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Interview : Quentin Tarantino: „Faule Regisseure machen mich krank“

  • Aktualisiert am

Entenpresser: Quentin Tarantino Bild: AP

„Wenn wir es nicht in der Kamera machen können, können wir es gar nicht machen“: Ein Interview mit dem Regisseur Quentin Tarantino über digitale Bilder, Entenpressen, Blutbäder und über „Kill Bill: Volume 1“.

          5 Min.

          „Wenn wir es nicht in der Kamera machen können, können wir es gar nicht machen“: Ein Interview mit dem Regisseur Quentin Tarantino über digitale Bilder, Entenpressen, Blutbäder und über „Kill Bill: Volume 1“.

          F.A.Z.: Sind Sie sehr nervös, nachdem Sie sechs Jahre lang keinen Film mehr gemacht haben und nun gleich mit zwei Filmen innerhalb von vier Monaten ins Kino kommen?

          Überhaupt nicht. Es ist aufregend, den Film überall zu zeigen, die Reaktionen des Publikums zu erleben. Ich habe mich ein Jahr lang auf diese Phase gefreut.

          Und die hohen Erwartungen, die alle an "Kill Bill" haben, belasten Sie die überhaupt nicht?

          Um Gottes Willen, nein, der Rummel und das ganze Drumherum sind toll. Wenn du ein heißer Rockstar bist und die Leute auf deine nächste Platte warten, brauchst du diese Aufregung, die Vorfreude. Wenn die nicht wäre, würde auch ein Teil meines Enthusiasmus verschwinden.

          Nervt es Sie nicht, daß in allen möglichen Artikeln Freunde von Ihnen zitiert werden, die lieber anonym bleiben wollen und die so freimütig Auskunft über Ihre Gemütsverfassung geben?

          Anonyme Freunde, das ist für mich ein Widerspruch in sich, es sind bloß Feiglinge. Lassen Sie es mich ein für allemal klarstellen: Ich hatte keinen Schreibblock. Ich habe sechs Jahre lang nichts getan, als zu schreiben. Mein Problem war nicht der Schreibblock, ich konnte meine Sachen bloß nicht zu Ende bringen, weil ich so viel geschrieben habe. Ich bin jetzt in einer ähnlichen Position wie damals, als ich "Reservoir Dogs" gedreht habe, da hatte ich schon "Natural Born Killers", "True Romance" und "From Dusk till Dawn" geschrieben und kurz danach "Pulp Fiction". Und alle wurden gemacht. Die Leute haben mich gefragt: "Hey, wo warst du bloß die ganze Zeit?" Ich habe mich einfach zurückgezogen und ohne Ende geschrieben. Ich war nicht auf dem Radar. Jetzt habe ich jede Menge Stoff, und ich bin zurück im Geschäft.

          Haben Sie zwischendurch mal überlegt, statt eines Drehbuchs einen Roman zu schreiben? Sie haben ja Ihre Erzählweise häufig mit literarischen Vorbildern wie Salinger oder Charles Willeford verglichen.

          Bei jedem Drehbuch, das ich geschrieben habe, bin ich irgendwann an den Punkt gekommen, an dem ich mir gesagt habe: "Laß es stecken, mach vielleicht einen Roman daraus, es ist zu sperrig." Aber dann bin ich um diese Klippe herumgekommen, und das Buch war fertig. Meine Drehbücher sind keine Blaupausen für den Film, den ich dann drehe. Wenn ich schreibe, geht es ganz klar um das geschriebene Wort auf der Seite. Drehbücher sollen geschrieben und gelesen werden, Filme sollen gedreht und gesehen werden.

          Sie haben Ihr Verfahren in "Kill Bill" mit einer Entenpresse verglichen, einem Küchengerät, mit dem man die Knochen zerquetscht, um mit dem Mark und dem Saft den Geschmack des Essens anzureichern.

          Stimmt. Nur daß ich in meine Entenpresse Spaghetti-Western reintue, einen billigen italienischen Thriller, Pop-Samurai Filme, hier noch einen Monsterfilm, dort noch einen Rachefilm, und dann presse ich das aus. Am Ende kommt so eine kleine Pastetenfüllung heraus, und ich hoffe, der Geschmack bereichert den Film. Ich werfe einfach weg, was ich nicht mag, und behalte, was mir gefällt.

          Ihre Zutaten sind für ein normales Kinopublikum allerdings ziemlich exotisch. Ist es nicht mitunter schwierig, sowohl die Bedürfnisse des großen Publikums als auch die Fans von Kung-Fu-Filmen, Spaghettiwestern oder Samuraifilmen zufriedenzustellen?

          Es ist nicht schwer, es ist einfach das, was ich tue, worin ich lebe, was ich zu bieten habe. Wenn ich in einer Szene sechs Anspielungen habe, fühlt sich ein Fan des asiatischen Kinos wie im Himmel, er hätte sich nie träumen lassen, so etwas in einem Hollywoodfilm serviert zu bekommen - ich im übrigen auch nicht, deswegen habe ich es ja auch gemacht. Ich wollte etwas zeigen, was man noch nie gesehen hat. Wenn der Fan "Kill Bill" sieht, hat er festen Boden unter den Füßen. Jemand, der nicht mit diesem Kino aufgewachsen und dem es nicht zu einer Art zweiten Natur geworden ist, hängt ein wenig in der Luft. Alles ist neu, er hat keinen Kontext. Aber wenn es funktioniert, bekomme ich auch dieses Publikum mit beiden Beinen auf den Boden.

          An der Frage nach der Gewalt kommt man bei Ihren Filmen nie vorbei. In "Kill Bill" gilt das nicht nur für die Bilder; die Tonspur ist im Vergleich zu Ihren früheren Filmen auch ziemlich drastisch . . .

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