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Julianne Moore im Gespräch : „Junge Frauen kennen ihre sexuelle Macht nicht“

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Gerade ist Moore in Tom Fords Regiedebüt „A Single Man” auf der Leinwand zu sehen. Nun kommt der nächste Film mit ihr ins Kino: „Chloé” Bild: ASSOCIATED PRESS

In ihrem neuen Film „Chloé“ spielt Julianne Moore eine eifersüchtige Ehefrau, die eine Prostituierte auf ihren Mann ansetzt. Mit der F.A.Z. sprach sie über das Altern, langjährige Beziehungen und wie man sie am Leben hält.

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          Wenn in einem französischen Film eine Frau eine Prostituierte engagiert, um zu testen, wie weit ihr Ehemann gehen würde, ergibt das eine psychologisch interessante Dreiecksgeschichte, nichts daran ist weiter skandalös. Der französische Ehemann ist natürlich erwiesenermaßen notorisch untreu, seine französische Frau stolz und verführerisch, und die Prostituierte ist eben genau das: eine Frau, die Dinge tut, weil man sie dafür bezahlt. Dies war die Rahmenhandlung von Anne Fontaines Film „Nathalie“, der 2004 auch in deutschen Kinos zu sehen war und der Frage nachging, wie ein Paar damit umgeht, wenn ihnen die Leidenschaft mit den Jahren abhandengekommen ist. Die Hauptrollen spielten Fanny Ardant als Ehefrau, Emmanuelle Béart als Prostituierte und Gérard Depardieu, wobei zu erwähnen ist, dass Emmanuelle Béart damals bereits vierzig Jahre alt war (auch wenn sie nicht so aussah), eine erwachsene Frau in einer erwachsenen Geschichte. Voilà.

          Wenn nun ein kanadischer Regisseur sich dieses Stoffes für den amerikanischen Markt annimmt, dann kommt etwas vollkommen anderes dabei heraus. Dann ist keineswegs sicher, ob der Ehemann wirklich untreu ist (das wäre ja unmoralisch und er damit kein Sympathieträger), die Prostituierte ist gerade mal Anfang zwanzig und entwickelt, zart besaitet wie sie ist, romantische Gefühle für die Frau, die sie bezahlt. Etwa ab der Mitte gerät dann alles vollkommen aus den Fugen, nach einer (mit klebriger Panflötenmusik unterlegten) Sexszene zwischen den beiden Frauen verliert die Prostituierte vollkommen den Verstand (was angesichts der Musik durchaus verständlich ist) und entwickelt sich zu einer besessenen Stalkerin, die für ihre leidenschaftlich entbrannte Liebe zu ihrer Auftraggeberin sogar bereit ist, über Leichen zu gehen.

          „Chloé“ heißt der neue Film des Regisseurs Atom Egoyan, und was auch im Remake beginnt wie ein interessantes Psychodrama über Themen wie Eifersucht, Misstrauen oder das Auseinanderleben in langjährigen Beziehungen, wandelt sich völlig unvorhergesehen zu einem abstrusen Thriller mit Softporno-Ästhetik, der den Zuschauer nach einem überdramatischen Finale vollkommen erschöpft hinterlässt.

          Julianne Moore: „Beziehungen ändern sich und man muss sie angleichen, damit sie zu den Anforderungen passen.” (Szene aus dem Film „Chloé”)
          Julianne Moore: „Beziehungen ändern sich und man muss sie angleichen, damit sie zu den Anforderungen passen.” (Szene aus dem Film „Chloé”) : Bild: AP

          Zum Glück hat Egoyan die weibliche Hauptrolle mit einer der besten Schauspielerinnen besetzt, die es derzeit im Kino gibt: Julianne Moore. Und da sie in nahezu jeder Szene zu sehen ist, folgt man ihrer Figur tatsächlich mit einigem, wenn auch abnehmendem Interesse durch die Untiefen dieses seltsam unentschiedenen Films.

          Frau Moore, haben Sie „Nathalie“ gesehen, das französische Original, das „Chloé“ zugrunde liegt?

          Nein, ich wollte es nicht sehen. Ich bin leicht zu beeinflussen.

          Anders als im Original geht es in „Chloé“ gegen Ende zu wie in „Eine verhängnisvolle Affäre“. Mochten Sie das?

          Natürlich gibt es in „Chloé“ einen Thrilleraspekt. Ich fand es wichtig, beim Spielen dennoch im Rahmen eines Dramas zu bleiben. Ich habe mich auf das konzentriert, was dieses junge Mädchen durchmacht. Als Zuschauer erfährt man das erst ganz am Schluss, das fand ich das Spannendste.

          Sie spielen eine Frau, Catherine, die ihren Ehemann verdächtigt, sie zu betrügen. Anstatt mit ihm zu reden, engagiert sie eine Prostituierte, die ihn testen soll. Kam Ihnen das nicht sehr, nun ja, wie ein französischer Film vor?

          Es ist natürlich schon ziemlich extrem. Interessant an Catherine ist, dass sie jemand ist, der immer das Gefühl hatte, Kontrolle über ihr Leben zu haben. Sie ist Ärztin, hat einen schönen Sohn, ist verheiratet, hat ein tolles Haus - und als sie ihren Mann verdächtigt, eine Affäre zu haben, verliert sie plötzlich ihre ganze Sicherheit. Sie weiß nicht mehr, wer sie ist, wie ihre Ehe ist . . . Und sie entschließt sich, das herauszufinden. Sie sieht, dass ihr Mann von jungen Frauen angezogen wird, und denkt sich, okay, was ist es, was er von ihnen will? Was bekommt er von ihnen, das er in mir nicht sieht? Anstatt mit ihm zu reden, versucht sie, die Kontrolle zu bekommen. Sie versucht, ihm wieder näherzukommen, indem sie herauszufinden versucht, was es ist, das er sucht.

          Sie ist dabei ziemlich grausam sich selbst gegenüber und lässt sich von der Prostituierten en detail erzählen, was ihr Mann mit der anderen im Bett anstellt.

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