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Interview mit Sean Penn : Kino ändert nichts

  • -Aktualisiert am

Sean Penn bei der Premiere von „The Gunman“ in Los Angeles Bild: Agency People Image

Warum engagieren Sie sich in Haiti? Sind humanitäre Einsätze nicht frustrierend? Gibt es heute überhaupt noch Helden? Der amerikanische Schauspieler und Regisseur Sean Penn im Gespräch.

          6 Min.

          Zehn Jahre hat Sean Penn, Schauspieler, Regisseur, zweifacher Oscarpreisträger und Aktivist, Haiti-Helfer und einer der großen Wohltäter Hollywoods, „The Last Face“ mit sich herumgeschleppt, seine zehnte Regiearbeit, inszeniert nach zehn Jahren Pause. Javier Bardem spielt darin einen Arzt in einem afrikanischen Flüchtlingslager, der versucht, das Leiden der Bürgerkriegsflüchtlinge zu lindern. Es ist zudem die Geschichte einer leidenschaftlichen Liebe zur Entwicklungshelferin Wren, gespielt von Charlize Theron, zum Zeitpunkt der Dreharbeiten noch Penns Lebensgefährtin. Bardems und Therons Figuren sind nicht nur ein Paar, sondern auch Protagonist und Antagonist, wenn sie über Sinn und Unsinn der Entwicklungshilfe von Staaten und deren Wohlstand diskutieren. Am moralischen Zwiespalt zerbricht auch die Beziehung. Bei der Premiere in Cannes im letzten Jahr wurde „The Last Face“ von der Kritik brutal verrissen. Trotzdem stellte sich Penn wie geplant dem Gespräch: Seine Miene wirkte etwas grimmig und mürrisch, wie so oft, und er sah, man muss es sagen, etwas verkatert aus. Auch wenn er sich ruhig und gefasst gab, merkte man, wie angezählt der 57-Jährige war.

          Mr. Penn, was hatten Sie vor mit „The Last Face“ – den Zuschauer mit der Not der Kriegsopfer in Afrika zu konfrontieren? Ist der Hintergrund essentiell für die Liebesgeschichte?

          Wenn der Zuschauer das als Konfrontation auffassen sollte, dann hat er sich mit dem Thema in der Vergangenheit nur nachlässig auseinandergesetzt. Ich erzähle die Geschichte so, als würde ich sie den Menschen erzählen, mit denen ich die meiste Zeit verbringe. Es ist einfach meine Sicht auf das Thema, ich will nicht in erster Linie konfrontieren.

          Sie möchten dem Publikum nur Ihre eigene Erfahrung mit der Realität von Flüchtlingen zeigen?

          Ja.

          Wie entstand der Wunsch, diese Geschichte erzählen zu wollen?

          Ich lasse mich oft für meine Regiearbeit von Themen inspirieren, mit denen ich mich intensiv beschäftigt habe. Im einfachsten Fall setze ich mich dann hin und schreibe drauflos. Aber in diesem Fall lag bereits seit 2005 ein Drehbuch vor. Es entstand direkt nach dem Bürgerkrieg in Liberia. Ich war damals gar nicht als Regisseur im Gespräch, ich sollte den Helikopter-Piloten spielen, den Part, den jetzt mein Sohn Hopper spielt. Ich hatte also mit dem Drehbuch nichts zu tun, kannte es aber und mochte es sehr. Als mir dann die Regie angeboten wurde, fand ich die Idee großartig, den Film mit Charlize Theron und Javier Bardem zu drehen.

          Woher kam diese Idee? Weil Sie damals mit Charlize Theron zusammen waren?

          Ich hatte Javier Bardem mal mit dem ursprünglich vorgesehenen Regisseur bekannt gemacht. Das Projekt zerschlug sich, aber Javier war weiter interessiert. Dann hat mein Produzent Matt Palmieri die Rechte an dem Drehbuch erworben und suchte einen Regisseur. Als ich das Drehbuch wieder las, verbrachte ich gerade viel Zeit mit Charlize. Ich hatte sie beim Lesen die ganze Zeit vor Augen. Die Paarung von Charlize und Javier war für mich das Faszinosum. Dann habe ich ein Update des Drehbuchs geschrieben und die Story auf Südsudan ausgeweitet. Ich dachte, ich hätte durch meine eigenen Reisen etwas zu dieser Geschichte beizutragen. Ich kenne den Teil der Welt, in der der Film spielt, sehr gut.

          Filmtrailer : „The Last Face“

          Wren, Therons Figur, hat mit dem Vermächtnis ihres Vaters zu kämpfen. Ihr Vater Leo Penn war ebenfalls Regisseur. Hat er noch indirekt Einfluss auf Ihre Arbeit?

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