https://www.faz.net/-gqz-866tq

„Margos Spuren“ im Kino : Manche Mädchen bleiben besser unerreichbar

Plötzlich sind sie sich wieder nah: In einer Nacht stolpert Quentin seiner Angebeteten (Cara Delevingne) in „Margos Spuren“ hinterher. Bild: Twentieth Century Fox

Eine Kindheit, eine unglaubliche Nacht, eine Suche: Jake Schreier verfilmt John Greens feinfühligen Jugendroman „Margos Spuren“. Und tut dabei nicht so, als wüsste er nicht, was eine Highschool-Klamotte ist.

          Jahrelang haben die beiden Nachbarskinder kein Wort mehr miteinander gewechselt. Jetzt, am Ende der Highschoolzeit, ist die wunderbare, rätselhafte, unerreichbare Margo doch wieder zu Quentins Fenster hochgeklettert, wie damals, als er noch den Schlafanzug mit den Bussen und Flugzeugen trug. Sie brauche seinen Wagen, sagt sie, dass es der seiner Mutter wäre, sei ihr egal, und sie brauche Quentin als Fluchthelfer. Blitz und Donner wolle sie über ihre Feinde bringen, erklärt sie ihm, und als Cara Delevingne das sagt, die Augen unter den tiefsitzenden Brauen herausfordernd zusammengekniffen, mit einem Lächeln nur mit links, ist schon vergessen, dass dies die erste Hauptrolle einer jungen Frau ist, die man erst aus zwei Filmen, aber eigentlich als Model und aus den Selbstdarstellungsmedien kennt. Bei Instagram hat sie mehr als 16 Millionen Follower.

          In „Margos Spuren“, Jake Schreiers Verfilmung des gleichnamigen Romans von John Green, folgt ihr Quentin durch die Nacht, ängstlich, besorgt, aber zunehmend beeindruckt: zur Bewaffnung in den Supermarkt, auf phantasievollem Rachefeldzug zu den Freunden, die sie wohl betrogen und belogen haben, schließlich über die Dächer der Stadt.

          Am nächsten Morgen ist sie verschwunden. Vermisst werde sie nicht, stellt ihre Mutter kühl klar, sie sei schließlich von selbst gegangen, wieder einmal. Vermisst wird sie doch. Von Quentin, der Spuren von ihr zu entdecken beginnt, sich auf die Suche nach ihr macht, erst in einer Ruine in der schlimmsten Gegend von ganz Orlando, schließlich im Norden des Bundesstaats New York, wo die Landkarte einen nichtexistenten Ort verzeichnet hat, um unerlaubte Kopien nachweisen zu können. Mit dabei: die beiden Kumpel von Quentin, die Freundin des einen, dazu die beste Freundin von Margo. Die vier werden ohne Quentin zurückfahren, auch Quentin wird schließlich ohne Margo zurückfahren, in ein Leben ohne sie, zu dem er selbst jetzt anders steht.

          Zwei Kunststücke muss Jake Schreiers Film vollbringen: Er muss glaubwürdig ein überirdisches Mädchen auf den Boden herunterholen und einen Jungen an ihr wachsen lassen, bis er sich abwenden kann. Und er muss zu einem speziellen Format des amerikanischen Kinos zugleich Kontakt und Abstand halten, auf dessen Folie das jugendliche Publikum auch diesen Film unweigerlich sehen wird: zur Highschool-Klamotte.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Der große Ball und die noch größere Frage, wer mit wem dorthin geht, der erste Sex und die Prahlerei vom ersten Sex, die Party der Jeunesse dorée, der Absturz und die üblichen Peinlichkeiten: von alldem erzählt der Film durchaus, von schulischen Ausgrenzungsspielen, von den Protzereien und Frotzeleien unter halbstarken Freunden noch dazu.

          Hauptsächlich aber erzählt der Film von einem Jungen im Schatten eines Mädchens, den Nat Wolff mit einnehmender Unbeholfenheit spielt, von einem Impuls, das Leben herauszufordern, und von fünf darin mehr oder weniger erfahrenen Jugendlichen, die diesem Impuls folgen. Die ihm bedingt folgen. Dass sie es schaffen, schließlich wieder auf sich selbst zu schauen, auf die Frage, was sie selbst vom Leben wollen, gehört zu den Stärken des Films. Dass sie dafür zumindest einmal beherzt über den eigenen Tellerrand hinausschauen mussten, verdanken sie Margo.

          Weitere Themen

          Klimawandel und Professionalisierung

          TV-Kritik: Anne Will : Klimawandel und Professionalisierung

          In dieser Woche will die Bundesregierung ihre klimapolitischen Pläne festschreiben. Vorher schärfen alle Akteure noch einmal ihr Profil. Das gelang gestern Abend auch dem AfD-Politiker Björn Höcke, während es bei Anne Will um die Autoindustrie ging.

          Topmeldungen

          Wie soll ein Zertifikat für einen Langstreckenflug den CO2-Ausstoß der Reise aufwiegen?

          Emissionshandel : Mit Kompensation das Klima retten?

          Durch Klimazertifikate das ausgestoßene CO2 am anderen Ende der Welt einsparen: Wie viel kann Kompensation tatsächlich bewegen – und wie viel dran ist am Vorwurf des Ablasshandels.

          TV-Kritik: Anne Will : Klimawandel und Professionalisierung

          In dieser Woche will die Bundesregierung ihre klimapolitischen Pläne festschreiben. Vorher schärfen alle Akteure noch einmal ihr Profil. Das gelang gestern Abend auch dem AfD-Politiker Björn Höcke, während es bei Anne Will um die Autoindustrie ging.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.