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Interview : Angelina, die Größere

  • Aktualisiert am

Sie sieht wirklich so aus: Angelina Jolie Bild: dpa/dpaweb

„Ich bin nicht so gut darin, ein Opfer zu spielen“: Hollywoodstar Angelina Jolie über ihr Image als böses Mädchen, ihre Filmrolle als Mutter von Alexander dem Großen und die Erziehung ihres Adoptivsohns.

          7 Min.

          Weil einen jeder fragt, wenn man Angelina Jolie interviewt hat, wie sie denn aussieht in echt, was natürlich eine seltsame Frage ist, weil ja jeder weiß, wie Angelina Jolie aussieht, sie arbeitet ja nicht beim Radio, aber gut, also: Angelina Jolie sieht wirklich so aus!

          Sie ist sehr zierlich, hat diesen unwahrscheinlichen Luftkissenmund und riesige, weit auseinanderstehende grüne Augen. Sie sieht überhaupt nicht aus wie andere Menschen oder Frauen. Sie sieht aus wie ein wunderschöner exotischer Zierfisch. Im Gespräch ist sie konzentriert, schnell und genau. Sie hat eine Tätowierung auf dem Unterarm, und ihre Haare sind über der Stirn mit Haarspray hochtoupiert, was sie älter macht, als sie ist. Angelina Jolie ist 29 Jahre alt. Sie hat einen dreijährigen Adoptivsohn aus Kambodscha, ist Unicef-Botschafterin und eine der begehrtesten Schauspielerinnen Hollywoods, seit 2000 sogar oscargekrönt.

          F.A.S.: In Oliver Stones „Alexander“ spielen Sie Alexanders Mutter. Im Film haben die beiden eine ungewöhnlich enge Beziehung. Ist das historisch belegt?

          Jolie: Wir wissen, daß sie großen Einfluß auf ihn hatte. Ich glaube, sie hat ihren Sohn sehr geliebt.

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          Im Film ist die Beziehung geradezu symbiotisch dargestellt.

          Ich glaube, das interpretieren alle nur hinein.

          Sie will, daß ihr Sohn König wird, damit sie glücklich ist.

          Ich bin eine Mutter, und ich wehre mich gegen die Meinung, da könnte irgend etwas Ungesundes in der Beziehung der beiden zueinander gewesen sein.

          Sagt sie nicht so etwas im Film?

          Er soll König werden, um sie glücklich zu machen? Nein, sie will, daß er überlebt. Wissen Sie, anscheinend wollen die meisten Leute in ihr etwas Böses sehen. Sie ist eine sehr dunkle, starke Frau, aber sie hat im vierten Jahrhundert vor Christus gelebt, als Frauen keine Rechte hatten. Sie wurde aus ihrer Heimat herausgerissen und zur Königin gemacht. Sie wurde von ihrem Mann vergewaltigt, wann immer er sich danach fühlte. Und hätte ihr Sohn nicht den Thron bestiegen, wären sie wahrscheinlich beide getötet worden. Oder ins Exil geschickt. Hätte sie zu Alexander gesagt, wenn du einfach nur ein Dichter sein willst, dann ist das okay, wäre er getötet worden. Dann würden wir heute nicht über ihn sprechen.

          Wahrscheinlich spricht Sie jeder darauf an: Colin Farrell, der Ihren Sohn spielt, ist nur ein Jahr jünger als Sie. Ich fand, im Film war eine sexuelle Spannung zwischen Ihren beiden Figuren zu spüren - war das beabsichtigt?

          Nein. Das ist Ihre Interpretation.

          Vielleicht ist es einfach ungewohnt, zwei gleichalte Menschen zu sehen, die Mutter und Sohn sein sollen.

          Ich weiß wirklich nicht ... Die Leute sollen es interpretieren, wie sie wollen. Ich glaube, sie hat ihn zutiefst geliebt. Er war ihr Leben. Aber da war nichts Ungesundes.

          Glauben Sie, Sie hätten die Rolle anders gespielt, wenn Sie kein Kind hätten?

          Absolut. Tatsächlich hätte ich sie wohl gar nicht gespielt, ich hätte die Rolle nicht angenommen. Ich hätte nicht gewußt, was dieses extreme Gefühl ist - daß du wirklich für dein Kind sterben würdest. Wahrscheinlich verteidige ich sie auch deshalb so. Sie war eine Kämpferin in einer Zeit, in der eine Frau keine Macht hatte, und sie hat für ihren Sohn gekämpft. Wenn ich mir meinen Sohn an seiner Stelle vorstelle, dann kann ich sie sehr gut verstehen. Und die Vorstellung, daß der Sohn vor einem stirbt - wie schmerzvoll das sein muß, wie traurig.

          Ich habe gelesen, daß Sie sich früher, bevor Sie Ihren Sohn Maddox adoptierten, nur vorstellen mußten, an Ihrer ausgestreckten Hand ginge ein kleines Kind, schon mußten Sie weinen.

          Ja, ich war mir absolut sicher, daß ich nie ein Kind haben würde. Diese Vorstellung hat eine große Traurigkeit in mein Leben gebracht.

          Sie haben das immer als Trick angewandt, wenn Sie in einer Rolle weinen mußten.

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