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Komikerin Amy Schumer : „Meine Serie ist einigermaßen herzlos“

  • -Aktualisiert am

Amy Schumer ist in ihrer Vulgarität und scheinbaren Harmlosigkeit so etwas wie ein feministischer Tarnkappenbomber. Zum Filmstart von „Dating Queen“ spricht die amerikanische Komikerin über Oberflächlichkeiten und ihr schmutziges Image.

          Frau Schumer, in Ihrer Sketch-Serie „Inside Amy Schumer“ nehmen Sie den alltäglichen Chauvinismus aufs Korn. Sind Sie eine Komikerin auf feministischer Mission?

          Ich bin Feministin, keine Frage, ich bin für die Gleichberechtigung aller Menschen. Und ich sehe es als echte Chance, dass man mich in die vorderste Reihe geschubst hat. Ich werde den Ball fangen und damit losrennen.

          Sie haben mit Ihrer Comedy großen Erfolg. Was macht Sie so komisch?

          Danke für das Kompliment! Aber wenn ich beschreiben müsste, warum ich witzig bin, müsste ich mich übergeben. Das ist ja total peinlich.

          Warum reißen Sie Witze über Ihr eigenes Aussehen und peinlichen Sex?

          Ich sage oft einfach die Wahrheit - oder das Witzigste, was mir gerade durch den Kopf schießt. Mich bringt alles Mögliche zum Lachen, und ich finde es toll, damit andere zum Lachen zu bringen.

          Verstehen Sie Ihre Komik als politisch?

          Ich bin schon auf dem Laufenden, was in der politischen Landschaft so passiert. Aber die Comedy steht an erster Stelle. Mir war zum Beispiel bis vor kurzem nicht bewusst, dass Frauen in der Computerspielszene üblen Anfeindungen ausgesetzt sind. Wir wollten einen Sketch darüber machen, das Ganze wurde nicht witzig. Und wenn es nicht witzig wird, lassen wir es eben. Ich dränge mich nicht danach, in Debatten einzusteigen. Aber wenn mich etwas aufregt, finde ich einen Weg, etwas daraus zu machen.

          Wie weit ist der Weg in Amerika noch bis zur völligen Gleichberechtigung von Mann und Frau?

          Länger, als uns lieb ist. Irre, dass es immer noch ein Thema ist, aber so ist es.

          Stört es Sie, dass man Sie als komische Frau, nicht als Komikerin wahrnimmt?

          Ja, schon. Ich verstehe es, weil das Feld von Männern dominiert wird. Wenn ich eine Frau in einem von Männern dominierten Bereich sehe, bin ich erst einmal neugierig, was sie anders macht. Aber immer das Attribut „weiblich“ hinzuzufügen, finde ich seltsam. Man sieht ja hoffentlich, dass ich eine Frau bin.

          Mit Ihrem Film „Trainwreck“ wechseln Sie vom Fernsehen ins Kino. Wissen Sie, welchen Titel er in Deutschland trägt? „Dating Queen“.

          Ja, und wie ich höre, wird der französische Titel des Films „Crazy Amy“ sein. Das wird sicher lustig - ganz zu schweigen davon, wenn sie meine Stimme synchronisieren. Hoffentlich nehmen sie eine Frau.

          Sie offenbaren viel Persönliches. In „Trainwreck“ erkrankt der Vater Ihrer Figur an multipler Sklerose und stirbt, wie es auch Ihrem eigenen Vater widerfuhr. Wo ziehen Sie Grenzen?

          Natürlich ziehe ich Grenzen. Zu multipler Sklerose gehört für mich viel Schmerzliches, das man nicht in diesem Film sieht, weil es zu persönlich ist. Natürlich gibt es Bereiche, die ich umschiffe. Ich gebe den Leuten, über die ich schreibe, immer meine Sachen zum Gegenlesen. Ich passe auf, dass meine Beziehungen zu ehemaligen Liebhabern und meiner Familie keinen Knacks bekommen.

          Ihr offener Umgang mit Sexualität brachte Ihnen den Ruf des „Dirty Girl“ ein. Wurmt Sie das?

          Wissen Sie, ich spreche weniger über Sex als die meisten männlichen Komiker. Niemand käme auf die Idee, Louis C. K. diesen Stempel aufzudrücken. Aber ich muss zugeben, dass ich meine Fernsehshow gezielt so vermarkte, sie heißt immerhin „Inside Amy Schumer“, und mein erstes Special hieß „Mostly Sex Stuff“. Es wäre also unsinnig, zu rufen: Wie kommt ihr denn da drauf? Dennoch - die Tatsache, dass sich eine Frau mit Sex auseinandersetzt, reicht offenbar, um zu sagen: Oha, die ist ja dreckig.

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