https://www.faz.net/-gqz-98zcw

Interview mit Emily Atef : „Mich reizen existenzielle Geschichten“

„Ich arbeite nicht mit Frauen“, sagte eine Redakteurin einmal zu ihr: Emily Atef setzt sich trotzdem durch. Bild: AFP

Von Emily Atef gibt es gerade zwei scheinbar ganz unterschiedliche Filme zu sehen: Im Kino steht Romy Schneider im Zentrum, im Fernsehen ein junger Islamist. Für die Regisseurin geht es jeweils ums Ganze.

          Frau Atef, Sie sind in West-Berlin als Tochter einer Französin und eines Iraners geboren, in Los Angeles zur Schule gegangen, haben ihre Jugend in Frankreich verbracht und in London als Schauspielerin gearbeitet. Warum sind Sie nach Berlin zurückgekehrt und in Deutschland Regisseurin geworden?

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Ich hatte eine ganz tolle Kindheit in Berlin, von dieser Zeit ist mir immer eine Nostalgie geblieben. Wenn ich irgendwo Deutsch hörte, musste ich mich umdrehen, die Anziehung war ungebrochen. Der Kontakt zu Berlin riss für mich nie ab. Nach der Schauspielschule in Frankreich habe ich in London gearbeitet und die Stadt als sehr rauh erlebt. Außerdem merkte ich: Die Schauspielerei ist nicht meins. Ich fing an, kleine Filme zu machen, und fühlte gleich: Das ist es. Eine Freundin war damals an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin und sagte: Komm doch her, das ist eine richtig gute Schule. Erst dachte ich: Noch einmal Schule, ich weiß nicht. Ich war schon 27 Jahre alt. Gegangen bin ich vor allem, weil ich wieder nach Berlin wollte. Die Schule war ein Glücksfall für mich. Ich habe alles aufgesaugt. Rausgekommen bin ich mit zwei Spielfilmen, „Molly’s Way“ und „Das Fremde in mir“, meinem Abschlussfilm.

          Die Filme wurden mit Preisen überhäuft, „Das Fremde in mir“ lief bei den Festspielen in Cannes; sie hatten offenbar den richtigen Weg eingeschlagen. Woher rührt Ihre Faszination für den Film?

          Ich komme nicht aus einer Künstlerfamilie, aber meine Mutter war kunstaffin, das hat uns geprägt. Mein Bruder, Cyril Atef, der in Paris lebt, ist Schlagzeuger. Er hat unter anderem die Musik zu „Macht euch keine Sorgen“ gemacht.

          Ihr Film „3 Tage in Quiberon“, der am Donnerstag in die Kinos kommt, fiktionalisiert das Interview, das der „Stern“-Journalist Michael Jürgs 1981 in der Bretagne mit Romy Schneider führte. Heute läuft im Ersten Ihr Fernsehfilm „Macht Euch keine Sorgen“, der von der Suche eines Vaters nach seinem zum IS in Syrien gegangenen Sohn erzählt. Davor haben Sie ein Familiendrama, die Geschichte eines todessehnsüchtigen Jugendlichen, einer depressiven Mutter und einer Adoption verfilmt. Liegen Ihnen Familiengeschichten, die Konzentration auf kleine Ensembles und knappe Zeiträume?

          Mich reizen existentielle Geschichten, und den Mikrokosmos Familie finde ich extrem spannend. Fast alle unsere Probleme wurzeln schließlich in unserer Kindheit und unserer Familie.

          Romy Schneider ist dafür wohl auch ein Beispiel. Wie ist der Stoff für den Film zu Ihnen gekommen?

          Durch den französischen Produzenten Denis Poncet, der leider 2014 während der Arbeiten am Film gestorben ist. Er war mit Marie Bäumer befreundet und sagte ihr immer: Du siehst Romy Schneider so ähnlich, du klingst fast wie sie, wenn du Französisch sprichst, du musst sie spielen. Aber an einem Biopic war sie nie interessiert. Poncet stieß auf ein Buch mit Fotos, die Robert Lebeck in Quiberon geschossen hat, als das Interview entstand – und die Idee für den Film war da. Es konnte aber kein französischer Film werden: deutsches Interview, deutsche Protagonisten. Also machten sich die beiden auf die Suche nach einem deutschen Regisseur und fragten mich.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Brite protestiert gegen den Brexit.

          FAZ Plus Artikel: Angst vor Brexit : Geht London der Blumenkohl aus?

          Viele Obst- und Gemüsehändler in der Markthalle von New Spitalfields, dem größten Umschlagplatz für frische Lebensmittel in der britischen Hauptstadt, fürchten sich vor dem Brexit. SIe bereiten sich schon jetzt auf den Mangel vor.
          Unser Sprinter-Autor: Carsten Knop

          FAZ.NET-Sprinter : Hätte, wollte, dürfte

          Eigentlich sollte am Dienstag das Brexit-Votum stattfinden. Eigentlich wollte Frankreichs Präsident Macron keine Zugeständnisse machen. Eigentlich dürfte die CDU keine politische Gestaltungsverweigerung mehr üben. Eigentlich.
          Der französische Präsident Emmanuel Macron während seiner Ansprache an die Nation.

          Protest der „Gelbwesten“ : Macrons Kehrtwende

          Er sei kein Weihnachtsmann, hatte der französische Präsident Emmanuel Macron zuvor gesagt. Doch fast ein Monat mit teils gewalttätigen Protesten zeigt jetzt Wirkung: Zum 1. Januar gibt es in Frankreich Geldgeschenke.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.