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Panahis „3 Gesichter“ im Kino : Riskante Fahrt am Rand des Lebens

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Sie liebe das Kino, sagt das Mädchen Marzieh aus „3 Gesichter“ gleich zu Beginn. Ihr Blick aber weckt Zweifel. Bild: Weltkino Filmverleih

Das Mädchen Marzieh will auf die Schauspielschule nach Teheran, doch ihre Familie möchte, dass sie heiratet. Doch eher will sich Marzieh das Leben nehmen im neuen Film von Jafar Panahi, der offiziell in Iran unter Hausarrest steht.

          Für ein Mädchen namens Marzieh aus dem Dorf Saran in einem nordwestlichen Winkel Irans stellt sich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie als unüberwindliche Hürde dar. „Heirate erst!“, wird ihr von den Angehörigen beschieden, dabei hat Marzieh doch die Aufnahmeprüfung auf eine Schauspielschule in Teheran bestanden. Sie möchte ein Star werden. Aber ihr Bruder und viele Nachbarn haben für die Arbeit der „Gauklerinnen“ nichts übrig. Eine Frau soll zu Hause bleiben, wie es sich schon immer gehört hat. Marzieh sieht den Weg zu ihrem Träumen versperrt, und so entschließt sie sich zu einer radikalen Tat: Sie will sich das Leben nehmen, und sie weiß auch schon, an wen ihr Abschiedsbrief gehen soll – sie nimmt eine Videobotschaft an Behnaz Jafari auf, eine der populärsten Schauspielerinnen im heutigen Iran. Über eine Messenger App gelangt dieser kurze Film auch tatsächlich an seinen Bestimmungsort. Und so bleibt Behnaz Jafari nichts anderes übrig, als auf den Appell zu reagieren. Sie fährt nach Saran. Der Mann am Steuer ist an der Geschichte auch aus beruflichen Gründen interessiert: Jafar Panahi ist Filmemacher, und wie es sich trifft, arbeitet er gerade an einem Drehbuch über einen Selbstmord.

          Der Film „3 Gesichter“ von Jafar Panahi wirkt also nun wie eine denkbare Realisierung dieses Drehbuchs und zugleich wie eine Recherche dafür. Das Video von Marzieh steht am Anfang: Ein Mädchen legt einen Strick um seinen Hals, und dann kippt das Bild. Wer aber hat die Aufnahme danach hochgeladen und weggeschickt? Und gibt es da nicht vielleicht doch einen unsichtbaren Schnitt? Am Ende ist alles nur ein Fake, und Behnaz Jafari liegt vielleicht richtig mit ihrem Argwohn, dass sie „von einem Kind verarscht“ wurde. Aber Marzieh spricht von Themen, die auch in Iran von entscheidender Bedeutung sind: von der Beziehung zwischen Zentrum und Peripherie, von der Medienproduktion in der Großstadt und von der Bedeutung, die Serien und Filme noch im kargen Bergland nahe der Grenze zur Türkei und zu Aserbaidschan haben, wo es „mehr Satellitenschüsseln als Bewohner“ gibt.

          Und es gibt noch eine wichtige Verbindung von Gegensätzen in „3 Gesichter“: zwischen Realität und Fiktion. Behnaz Jafari und Jafar Panahi spielen im Wesentlichen sich selbst, nicht als psychologische Figuren, sondern in den Rollen, die sie im öffentlichen Leben in Iran spielen. „Wie geht die Serie aus?“, wird Jafari an einer Stelle gefragt – ganz selbstverständlich setzen die Menschen sie mit einer Figur gleich, die sie jeden Abend im Fernsehen sehen. Jafar Panahi wiederum ist nach dem Tod von Abbas Kiarostami der international bedeutendste Filmkünstler des Landes, eine Rolle, die umso gewichtiger ist, als er offiziell unter Hausarrest steht und mit Berufsverbot belegt ist. Er macht aber trotzdem Filme, sie sehen dann allerdings so aus wie „3 Gesichter“, der in seiner Form das Kino auf ein Minimum reduziert hat: zwei Stars, eine Reihe von Laien, ein Geländewagen, eine markante Landschaft. Und ein raffiniertes Drehbuch, das so tut, als hätte es gar keines gebraucht, weil sich alles wie von selbst ergibt.

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