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Natalie Portman im Gespräch : Streit ist doch spannend

  • -Aktualisiert am

Natalie Portman im August in Los Angeles Bild: AP

Warum sie Amos Oz verfilmen wollte, wie das ihr Bild von Israel geprägt hat und weshalb sie in Hollywood und Harvard Erfolg hat: Die Schauspielerin und Regisseurin Natalie Portman im Gespräch.

          6 Min.

          Sie ist klug, schön und begabt. Sie hat in Hollywood Erfolg gehabt und in Harvard. Sie schwor einem Profikiller ewige Liebe, in Luc Bessons Film „Léon – Der Profi“ (1994), sie war Queen Amidala in den „Star Wars“-Filmen. Für ihre Selbstaufgabe als perfektionistische Primaballerina in „Black Swan“ wurde sie bei den Oscars 2011 als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Nun schlägt die 35-jährige Natalie Portman ein neues Kapitel auf: Regisseurin und Drehbuchautorin. Ihr Debüt gibt sie mit einem Stück Weltliteratur, mit der Verfilmung von Amos Oz’ Autobiographie „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“. Auch live ist Natalie Portman beeindruckend: zartgliedrig, 1,60 Meter groß, anmutig, aber mit dem stolzen Blick einer Kriegerin.

          Hatte Amos Oz keine Vorbehalte, seine Lebensgeschichte einer Anfängerin zu überlassen?

          Amos ist ein extrem liebenswürdiger, gütiger und warmherziger Mensch. Ich fühlte mich nie als Bittstellerin oder wie jemand, über den ein Urteil gefällt wird. Trotzdem musste ich natürlich meine Leidenschaft beweisen. Was ihm wichtig war: dass ich Vereinfachungen vermeide. Das hatte ihm an anderen Kandidaten missfallen, die das Buch verfilmen wollten.

          Sieben Jahre haben Sie um die Verfilmung von „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“ gekämpft. Warum wollten Sie unbedingt Regie führen?

          Ich habe schon sehr lange über das Projekt nachgedacht. Ich hatte den Roman 2004 gelesen, kurz nachdem er auf Englisch erschienen war. Amos Oz’ Art zu schreiben war so lebhaft, dass ich den Film direkt vor Augen hatte. Ich habe in den folgenden Jahren immer wieder an einer Drehbuchversion geschrieben. Es gab mehrere Faktoren, die mich dazu brachten, das Projekt auch umzusetzen: Ich hatte als Schauspielerin einige Erfahrungen mit Regisseuren gemacht, die nicht so toll waren. Da dachte ich mir: „Okay, ich bin vielleicht nicht Darren Aronofsky oder Mike Nichols, doch das, was die anderen können, das kann ich auch!“ Die schlechten Erfahrungen haben meine Entscheidung, Regie zu führen, gestärkt.

          Gab es dann Momente, in denen Sie am liebsten hingeworfen hätten?

          (Lacht.) Regie zu führen ist in jedem Fall viel, viel, viel intensiver als nur in einem Film mitzuspielen – das weiß ich jetzt! Aber es war auch eine extrem inspirierende Erfahrung. Ich bin daran gewachsen, an jedem Schritt und jeder Schwierigkeit. Daher habe ich mich nie gefragt, warum ich mir das antue.

          Sie luden sich auch noch die Last der Hauptrolle auf, die der depressiven Mutter Fania. Warum?

          Die Rolle sollte ursprünglich eine israelische Schauspielerin spielen. Aber dann gab es Probleme mit der Finanzierung. Ich hörte mir Dinge an wie: „Sie haben doch nie Regie geführt!“ oder „Dieser Stoff ist zu unkommerziell!“ oder „Und dann soll auch noch eine Unbekannte die Mutter spielen – nein!“ Ich hatte mit 27 Jahren mit dem Projekt angefangen, plötzlich war ich 31 und kam langsam in das Alter, in dem es von der Reife her durchaus möglich war, Amos’ Mutter darzustellen. Also entschloss ich mich dazu, Fania zu spielen, und bin jetzt sehr glücklich drüber.

          Ist es seltsam, vor der Kamera zu stehen, ohne Regieanweisungen zu bekommen?

          Erst mal gab es immer noch andere Augen am Set, die des Produzenten, des Regieassistenten und des Kameramanns. Ich habe das getan, was Jerry Lewis wohl mal erfunden hat: mich immer wieder am Videomonitor zu überprüfen. So war das Spielen sogar ziemlich einfach, weil ich mir selbst nie erklären musste, was falsch war, ich sah es ja. Sonst muss man sich bei Schauspielern genau überlegen, was man in welche Worte packt. Bei Kritik fühlen sie sich sonst leicht brüskiert.

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