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„Der Mauretanier“ im Kino : Schwierig im Sinne der Anklage

Inhaftierte, die selbst diese Menschenrechtsanwältin nicht freibekommt, sitzen definitiv in der Hölle: Jodie Foster als Nancy Hollander Bild: dpa

Zwischen Schau-, Lehr- und Rührstück: Die Publikumsberlinale eröffnet ihr Programm (wie einige deutsche Kinos ihres) mit dem Guantánamo-Drama „Der Mauretanier“.

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          Jodie Foster gefährdet inzwischen jeden Film, den sie betritt – wenn das jeweilige Werk nämlich der in ihrer Haltung mitgeteilten Ankündigung, gleich werde Weltbewegendes gesagt oder getan, nicht gerecht wird, degradiert sie selbst eine Großproduktion zur Fernsehserienfolge mit übergroßem Gast. Immerhin tut sie, was sie kann, um den Film „Der Mauretanier“ von Kevin Macdonald nicht zu zerstören. Die Anwältin Nancy Hollander, die sie da spielt, will dem mauretanischen Staatsbürger Mohamedou Ould Slahi, der nach den Anschlägen vom 11. September 2001 von den USA nach Guantánamo verschleppt, dort festgehalten und misshandelt wird, sein Recht verschaffen, deshalb lässt die Schauspielerin ihrem Gegenüber Tahar Rahim auch allen Raum, das Justizopfer selbst zu Wort kommen zu lassen.

          Dietmar Dath
          Redakteur im Feuilleton.

          Rahim wiederum stellt den Gefangenen als sowohl aufrichtigen wie komplexen Menschen dar (wenn das ein Widerspruch ist, dann ein für den Film produktiver). Im Weg steht seiner Befreiung der Militärjurist Stuart Couch, den Benedict Cumberbatch mit angespanntem Ernst gibt, seinem eher schlichten Erzählbogen zum Trotz (erst eckiger Terrorfeind, dann Verfahrenszweifler aus Menschlichkeit, nun ja). Man könnte das Zusammenwirken von Foster, Rahim und Cumberbatch „harmonisch“ nennen; subtil gestört wird die Balance indes von der trügerisch zurückhaltenden Shailene Woodley als Hollanders Assistentin Teri Duncan, deren gelegentliche Empathiezittermomente ein Unbehagen kommunizieren, ohne dessen Schatten die Geschichte bloß ein lascher Leitartikel über Menschenrechte wäre.

          Macdonald geht sein Thema kaum vom Handgreiflichen her an (ein paar teils sexualisierte Folterszenen, an denen er sich verhoben hat, einmal außen vor gelassen), sondern prinzipiell. Rechtsfragen sind Fachprobleme mit eigenem Lexikon, eigenen Axiomen und Folgerungsweisen, die bebildert und vertont der Film. Was zum Beispiel der „Freedom of Information Act“, ein Gesetz, das staatlich Drangsalierten Akteneinsicht ermöglicht, eigentlich taugt, zeigen geschwärzte Seiten, und wie es mit der Beweislast steht, sagt Cumberbatch: „It‘s just hearsay“, der Fall lebt vom Hörensagen. So ein Hörensagen hat auch die Titelfigur des Films in jungen Jahren dazu motiviert, sich dem politischen Islam anzuschließen, als man ihm während seiner Zeit in Deutschland davon berichtete, was die sowjetische Armee angeblich muslimischen Frauen in Afghanistan antat.

          Historisches als Dekor

          So tritt in „Der Mauretanier“ Historisches stets in Erscheinung: als Hintergrund, Rückblende, Dekor, etwa wenn man, weil der Kampf für den Eingesperrten so lange dauert, im selben Gebäude mal George W. Bush, dann wieder Barack Obama als Staatsfotokunst an der Wand hängen sieht. Der Westen steht mit wechselndem Personal dauerhaft an denselben Fronten gegen die nichtwestliche Welt und ihre Menschen; wer deren Partei ergreift, hat mit Mühsal zu rechnen, egal, wer gerade die USA regiert. In der beiläufigen Feststellung einer der Figuren auf Kuba, eines Tages werde „this“ eine Touristenattraktion sein, steckt ein diesen Hintergrund in den Vordergrund ziehender Schauder über die Bereitschaft der Menschheit, sich mit dem immergleichen, bösen Gang der Dinge unter variabler Leitung abzufinden. Solche Szenen heben den Film hoch übers Niveau der bei vergleichbaren Themen in Hollywood naheliegenden Menschelei – Peter Sattlers „Camp X-Ray“ aus dem Jahr 2014 beispielsweise ging betriebsblind in diese Falle; der strohdumme Drehbuchgedanke, die Gewaltverhältnisse im Folterlager als Liebesgeschichte zwischen Häftling und Bewacherin aufzubereiten, ließ sich nicht mal von Talenten wie Kristen Stewart und Peyman Moaadi retten.

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