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Hauptrolle im Kinofilm „Emily“ : Kommen Sie sich manchmal seltsam vor, Emma Mackey?

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Sie kann auch Hollywood: die britisch-französische Schauspielerin Emma Mackey, vielen bekannt aus der Netflix-Serie „Sex Education“ Bild: Gareth Cattermole / Getty Images

Bekannt wurde sie mit „Sex Education“, jetzt kommt Emma Mackey als Emily Brontë ins Kino. Ein Gespräch über einen Film, der vereint, was der Schauspielerin viel bedeutet, und ihre zwei Persönlichkeiten durch Zweisprachigkeit.

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          Emma Mackey ist froh. Am Abend vor unserem Zoom-Gespräch hatte ihr neuer Film „Emily“ beim Filmfestival in Toronto Premiere, und: „Ich glaube, die Leute mochten ihn“, sagt die 26-jährige Schauspielerin mit einer Bescheidenheit, die ihre selbstbewusste Freude kaum verbirgt. Kein Wunder: Die Hauptrolle der Schriftstellerin Emily Brontë in dem ungewöhnlichen Biopic ist genau die richtige für sie in genau diesem Moment ihrer Karriere. Nachdem sie vor drei Jahren die Rolle der punkigen Maeve Wiley in der britischen Netflix-Serie „Sex Education“ neben Gillian Anderson übernahm, war sie bekannt. Als sie dann in dem französischen Film „Eiffel“ neben Romain Duris die große Liebe des Architekten spielte, erfuhr man, dass sie auch Französisch kann, zweisprachig in Frankreich aufgewachsen ist. Mit „Tod auf dem Nil“ und nun bald in Greta Gerwigs „Barbie“ zeigt sie, dass ihr auch ganz großes Hollywoodkino gelingt. Und sie? Nimmt das zum Anlass, um zu sagen: „Jetzt will ich endlich mehr Mitspracherecht haben bei meinen Rollen und Filmen!“

          Diese Entschiedenheit überrascht nicht. Der mutige, rebellische Eigensinn ist es schließlich, der ihre Darstellungen verbindet. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie ihr markantes, dabei auf sehr klassische, beinahe erhabene Art schönes Gesicht nicht in Opposition ist zu ihrer Umgebung. Wer sonst also könnte Emily Brontë spielen, die berühmte Autorin von „Wuthering Heights“, die dort die Möglichkeit eines leidenschaftlichen Lebens inmitten viktorianischer Strenge auslotet? Eine „brilliant idea“ nennt der Online-Branchendienst Indiewire die Idee, Emily Brontë mit Emma Mackey zu besetzen, und stellt fest, „what a splendid job she does“. Der „Hollywood Reporter“ findet gar: „Mackey commands the screen.“ In diesem Film kommt so ziemlich alles zusammen, was Emma Mackey viel bedeutet: Literatur, Natur, Sprachen, Intensität. „It’s about eating life“, wie sie es ausdrückt: „Der Film ist eine Ode an Kreativität, ein Dankeschön an Emily Brontë – und eine Art „Fuck you“ an alle, die versuchen, einem Regeln im Leben vorzuschreiben!“

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          Auch der Film „Emily“ selbst kümmert sich nicht groß um die Regeln für historische Biopics. „Es werden sicher Leute kommen und sagen: Aber das ist doch historisch nicht korrekt und bla, bla, bla. Ich meine, wir machen Filme über blaue Aliens – wir sollten das nicht so genau nehmen“, lacht Emma Mackey. Tatsächlich stützt sich die Geschichte der jungen Dichterin Emily, die eine leidenschaftliche Affäre mit ihrem Französischlehrer und Pfarrer beginnt, mehr auf den berühmten Roman Brontës denn auf reale Überlieferungen. Was er aber ziemlich sicher akkurat vermittelt, sind die großen Widerstände, gegen die sie sich durchsetzen musste, um ihren Roman zu schreiben.

          In „Emily“ spielt Emma Mackey die Hauptrolle als die berühmte Schriftstellerin („Wuthering Heights“) Emily Brontë.
          In „Emily“ spielt Emma Mackey die Hauptrolle als die berühmte Schriftstellerin („Wuthering Heights“) Emily Brontë. : Bild: Wild Bunch

          Emily wächst mit ihren drei Geschwistern in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in wohlhabenden Verhältnissen auf. Die Mutter stirbt früh, der Vater ist kühl und kritisch. Alle vier schreiben, doch der Vater hat für die Mädchen eine Zukunft als Lehrerinnen vorgesehen. Emily aber, die im Dorf „the strange one“ genannt wird, wie ihre Schwester Charlotte ihr zuträgt, scheint dafür nicht geeignet: Immer wieder führen nervöse Anfälle dazu, dass sie nach Hause zurückgeschickt wird. Als sie sich in Weightman (Oliver Jackson-Cohen) verliebt, fühlt sie sich zum ersten Mal akzeptiert. Doch die Beziehung der beiden ist kompliziert.

          Was war die größte Herausforderung an dieser Rolle? „Alles“, sagt Emma Mackey – und scheint sich darüber sehr zu freuen. Weil es der Debütfilm der Schauspielerin Frances O’Connor war, die hier zum ersten Mal Regie führte, hatten sie nur sechs Wochen Drehzeit. „Das ist für jeden Film wenig, ganz besonders aber für einen Kostümfilm, bei dem du andauernd Korsagen und Kleider wechseln musst. Es hat ja außerdem ständig geregnet, und wegen der vielen Außendrehs im Moor wurden wir permanent nass“, erinnert sich Mackey. Aber gerade durch den Zeitdruck war der Dreh extrem intensiv: „Wir mussten uns sofort hineinwerfen – es gab einfach keinen Raum für Zögern oder Zweifel.“ Gerade diese Dringlichkeit hat ihr gut gefallen. „Dadurch hat es sich wie ein Theaterstück angefühlt, beinahe wie in Echtzeit.“

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