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Interview mit Emily Atef : „Mich reizen existenzielle Geschichten“

Wollten Sie „3 Tage in Quiberon“ gleich in schwarzweiß drehen?

Das entwickelte sich im Laufe der Recherche. Ich habe mit Michael Jürgs gesprochen und mit der Freundin von Romy Schneider, die damals dabei war und im Film durch die fiktive Hilde ersetzt wird, ich habe im Hotel in Quiberon alte Mitarbeiter getroffen, die Romy erlebt hatten. Von Lebecks Schwarzweißfotos kannte ich nur wenige aus dem Internet. Dann haben mir seine Frau und er das gesamte Material anvertraut: 580 Bilder. Sie haben mir ein Gefühl für die Räume, Personen und die Stimmung vermittelt. Ich musste mich wieder von diesem Material lösen, ich wollte keinen Dokumentarfilm machen. Aber die Bildvorstellung blieb schwarzweiß.

Der Journalist Michael Jürgs kommt in Ihrem Film nicht gut weg.

Ich habe ihn zum Antagonisten gemacht. Er steht für die deutsche Presse, die nur Sissi haben wollte, nicht die französische Schauspielerin. Mir war wichtig, dass „Quiberon“ nicht nur von Romy Schneider handelt, sondern vier Perspektiven von vier Figuren zeigt. Jürgs macht die größte Wandlung durch: vom rücksichtslosen Journalisten, der um jeden Preis seine Story haben will, zu einem Mann, dem das Gespräch nachgeht. Hilde schaut ein wenig mit meinem Blick auf die Sache, auf eine Freundin, die nicht geschützt werden will und auch furchtbar anstrengend war.

Emily Atef mit Romy-Darstellerin Marie Bäumer

Sie zeigen Romy Schneider nicht als Opfer.

Sie war eine intelligente, impulsive Frau, und sie wusste um ihre Wirkung. Am Ende hatte sie Jürgs in der Hand. Aber sie gibt trotzdem praktisch das gesamte Interview frei.

In dem sie unglaubliche Sachen sagte.

Sie sagt: Ich bin fertig, ich habe kein Geld mehr, ich kann mich selbst nicht mehr sehen, mein Leben hätte viel besser sein können.

Was haben Sie durch Ihren Film über Romy Schneider gelernt?

Ich wollte ja nichts Neues herausfinden. Der Film ist meine Version einer Geschichte, die ich aus Bildern, Interviews und Erzählungen zusammengesetzt habe. Eine Inspirationen war „Last Days“ von Gus van Sant, die fiktionale Annäherung an die letzten Tage von Kurt Cobain, der im Film nicht einmal so heißt. Picasso sagt: Kunst ist eine Lüge, die wahrhaftiger ist als die Wahrheit. Daran glaube ich. Aber was ich vielleicht gelernt habe ist, wie man ein Leben kaputtmachen kann, indem man ein Kind wie eine Erwachsene arbeiten lässt und öffentlich auf ein Podest stellt. Heute gibt es strengere Regeln für Kinderschauspieler, aber schauen Sie die Jugendlichen auf Instagram, Facebook und Youtube an, diese Sucht nach Aufmerksamkeit und Anerkennung. Der Film ist gar nicht so historisch, wie man denken könnte, sondern sehr gegenwärtig.

Gegenwärtig ist auch „Macht Euch keine Sorgen“. Was hat Sie dazu bewogen, diesen Film zu machen?

Als ich das Buch von Kathi Liers und Jana Simon las, habe ich gleich intensiv mit dem Vater, der im Film von Jörg Schüttauf gespielt wird, empfunden. Das Thema war auch so drängend. Es herrscht immer noch Krieg in Syrien, und in Europa sind wir umgeben von der Angst vor islamistischen Anschlägen.

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