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Joel und Ethan Coen im Gespräch : Drei Akkorde für ein Halleluja

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Joel Coen: Sie meinen, ob ein Film einen Star braucht? Das ist, gerade angesichts der amerikanischen Filmgeschichte, ein sehr, sehr kompliziertes Thema, über das man stundenlang reden könnte. Bei Justin hatte es aber auch sehr konkrete Gründe: Zum einen haben wir ihn zuletzt in anderen Filmen gesehen, die wir sehr interessant fanden. Dann brauchten wir hier unbedingt jemanden, der sowohl Musiker wie Schauspieler ist – das findet man gar nicht so oft. Justin singt und spielt Sachen auch im Hintergrund des Films, die viele gar nicht mitbekommen. Und schließlich fanden wir es auch einfach lustig, ihn ausgerechnet als Folksänger zu besetzen – er klingt in diesem Idiom sehr schön.

Ethan Coen: Dazu kommt auch noch Justins fast unheimliche Ähnlichkeit mit jemandem aus der Folkszene namens Paul Clayton, einen jener gelehrten Folksänger, die sich Neo-Ethnics nannten. Diese Ähnlichkeit haben wir mit seinem Bart noch unterstrichen.

Aber es gibt auch einen guten Grund, ihn gerade für die Rolle des Jim Berkey zu nehmen: Er repräsentiert – im Gegensatz zur Hauptfigur – den eher erfolgsorientierten Typen, der aus der Sicht der idealistischen Sänger ein „Pop-Folkie“, ein „Sell-Out“ ist.

Ethan Coen: Ja, Justin ist im Film eher der kommerzielle Sänger. Aber wir haben das nicht so gezielt parallelisiert.

Der Weg des Llewyn Davis führt im Film immer weiter nach unten. Gerade, wenn man denkt, es kann nicht mehr schlimmer werden, kommt es doch schlimmer – zum Beispiel, ganz plakativ, als er ohne Geld im Winter in Chicago eintrifft, in eine Eispfütze tritt und dann schlotternd an einer Theke sitzt, bis er zum Zahlen aufgefordert wird. Ist der Film selbst wie ein Folksong, ein manchmal etwas dick aufgetragener Hobo-Song?

Ethan Coen: Ein Song über den vergessenen Folksänger.

Joel Coen: Der auch hyperbolisch ist, um seine Aussage zu machen. Ja, Llewyn Davis hat wirklich irgendwie alles gegen sich laufen, und es wird immer schlimmer. Auch mit seinem Darsteller Oscar hatten wir ein Gespräch darüber, dass der Film selbst wie ein Song ist.

Vielleicht nicht ein Song jener Zeit, sondern eher einer von Tom Waits: Also „broken down by the side of the road“, und so fort.

Joel Coen: Oder „In the Cold Cold Ground“. Ja, da ist was dran.

Es gibt da diesen herrlichen Satz im Film, „If it’s never new and doesn’t get old, it’s a folk song“ – woher stammt der eigentlich?

Joel Coen: Oh, das haben wir uns einfach ausgedacht.

Ethan Coen: Wir brauchten auch einfach einen gut zu erinnernden Satz, damit man am Ende des Films begreift, dass man wieder die Szene vom Anfang sieht.

Einige Sprüche aus Ihren Filmen werden ja geradezu kulthaft zitiert, etwa die von John Goodman aus „The Big Lebowski“. Nervt Sie das manchmal schon?

Joel Coen: Wir sehen das eher als ein Kompliment.

Viele werden sich darüber freuen, dass es nun wieder eine Szene mit John Goodman gibt – er spielt einen medikamentabhängigen Jazzer, der während der langen Fahrt nach Chicago dozierend auf dem Rücksitz des Autos liegt. Haben Sie diese Rolle extra für ihn entworfen?

Joel Coen: Ja, irgendwann beim Schreiben hatten wir John plötzlich im Kopf und haben diese Szene dann stark auf ihn hingeschrieben.

Andererseits vertrauen Sie, wie man hört, inzwischen auch stark Goodmans Einfällen für Ihre Rollen. Stimmt es, dass er sich für diese eine eigene Frisur ausgedacht hat?

Ethan Coen: Ja! Wir nannten die Frisur dann „Mulligan“, nach dem Jazzer Gerry Mulligan, der seine Haare gern cäsarisch trug.

Besonders fies ist, wie er als Jazzer den Folksänger Llewyn verächtlich macht als einen Musiker, der nur die Akkorde G, D und C spielen kann, also „Cowboychords“.

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