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Jenny Gröllmann und Ulrich Mühe : Sie waren einmal ein Traumpaar

Die Schauspieler Jenny Gröllmann und Ulrich Mühe galten in der DDR als ein Traumpaar. Nun wirft Mühe seiner früheren Frau vor, für die Stasi gearbeitet zu haben: eine Geschichte, in der sich Leben und Film zu vermischen scheinen.

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          Eine verrückte Geschichte. Oder ist es am Ende doch nur Werbung für den Film „Das Leben der Anderen“? Der Schauspieler Ulrich Mühe gibt darin einen Offizier der DDR-Staatssicherheit, der beim Dauerabhören eines Künstlerpaares in eine neue Welt taucht, in der es lebendige Gespräche gibt, Theater, Musik - vor allem aber Liebe. Und der deswegen an seiner eigenen Welt zu zweifeln beginnt.

          Frank Pergande
          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Ein Schriftsteller kommt in der Geschichte vor, der rund um die Uhr überwacht wird, nichts davon ahnt und erst Jahre nach dem Ende der DDR davon erfährt. Seine Freundin ist eine bekannte Schauspielerin. Sie wird von der Staatssicherheit eingeschüchtert und schließlich erpreßt, die eigene Liebe zu verraten - mit schrecklichem Ausgang. Als der Film in die Kinos kam (siehe auch: Kinokritik: „Das Leben der anderen“), erzählte Ulrich Mühe, wie sehr die Geschichte mit seinem eigenen Leben zu tun hat. Er erzählte, was er seit etwa fünf Jahren wußte, aber für sich behalten hatte: Daß seine frühere Frau Jenny Gröllmann, eine bekannte Schauspielerin im wirklichen DDR-Leben, Kontakte mit der Staatssicherheit gehabt habe.

          Seinerzeit ein Traumpaar

          Wie im Film der Schriftsteller und die Schauspielerin, so waren auch Ulrich Mühe und Jenny Gröllmann seinerzeit ein Traumpaar. Sie hatten sich Anfang der achtziger Jahre kennengelernt bei Filmarbeiten. „Hälfte des Lebens“ ist ein Defa-Film über Friedrich Hölderlin. Mühe spielte den Dichter, Jenny Gröllmann die Susette Gontard, des Dichters Diotima. Der Titel geht auf eines der schönsten Gedichte Hölderlins zurück. Mühe hat diesen Titel später noch einmal aufgegriffen. Die erste Hälfte seines Lebens, so sagte er, lag mit der DDR hinter ihm. Jenny Gröllmann und er sind längst getrennt. Das Paar hat eine Tochter, die Schauspielerin Anna Maria Mühe.

          Gegen Vorwürfe, sie habe etwas mit der Staatssicherheit zu tun gehabt, wehrt sich Frau Gröllmann derzeit juristisch. Wer immer etwas in dieser Art sagt, wird mit einstweiligen Verfügungen und Unterlassungserklärungen bedacht. Es traf Mühe selbst. Es traf aber auch den Suhrkamp-Verlag, der das Buch zum Film seit dieser Woche nur noch mit geschwärzten Stellen vertreiben darf. Es traf Zeitungen und Zeitschriften. Die Ost-Zeitschrift „Super-Illu“ fand in der vergangenen Woche eine neue Form der Gegendarstellung - eine ganze Seite mit Fotos von Jenny Gröllmann neben dem vom Rechtsanwalt geschriebenen Text und auf der Titelseite der scheinbar unverfänglichen Ankündigung: „Die Schauspielerin wehrt sich gegen die Stasi-Vorwürfe“.

          War sie gut beraten?

          Zwei Wissenschaftler, Jochen Staadt und Tobias Voigt vom Forschungsverbund SED-Staat an der FU Berlin, haben sich unterdessen die Unterlagen der Staatssicherheit über Frau Gröllmann angesehen und dazu ein Gutachten geschrieben, um die in dem Rechtsstreit Beklagten zu informieren. Frau Gröllmanns Anwalt ist Hardy Langer, der in Berlin-Charlottenburg in einer Kanzlei sitzt, zu der auch Gregor Gysi gehört, und der erfahren ist im Umgang mit Fällen dieser Art. Ob Frau Gröllmann aber mit so einem Mann gut beraten war? Denn was zeigen die Akten?

          Zunächst einmal: Sie sind dick, fünfhundert Seiten stark. Es gibt keine schriftliche Verpflichtungserklärung der Schauspielerin. Es gibt überhaupt nichts Schriftliches von ihr. Die Akten enthalten Berichte eines Offiziers der Staatssicherheit und abgeschriebene Tonbandmitschnitte. Auf alle Fälle hat die Staatssicherheit Frau Gröllmann als Inoffizielle Mitarbeiterin (IM) geführt. Aus den Akten geht hervor, daß 1979 geplant wurde, Frau Gröllmann, die damals 32 Jahre alt war, zu werben.

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