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Jean-Paul Belmondo zum Achtzigsten : Niemals Stillstand

Große Geste, keine Allüren: Jean-Paul Belmondo Bild: Patrick Jacob / Stills / Gamma / Laif

Trotz seines Erfolgs ist ihm sein riesengroßes Herz geblieben. Nun feiert der Schauspieler Jean-Paul Belmondo seinen achtzigsten Geburtstag.

          2 Min.

          Jean-Paul Belmondo war nie der Mann, für welchen ihn die Intellektuellen und Cinephilen lange gehalten haben - und als auch mir das endlich klar wurde, verehrte ich ihn noch viel mehr. Es war im Frühsommer 1982, ich hatte einen Aushilfsjob beim Film, und Belmondo war der Star.

          Claudius Seidl

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Wir drehten, so lange Licht war, in den oberbayerischen Alpen, und eines Abends, als ich so herumstand, auf irgendetwas wartete und Belmondos Ferrari bewunderte, stand er neben mir und fragte mich, ob ich so ein Auto schon mal gefahren hätte. „Nein“, sagte ich, „ich habe keinen Führerschein.“ Und Belmondo neigte den Kopf zur Seite, lächelte und sagte: „Steig ein, wir fahren zusammen in die Stadt!“ Er fuhr schnell und hatte Vergnügen dabei, ich versuchte, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Ich schwärmte von seinen Filmen mit Jean-Pierre Melville, François Truffaut und Claude Sautet. Ich gestand ihm, dass ich die Dialoge aus Godards „A bout de souffle“ auswendig konnte.

          „Eh, Godard, je m’en fou“, sagte Belmondo, der nichts mehr hören wollte von der Nouvelle Vague. Er sprach lieber von Bayern, von München, vom guten Bier - und genau so gab er sich auch in den Drehpausen, am Set, gegenüber dem Team. Ein Mann, der gar nicht zu bemerken schien, dass er ein Filmstar war, so uneitel und unarrogant benahm er sich. Ein Mann, der gern mit seinen Kumpeln aus der Crew ein Bier trank, lachte und kein großes Psychodrama aus der Einfühlung in seine Rollen machte. Ein Mann mit einem riesengroßen Herzen. Und eher schlichten ästhetischen Bedürfnissen.

          Ein beachtliches Laufpensum

          Er war nie Godards „Pierrot le fou“, nie Michel Poiccard aus „A bout de souffle“. Er war nie so intellektuell, so belesen, versponnen und auf jene unwiderstehlich athletische Art vergeistigt, wie es die Männer waren, die er für die Regisseure der Nouvelle Vague spielte - und genau das macht sein Spiel vielleicht besonders bewundernswert. Er liest Faulkner, und man glaubt im jedes Wort. Er steht vor einem Filmplakat, sagt „ah, Humphrey Bogart“, und man glaubt ihm, dass er all die Filme gesehen hat.

          Er sprach die intellektuellen Drehbuchsätze, und seine eigene Intellektualität schien in seinem Körper aufgehoben zu sein, in seinen Bewegungen, in diesem Habitus, den man, als sehr junger Kinogänger, gar nicht betrachten konnte, ohne dass man selbst so sein und sich bewegen wollte. Die Befreiung der sechziger Jahre spielte sich ja nicht nur in den Köpfen ab. Es ging schon auch darum, die Kragen zu lockern, die Muskeln in Schwung zu halten und die Luft an die Haut heranzulassen. Kaum ein Schauspieler ist in seinen Filmen so viel gerannt wie Belmondo, dem nichts so zuwider wie der Stillstand war. Und als er sich abwandte von der Nouvelle Vague und ein Actionstar des kommerziellen Kinos wurde, blieb er sich insofern treu, als ihm nichts mehr Freude machte, als die bestehenden Verhältnisse zu Klump zu hauen.

          Er lässt es seit Jahren ruhiger angehen, aber wenn er spielt, ist er so lässig, wie er es immer war. Am Dienstag, den 9. April, wird Jean-Paul Belmondo achtzig Jahre alt.

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