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Interview mit Hiam Abbass : Ich will keine Opfer spielen

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„Ich will, dass meine Figuren wirklich sind” - Hiam Abbass Bild: Matthias Lüdecke - FAZ

Hiam Abbass gibt starken arabischen Frauen im internationalen Kino ihr Gesicht. Im Interview spricht die Palästinenserin über die Arbeit mit Spielberg, Jarmusch - und, für ihren neuen Film „Lemon Tree“, mit dem israelischen Regisseur Eran Riklis.

          Hiam Abbass gibt starken arabischen Frauen im internationalen Kino ihr Gesicht. Im Interview spricht die palästinensische Schauspielerin über die Arbeit mit Steven Spielberg, Jim Jarmusch - und, für ihren neuen Film „Lemon Tree“, mit dem israelischen Regisseur Eran Riklis.

          Sie sind mehr als eine Schauspielerin, Sie sind eine moralische Instanz. In Ihren Rollen überwinden Sie die Feindschaft zwischen Israelis und Palästinensern. Oder ist das eine Übertreibung?

          Nein, es klingt wie ein Kompliment. Es ist schön, für das gelobt zu werden, was man tut. Ich möchte aber mit meinen Filmen keine Botschaft überbringen. Als ich jung war, habe ich mir beigebracht, niemanden zu hassen, keine Vorurteile zu haben. Ich will einfach kreativ sein. Ich glaube an die Menschheit, an jeden einzelnen Menschen, egal, was er oder sie denkt.

          Zusammen mit Regisseur Tom McCarthy drehte sie „The Visitor”

          Ist das für Frauen leichter als für Männer?

          Ich hasse es einfach, Leute auszugrenzen, und ich will auch keine Charaktere spielen, die andere ausgrenzen. Ich will, dass die Figuren wirklich sind. Wo diese Wirklichkeit dann herkommt, darüber kann man diskutieren.

          Eine ihrer ersten großen Rollen war die der Umm Youness in „Bab el Shams“, einem Film über den Leidensweg der Palästinenser nach 1948. Da waren Sie eine Art Mariengestalt, die Schmerzensmutter Ihres Volkes. Wie verträgt sich das mit Ihren anderen Rollen?

          Keine meiner Rollen gleicht der anderen. Vielleicht sieht man das nur im Westen nicht so deutlich. Wir haben so viele Geschichten in der arabischen Kultur, und jede ist anders. Überall werde ich gefragt: Was sagen Sie zu der Lage der Frauen in der arabischen Welt? Ja, wie soll ich das wissen? Die arabische Welt reicht von Marokko bis zum Irak. Ich kann Ihnen etwas über die Frauen in meinem Land erzählen, aber ich kann keine gesellschaftliche Analyse bieten. Mein Beruf besteht darin, Frauen zu spielen, die ich glaubhaft finde, mit deren Haltung ich sympathisieren kann. Sonst wäre ich Politikerin geworden. Und ob eine Figur gut oder böse ist, heiter oder traurig - wenn ich sie nicht liebe, wird sie nie existieren. Ich empfinde eine große Zärtlichkeit für die Frauen, die ich spiele. Aber sie sind kein Teil von mir, sondern eigenständige Wesen. Sie tun, was sie für richtig halten.

          Manche der Geschichten, die Sie spielen, scheinen mehr mit Ihrer Herkunft zu tun zu haben als andere.

          Na ja. Die syrische Braut spielt in Syrien, Satin Rouge in Tunesien - ich hatte wirklich Mühe, Genaueres über das Leben tunesischer Frauen zu erfahren. Ich fuhr dorthin, lief herum, stellte eine Menge Fragen, lernte den Akzent, der ganz anders ist als meiner. Ich erfuhr zum Beispiel, dass zwischen der Hauptstadt Tunis und dem Rest des Landes ein Zeitunterschied von mindestens einem Jahrhundert besteht. Ich musste meine Rolle zwischen diesen beiden Welten ausbalancieren, um für beide glaubhaft zu sein. Ich glaube auch nicht, dass es zwischen Lilia in Satin Rouge und Salma in Lemon Tree viele Gemeinsamkeiten gibt. Das Gemeinsame ist nur mein Gesicht.

          Aber dieses Gesicht ist vielleicht das Entscheidende.

          Gut, kann sein. Aber ich fange dennoch mit jeder Rolle wieder bei null an. Ich mache mich vollkommen leer und versuche so zu spielen, als hätte ich nie jemand andern gespielt.

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