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Jeanne Moreau zum 85. : Achtung vor dem Raubtier

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Wo Erotik und Verstand zusammentreffen, hat das Alter sein Recht verloren: An diesem Mittwoch feiert die französische Schauspielerin Jeanne Moreau ihren fünfundachtzigsten Geburtstag.

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          Seit der jungen Marlene Dietrich hatte es das nicht mehr im Kino gegeben: eine faszinierend schöne Frau, die grenzenlos liebt und doch unbeteiligt scheint, in eigene Gedanken und Träume versunken, unberührbar - und gefährlich. „Aber denke immer: Achtung vor dem Raubtier“, hatte die Dietrich 1931 gesungen. Jeanne Moreau, in Frankreich auch eine bewunderte Chansonsängerin, brauchte kein Lied. Ein Blick und jeder war auf der Hut.

          Als sie 1962 mit Truffaut in dessen Dreiecksgeschichte „Jules und Jim“ neben Oskar Werner und Henri Serre einen Jahrhundertfilm schuf, war sie schon Frankreichs begehrteste Charakterdarstellerin, hatte 1951 neben Gérard Philipe in der Comédie-Française reüssiert und im Film 1958 mit Louis Malles „Fahrstuhl zum Schafott“ den Durchbruch erlebt.

          Ihre Erfolgstitel lesen sich wie die Liste erotischer Angstphantasien: „Die Liebenden“, „La Notte“, „Tagebuch einer Kammerzofe“, „Die Braut trug Schwarz“. Ob Antonioni, Bunuel, Vadim oder immer wieder Malle und Truffaut - Regisseure besetzten Jeanne Moreau fast durchweg in Gegenwartmilieus. Bis heute hat man sie im Halbdunkel irgendeiner regenfeuchten Straße stehend vor sich, rauchend, mit hochgeschlagenem Mantelkragen, nachlässig gekämmter dunkler Mähne, verschleierten Augen und einem leise verächtlichen Zug um die vollen spröden Lippen; Verführung, Gefahr, Erotik, Geist.

          Frankreich war stolzer denn je

          Es war Louis Malle, der sie 1965, ohne die Ikone der intellektuellen Femme fatale zu beschädigen, als große Komödiantin zeigte. Im Revolutionswestern „Viva Maria“ verwandelt sie sich - eine ihrer seltenen Kostümrollen - mit Brigitte Bardot von der scharfzüngigen Anarchistin zur Tingeltangelsängerin und Scharfschützin, die den Striptease erfindet, eine südamerikanische Diktatur stürzt und am Ende Königin des Pariser Vaudeville ist.

          Als trotz weiterer Erfolge das wachsende Alter sie in den Hintergrund schob, kam 1982 Rainer Werner Fassbinder und bot sie als desillusionierte Bordellbesitzerin in „Querelle“. Nun waren auch die Deutschen, zuvor lange skeptisch, der Schauspielerin und ihrer Mischung aus Erotik und Geist verfallen - und Frankreich war stolzer denn je auf sie. Das hielt, wie manche große Filme, vor allem aber ihre triumphalen Theatertourneen beweisen, bis heute. An diesem Mittwoch wird sie, noch immer geheimnisvoll anziehend, 85 Jahre.

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