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Interview : „Mein Vater ist oft an mir verzweifelt“

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Will zum 65. Geburtstag nichts wissen vom Ruhestand: Verleger Hubert Burda Bild: AP

Hubert Burda über den Aufstieg zum größten Zeitschriften-Verleger, den Kauf der Milchstraße und Elefanten zum 65. Geburtstag.

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          Das Bundeskartellamt hat dem Münchner Medienkonzern Hubert Burda Media (“Focus“, „Bunte“, „Elle“) grünes Licht für die Übernahme der Hamburger Verlagsgruppe Milchstraße gegeben. Im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ kündigt Konzernchef Hubert Burda ein Sparprogramm bei der Mediengruppe an, zu der unter anderem die Zeitschriften „TV Spielfilm", „Amica“ und „Cinema“ gehören.

          „Die Strukturkosten sind in den Boomjahren 1999/2000 außer Kontrolle geraten. Darunter leidet die Milchstraße noch heute. Jetzt rechnen wir und führen Gespräche“, lautet die Bestandsaufnahme von Burda, der am 9.Februar 65 Jahre alt wird.

          Außerdem verrät Burda, der 1986 per Realteilung die alleinige Verantwortung für den elterlichen Verlag übernahm, und der es heute in der Gruppe mit 239 Titeln in 19 Ländern auf einen Umsatz von zwei Milliarden Euro bringt, was sein größter Erfolg war, und warum er nichts von einem Dasein als Renter mit 65 Jahren hält.


          Herr Burda, Sie haben den Umsatz Ihres Konzerns in 20 Jahren verzehnfacht. Sind Kunsthistoriker die besseren Manager?

          Manager nicht, aber Verleger.

          Sie sind Verleger.

          In diesem Beruf ist ein geisteswissenschaftlicher Background nicht schlecht.

          Warum?

          Weil man den kulturellen Kontext verstehen muß. Immer wenn sich ein neues Medium durchgesetzt hat, hat sich auch die Gesellschaft verändert. Nehmen Sie Gutenberg oder das Internet. Dann hilft es, wenn man zum Beispiel weiß, wie die französische Enzyklopädie, mit ihren Vorläufern der Infographiken, entstanden ist - eines der Vorbilder für "Focus".

          War "Focus" Ihr größter Erfolg?

          Natürlich. Das war mein Lebenstraum seit den sechziger Jahren. Ich dachte immer, es müsse einen Weg geben, dem "Spiegel" Paroli zu bieten. Die Chance bot sich Anfang der neunziger Jahre mit der digitalen Revolution. Das Gute war, daß Helmut Markwort genauso dachte. Ein Verleger kann noch so gute Ideen haben, der Chefredakteur macht das Match. Der steht auf dem Centre Court. Daß Markwort und ich zusammenkamen, das war's.

          Deswegen haben Sie Markwort auch mit der Führung Ihrer Neuerwerbung Milchstraße betreut?

          Die Milchstraße ist ein von einem journalistischen Verleger geführtes Haus. Das tut sich leichter mit jemandem wie Markwort.

          Das Kartellamt hat die Übernahme genehmigt. Was sind jetzt die nächsten Schritte?

          Wir rechnen und führen Gespräche.

          Mit welchem Ergebnis?

          Das Problem bei der Milchstraße sind die Strukturkosten. Sie sind in den Boomjahren 1999/2000 außer Kontrolle geraten. Darunter leidet die Milchstraße noch heute.

          Sie sagten mal, in der Redaktion ist Verschwendung erlaubt. Gelten dort keine ökonomischen Gesetze?

          Kreative Prozesse sind immer Verschwendung - im positiven Sinn. Da hat einer eine gute Geschichte, die man nicht bringt, weil ein anderer eine bessere hat.

          Wie stark hat Sie Ihr Elternhaus beeinflußt?

          Natürlich prägt es, wenn beide Eltern Verleger sind. Meine Mutter war in den fünfziger Jahren viel erfolgreicher als mein Vater. Der hat seine Gewinne sofort wieder investiert. Kürzlich habe ich einen Brief aus dem Jahr 1954 gefunden. Da sucht er Geldgeber für eine Papierfabrik, die er bauen will - für 10 Millionen. Hey, 10 Millionen! Da kann er kaum die Papierrechnung von 46000 Mark bezahlen und denkt an eine Fabrik. Meine Mutter hielt ihn immer für einen Phantasten. Die Vision meines Vaters war: Ich will, daß diese farbige Welt von mir so schön wie möglich gedruckt wird, und deswegen nannte er die Zeitschrift "Bunte".

          Ihre Mutter Aenne war derweil mit "Burda Moden" für das Bodenständige zuständig.

          Meine Mutter sagte damals: Ich will, daß die deutsche Arbeiterin schön aussieht. "Burda Moden" ist ja fast ein Katalog, etwas ganz Handfestes. Das hat mit Presse nur bedingt zu tun.

          Wann wurden Sie auf das Geschäft vorbereitet?

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