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Interview mit Daniel Craig : Im Geheimdienst Ihrer Majestät

  • Aktualisiert am

Der neue Bond ist blauäugig: Daniel Craig Bild: AP

Wie reagiert man, wenn man zum neuen 007 befördert wird? Daniel Craig hat sich erst einmal „irrsinnig betrunken“ - sechs Tage lang. Ein Interview mit dem neuen Bond-Darsteller über seine Rolle, üble Vorrede und die Queen.

          Wie reagiert man, wenn man zum neuen 007 befördert wird? Daniel Craig hat sich erst einmal „irrsinnig betrunken“ - sechs Tage lang. Ein Interview mit dem neuen Bond-Darsteller über seine Rolle, üble Vorrede und die Queen.

          Mr. Craig, erinnern Sie sich an den Augenblick, in dem Sie erfahren haben, daß Sie der neue Bond sein werden?

          Ja natürlich. Ich war in Baltimore, bei Dreharbeiten und kaufte gerade ein, als der Anruf kam. Fünf Tage zuvor war ich in London zu Probeaufnahmen gewesen, wo ich in Kostüm und an einem richtigen Set zwei Szenen vorspielen mußte, eine aus „Liebesgrüße aus Moskau“, eine aus dem neuen Film. Also, Barbara (Broccoli, die Produzentin) rief mich an und sagte: „It's gonna be you, kiddo.“ Ich setzte meine Einkaufstüten ab, kaufte eine Flasche Wodka, eine Flasche Vermouth und einen Cocktailshaker, und dann habe ich mich irrsinnig betrunken. Das tat ich dann für etwa sechs Tage. Ich durfte ja niemandem davon erzählen. Meine Familie konnte ich anrufen und ein paar enge Freunde, aber ich konnte natürlich nicht ausgehen und herumerzählen, daß ich jetzt James Bond bin. Ich wäre wahrscheinlich im Irrenhaus gelandet.

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          Erinnern Sie sich auch daran, warum Sie diese Rolle spielen wollten?

          Ich wollte die Rolle, weil das Drehbuch großartige Möglichkeiten bot. Bevor ich das Drehbuch bekam, gab es viele Gründe, die Rolle nicht zu nehmen, weil ich ja gut im Geschäft war, auch mit großen Regisseuren arbeitete, und jede Rolle spielen konnte, die ich wollte. Warum also sollte ich Bond werden? Dann bekam ich das Drehbuch, und es war einfach eine sehr gute Geschichte. Als Schauspieler sind gute Scripts wie eine Droge, man kann sie nicht liegenlassen.

          Sie haben sich also für diesen Film entschieden, nicht für die ganze Marke Bond.

          Ja, und so werde ich es auch weiter halten. Ich mache Filme immer noch aus denselben Gründen wie bisher. Die Bond-Rolle ist größer als alles, was ich bisher gemacht habe, aber sie verändert mich nicht.

          Bekommen Sie jetzt mehr oder bessere Angebote als früher?

          Grundsätzlich ist alles beim alten geblieben. Mehr Angebote, vielleicht. Aber immer noch sind unter hundert Drehbüchern nur zwei gute, wenn man Glück hat, das war vor Bond so, und das ist nach Bond genauso. Ich muß sie nur finden.

          Anders als die anderen Bonds waren Sie schon ein ausgewiesener Schauspieler, bevor Sie diese Rolle spielten. Wird der Bond-Trubel Ihre Karriere beeinflussen?

          Wissen Sie, dieses Problem zu haben, ist nicht so schlimm. Man wird zu James Bond gemacht, und all das, was jetzt geschieht, ist halt so - das ist wirklich kein großes Problem. Ich weiß nicht, was der nächste Schritt sein wird, ich würde gern noch einen Bond-Film machen. Aber es gelten immer noch dieselben Regeln wie vorher. Ich weiß noch nicht, was sich letztlich aus der Bond-Rolle ergeben wird.

          Das ist sicher besser, als in ein paar Jahren als Mann zu gelten, der beinahe Bond gewesen wäre.

          Da haben Sie's, natürlich. Ich wollte nicht irgendwann in einer Bar sitzen, mich betrinken und herumlallen: „Geben Sie mir einen aus, ich hätte Bond sein können.“

          Haben Sie sich die früheren Bond-Filme noch einmal angesehen?

          Ich kannte alle. „Dr. No“ und „Liebesgrüße aus Moskau“ sind zwei meiner Lieblingsfilme, Bond hin oder her. Sie haben sich gut gehalten bis heute, und der Einfluß, den sie aufs Filmemachen hatten, ist immens. Es gab Momente in den sechziger Jahren, in denen Filme plötzlich eine Vorreiterrolle hatten, und die Art, wie man schauspielerte, sich anzog oder bewegte, verändert haben. Diese beiden gehören genauso dazu wie „Bullitt“ und „Get Carter“, atemraubend schöne Filme, die gleichzeitig realistisch waren.

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