bei Facebook ist, lässt sich überwachen. Das wissen inzwischen viele Menschen, und manche haben daraus auch ihre Schlüsse gezogen. Sie breiten ihr Leben nicht mehr in aller Öffentlichkeit aus. Es gibt eine neue Diskretion auf Facebook, von der Safy Nebbous Film „So wie du mich willst“ noch nicht viel weiß. Die Vorlage, der Roman „Celle que vous croyez“ von Camille Laurens, ist zwei Jahre alt – in der Welt der digitalen Mores ist das eine kleine Ewigkeit. Und die Professorin Claire Millaud, um die sich hier alles dreht, ist nicht eben bestens vorbereitet auf die Welt der Likes und Chats. Den Begriff Instagram muss sie erst nachsehen. Das Fotonetzwerk ist nichts für sie. Denn Claire geht nicht auf Facebook, weil sie sich präsentieren will. Sie möchte jemanden überwachen.

          Die Welt der vorgeblich sozialen Medien ist inzwischen im Alltag so präsent, dass auch Filme nicht mehr umhinkommen, sich damit zu beschäftigen. An Nachrichtenfenster, die in Kinobildern aufpoppen, ist man beinahe schon gewöhnt. „So wie du mich willst“ erzählt von einer Frau, die in Facebook hineinspringt wie in einen Jungbrunnen: Claire legt, unter dem Namen Clara Antunès, einen Account an, weil sie wissen will, was ihr Geliebter so macht, wenn er nicht bei ihr ist. Ludo ist halb so alt wie sie, und er legt diese aufreizende Gelassenheit an den Tag, die davon erzählt, dass Zuneigung, Nähe, Sex für ihn selbstverständliche Erfahrungen sind. Für Claire sind sie das nicht. Nicht mehr. Sie erlebt Facebook wie ein Meer, auf dem sie nur Schiffbruch erleiden kann, und als Rettungsfloß bleibt ihr nur die Möglichkeit, sich immer wieder neu einzuloggen.

          Formulierungen wie diese lassen erkennen, dass „So wie du mich willst“ ein zutiefst bildungsbürgerlicher Versuch ist, sich in einer veränderten Welt zu bewegen. Schon dem Buch von Camille Laurens ist ein Zitat des Klassikers Corneille vorangestellt, und auch das Pseudonym von Claire ist beziehungsreich – später sieht man das Buch „Die Leidenschaften der Seele“ von António Lobo Antunes herumliegen. Es enthält einen Schlüssel zu der Form von Safy Nebbous Film: Im Kern handelt es sich um ein (psychoanalytisches) Gespräch zwischen Claire (Juliette Binoche) und Catherine (großartig in ihrer therapeutischen Neutralität, in die sich immer wieder Betroffenheit mischt: Nicole Garcia). Die Ärztin sieht sich als „provisorische Verwahrerin einer Botschaft“, sie wird Zeugin eines Falls, der zunehmend Facetten eines Psychothrillers erkennen lässt.

          Zuerst einmal aber ist „So wie du mich willst“ ein Film über Juliette Binoche. Die, neben Isabelle Huppert, wohl größte französische Schauspielerin ihrer Generation hat zuletzt schon mit „Meine schöne innere Sonne“ von Claire Denis erkennen lassen, dass sie ihr Älterwerden mit ihren Rollen reflektieren möchte. Konkret heißt das nicht viel weniger, als sich verletzbar zu machen: denn die Figuren, die Binoche nun spielt, haben es mit Männern zu tun, die zu viel jüngeren Partnerinnen wechseln, oder eben mit jungen Männern, die ganz andere Zeit- und Freiheitshorizonte haben als zum Beispiel Claire Millaud, zweifache Mutter, sitzengelassen von ihrem Mann, der nun eine 24 Jahre alte Freundin hat.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          TV-Kritik: Anne Will : Klimawandel und Professionalisierung

          In dieser Woche will die Bundesregierung ihre klimapolitischen Pläne festschreiben. Vorher schärfen alle Akteure noch einmal ihr Profil. Das gelang gestern Abend auch dem AfD-Politiker Björn Höcke, während es bei Anne Will um die Autoindustrie ging.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.