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Im Kino: „Good Food Bad Food“ : Zurück an Großmutters Herd

  • -Aktualisiert am

Reichlich plakativ: Wo Kinder Bio-Obst verkaufen, ist das Gute stets ganz nah Bild: Alamode Film

Sektiererische Prophezeiungen eines nahenden Weltunterganges: In Coline Serreaus Biofilm „Good Food Bad Food“ geht es aggressiv, einseitig und zuweilen sogar männerfeindlich zu. Damit macht es sich die Regisseurin schlicht zu leicht.

          „Good Food Bad Food“ von Coline Serreau ist - laut Untertitel - eine „Anleitung für eine bessere Landwirtschaft“. Den Besucher erwarten viele Interviews mit international bekannten Ökoaktivisten vom Franzosen Pierre Rabhi (unter anderem Chef des Vereins „Terre et Humanisme“) über die Inderin Vandana Shiva (Trägerin des alternativen Nobelpreises 1993) bis zu Dominique Guillet vom Verein „Kokopelli“, der sich für die Konservierung einer möglichst großen Artenvielfalt beim Saatgut einsetzt. Dazu kommen Beispiele von Projekten einer ökologischen Landwirtschaft mit Schwerpunkten in Indien und Brasilien mit teilweise lehrbuchartig demonstrierten Gegensätzen zwischen industriellem und ökologischem Anbau.

          Das mag zunächst harmlos klingen, ist es aber nicht. Den Film durchzieht eine erstaunliche Aggressivität. Es beginnt - nach einer verschmusten Einleitung mit Großaufnahmen von Tieren zu klassischer Musik - mit fünfzehn Minuten Interviews zum Zusammenhang zwischen Krieg und Pestiziden. „Die Technik der Landwirtschaft ist aus dem Krieg hervorgegangen“, heißt es da zügig. Die Überschüsse beim Kampfgas habe man als Pestizide vermarktet, und die Panzer seien quasi durch Traktoren ersetzt worden. Industrie und Politik werden als Manipulatoren der Ausbeutung der Welt dargestellt, und ihr Handeln sei eine Art Terrorismus. Die „Grüne Revolution“ der Nachkriegsphase mit ihrer Industrialisierung der Landwirtschaft, Kunstdünger und Pestiziden habe schließlich zu einem „Völkermord an Kleinbauern und Frauen“ geführt, und mittlerweile seien „Land und Tiere krank“, und so könne „man nicht die Menschheit ernähren“.

          Die ersten Bilder von Alternativen kommen aus einem gemütlichen Bioladen, in dem - ganz auffällig - ein Kind im Mittelpunkt steht, das die Kunden bedient. Der Besucher des Films wird sich an einige solcher - sagen wir: recht plakativen - filmischen Mittel gewöhnen müssen, in denen nur das Gute die guten Bilder und die friedliche Musik hat. Die Alternativen werden in erster Linie an Details der landwirtschaftlichen Arbeit entwickelt, wie zum Beispiel in einer längeren Passage über gute und schlechte Böden („Wir ernähren nur die Pflanzen, nicht den Boden“), über die Verdichtung von Böden und das Auslöschen der Bakterien und Kleinlebewesen im Kontrast zu einem „lebendigen“ Boden mit natürlicher Düngung und einer Vielzahl von biologisch aktiven Lebewesen. Bei der Darstellung dieser Modellprojekte zeigt sich eine der Schwächen dieses Films.

          Bauernhöfe statt Banlieue

          Die „Anleitungen für eine bessere Landwirtschaft“ haben quasi ausschließlich das Format des indischen Kleinbauern, der auf einem erstaunlich kleinen Stück Land geradezu sagenhafte Erträge erzielt. Wie dem auch sei: Landwirtschaft spielt sich nicht nur auf dem Bauernhof ab, sondern vollendet sich erst in einem komplexen System, das auch dafür sorgen kann, dass in Ballungsräumen von Millionen von Menschen gutes Essen realisiert werden kann.

          Wie das aussehen soll, sagt der Film nicht. Eigenversorgung oder die Umstellung der Landwirtschaft und Ernährung in einem kleinen Dorf, das dann vielleicht von einem Gürtel von Kleinsterzeugern umringt wird, ist ja ohne weiteres vorstellbar. Aber wie sähe die Versorgung zum Beispiel von Paris aus, von dem jemand felsenfest behauptet, es gebe dort bald Versorgungsprobleme? Statt Banlieue Bauernhöfe und gleichzeitig die Lösung der sozialen Probleme dadurch, dass man die landgeflüchtete Bevölkerung wieder dort beschäftigt, wo sie hergekommen ist? Man muss hier den Eindruck gewinnen, dass die Ökologie-Experten sehr großformatiges Denken, aber eine kleinformatige Praxis lieben.

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