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Joss Whedon : Realismus ist bloß eine Mode

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Ich habe viel von dem gelesen, was christliche Autoren dazu zu sagen haben, um zu erfahren, ob sie mit meinen Sachen etwas anfangen können, und letztlich läuft alles auf einen einzigen Befund heraus: Womit wir es zu tun haben, ist die persönliche Moral, die persönliche Politik. Und in diesem persönlichen Bereich sage ich einfach etwas, dem wohl niemand so ohne weiteres widersprechen würde, gleichgültig, ob sie dem dann im Einzelnen gerecht werden oder nicht, und das ist schlicht der Satz: Persönliche Verantwortung ist etwas, das es tatsächlich gibt. Man muß ein anständiger Mensch sein, denn man hat teil an dem, was geschieht.

Was freilich heute schon eine ziemlich politische Feststellung ist, weil inzwischen so viele Entscheidungen von Gremien und Konzernen mit Persönlichem rein gar nichts mehr zu tun haben - man bekommt eine Computergraphik vorgeführt, also gut, es ist ja nicht persönlich gemeint, aber wir müssen das einfach tun.

Genau.

Das ist das, was bei Ihnen „The Alliance“ heißt.

Für mich persönlich ist die Alliance das, was bei mir zuhause gerade zum zweiten mal ins Amt gewählt wurde. Aber jeder kann das so sehen, wie er mag - die Alliance ist ja nicht einfach eine schlechte Regierung, sonder ein im Grunde gutes und vernünftiges System, das, wie viele gute Systeme, zuviel Macht an sich gerissen und sich mit seiner Politik übernommen hat. Das ist alles. Auf eine merkwürdige Art und weise könnte man „Serenity“ mit der Buffy-Folge „The Body“ vergleichen. Es geht nämlich nicht darum, daß „Serenity“ jemanden belehren will, im Sinne von… wissen Sie, es könnte ja jemand sagen: Mein lieber Freund, das ist ja wie im Irak. Nun, mancher mag finden, dem Irak gehe es besser. Andere meinen das Gegenteil. Wir können diesen Streit dann ausfechten, aber eines steht fest: Viele Menschen, die im Irak wohnen, haben erleben müssen, wie ihr Leben völlig aus den Fugen gerät, es wird nie wieder dasselbe sein, und niemand hat sie gefragt. In mancherlei Hinsicht ist die Alliance also Amerika…

Oder die europäische Gemeinschaft. Wir haben hier so unsere eigenen Minderheiten- und Flüchtlingsprobleme…

Ein deutscher Journalist hat die Alliance mit der Situation im zweiten Weltkrieg verglichen. An so etwas dachte ich dabei nicht, mein Wissen darüber ist Buchwissen. Aber der springende Punkt ist: Der Geschichte fällt es gar nicht ein, sich nicht zu wiederholen. Der Grund aber, warum ich „The Body“ erwähnt habe, ist der - in den meisten Sendungen oder Filmen über den Tod heißt es immer: Hier ist die gelernte Lektion, hier ist der Teil der Sache, der uns zu besseren Menschen macht. „The Body“ aber handelt nur davon, wie das ist, in den ersten vierundzwanzig Stunden, wenn jemand gestorben ist.

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