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Interview : Sind Sie ein Weltverbesserer, Herr Washington?

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Das stimmt schon mal nicht.

Und dann, ein Jahr später, weigerten Sie sich bei den Dreharbeiten zu dem Film „Virtuosity“, die Hauptdarstellerin Kelly Lynch zu küssen, weil Sie das Publikum nicht verschrecken wollten, auf das der Film abzielte.

Das ist auch nicht wahr.

Es steht im Internet, in Wikipedia.

Können Sie das ändern?

Jedenfalls sind Sie eine Ikone der schwarzen Amerikaner im Kino. Mit Ihren Rollen kämpfe Sie doch auch für Gleichberechtigung zwischen Schwarzen und Weißen, oder nicht?

Nein.

Wirklich nicht?

Ich mache nur, was mir gefällt. Als ich das Buch über Sammy Davis jr. las, dachte ich nicht: Er ist schwarz, wie toll. Ich mochte einfach das Buch.

Sie sind der erste schwarze Schauspieler, der einen Oscar sowohl für die beste Haupt- als auch für die beste Nebenrolle gewonnen hat. Hat sich die Lage für die Schwarzen in Hollywood im Lauf Ihrer Karriere gebessert?

Seit ich angefangen habe, ist sicher manches besser geworden. Es gibt mehr Auswahl bei den Rollen. Aber bis zur Gleichberechtigung ist es noch ein weiter Weg.

Ist das auch Ihnen zu verdanken?

Mir? Es ist ganz vielen zu verdanken. All den Leuten, die vor mir kamen, nicht nur Sidney Poitier, sondern all den anderen, die niemand kennt, die nichts gewonnen haben, die nie ihre große Chance bekamen.

Wie war es, „Déjà Vu“ in New Orleans zu drehen, nach dem Hurrikan „Katrina“? Es waren ja wohl vor allem Arme und Schwarze, die unter der Katastrophe zu leiden hatten.

War das so?

So sah es im Fernsehen aus.

Wir fingen erst sieben Monate danach mit dem Drehen an. Es war sehr traurig, überall die Zerstörungen, das Elend. Sie können sich das kaum vorstellen.

Erregt ein solcher Anblick in Ihnen nicht das Bedürfnis, über Ihre Rollen hinaus politisch aktiv zu werden?

Wissen Sie, alles, was ich tue, ist ein Statement für die schwarze Community. Vielleicht spreche ich nur nicht so oft darüber. Jedenfalls nicht in Interviews.

Möchten Sie nicht gern die Welt verbessern, wie manche der Figuren, die Sie spielen?

Man will ein Vorbild sein, sicher. Aber das ändert sich mit jedem neuen Film. In meinem nächsten Film beispielsweise, „American Gangster“, spiele ich den größten Drogendealer in der Geschichte Amerikas.

Wie haben Sie dafür recherchiert?

Ich hatte den Mann selbst neben mir am Set. Franc Lucas. Das Original. Der Film ist seine Geschichte.

„American Gangster“ ist ein Film von Ridley Scott. Vor zwei Jahren sollte das gleiche Projekt von Antoine Fuqua verfilmt werden, aber der Film kam nicht zustande. Aufgrund einer Vertragsklausel bekamen Sie angeblich dennoch Ihre Gage - zwanzig Millionen Dollar. Stimmt das?

Das müssen Sie selbst recherchieren!

Sie geben viel Geld für gemeinnützige Zwecke aus, Stiftungen, Schulen. In Texas haben Sie eine große Summe für ein Hotel gespendet, in dem Soldatenfamilien wohnen, die ihre verwundeten Angehörigen besuchen. Verlangen Sie so viele Millionen für Ihre Filmrollen, um noch wohltätiger sein zu können?

Über meine Privatangelegenheiten rede ich nicht. Ich tue einfach, was ich tue.

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