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Im Gespräch: Vincent Cassel : Die Lektionen des großen Fressens

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Für seine Rolle als Jacques Mesrine in „Public Enemy No. 1“ hat er den César gewonnen. Hier erzählt Vincent Cassel, warum er nie werden will wie Gérard Depardieu und wie man in vier Monaten zwanzig Kilo zunimmt.

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          Für seine Rolle als Jacques Mesrine in „Public Enemy No. 1“ (siehe auch: Video-Filmkritik: „Public Enemy No. 1 - Mordinstinkt“)hat er den César gewonnen (siehe auch: Französische Filmpreise: Wofür brauchen denn Sie eine Smokinghose?). Hier erzählt Vincent Cassel, warum er nie werden will wie Gérard Depardieu und wie man in vier Monaten zwanzig Kilo zunimmt.

          Vor fünf Jahren haben Sie mal gesagt, Sie würden Gérard Depardieu sehr bewundern, würden aber hoffen, nie so abgezockt zu werden wie er . . .

          Das würde ich immer noch so sehen.

          Ein César als bester männlicher Darsteller: Ende Februar erhält Vincent Cassel den französischen Filmpreis
          Ein César als bester männlicher Darsteller: Ende Februar erhält Vincent Cassel den französischen Filmpreis : Bild: REUTERS

          Wie war denn dann die Zusammenarbeit bei „Public Enemy No. 1“?

          Ich hoffe mal, er war mit Interesse bei der Sache. Denn wenn er mit ganzem Herzen dabei ist, dann ist er immer noch ein unglaublicher Schauspieler. Er ist vielleicht der beste Schauspieler, den wir haben. Er hat ein so komplexes Charisma, das ihn von allen anderen unterscheidet. Und das bewundere ich, aber gleichzeitig muss ich sagen, dass er eine ganze Menge geistlosen Schrott macht. Ich habe mit ihm darüber geredet, und er sagte, er muss arbeiten, weil es sonst in seinem Leben nichts gibt, das ihn glücklich macht. Er kann nicht einmal Urlaub machen, selbst das hasst er. Ich hoffe, dass wir mal wieder zusammen arbeiten werden, denn seltsamerweise fühle ich eine starke Verbindung zu ihm, mehr als zu jedem anderen. Ich respektiere ihn und bin gleichzeitig bereit, es mit ihm aufzunehmen.

          In gewisser Weise war er in jungen Jahren Ihnen nicht unähnlich, dieselbe Energie, dieselbe Wut...

          Er war der Schauspieler seiner Generation, er sprach zu seiner Zeit zu den Leuten seines Alters. Und das war bei mir genauso, „La haine“ war auch ein Film, der Leute meines Alters angesprochen hat.

          Aber vom Zusammenspiel allein konnten Sie nicht beurteilen, ob er diesmal mit dem Herzen dabei war?

          Oh doch, denn wenn er das nicht ist, dann ist er unpünktlich, kann seinen Text nicht und macht alles falsch. Aber bei uns war er pünktlich, gut vorbereitet, sehr zurückhaltend, jederzeit hilfsbereit. Und ich weiß, dass er ein Albtraum sein kann, wenn ihm danach ist.

          Was hat Jean-François Richet als Regisseur, das Sie überzeugt hat, mit ihm dieses Riesenprojekt zu stemmen?

          Wir wollten zuerst mit Barbet Schroeder drehen, aber was er und sein Autor geschrieben hatten, war meiner Meinung nach sehr schwach. Weil es dort um Mesrine, den Superhelden, ging, während die Polizisten die Bösen sein sollten. So funktioniert es aber nicht, und außerdem ist es gefährlich, ihn zum Helden zu stilisieren, denn das war er nicht, auch wenn er die Leute das gerne glauben machte. Wie auch immer, ich habe gesagt, ich kann nicht neun Monate damit zubringen, irgendwo den Schmutz an einer Figur zu finden, die ihr zu perfekt geschrieben habt. Also habe ich gesagt: Macht es ohne mich. Ich bin also ausgestiegen, aber das war natürlich Bluff - heute kann ich das ja sagen -, denn mir war klar, dass es schwierig sein würde, einen anderen Schauspieler zu finden. Es gibt vielleicht zwei andere, die das hätten machen können, was die Körperlichkeit und was ihre Zugkraft an der Kasse angeht. Aber mit denen hat das nicht geklappt, und so stieg Barbet aus - und ich kam zurück. Und als wir über einen Regisseur nachdachten, kam gerade das Remake von "Assault on Precinct 3" ins Kino, und so kam der Name Jean-François Richet ins Spiel. Zum einen war er durch die Erfahrung in Amerika stärker geworden, zum anderen kannte er als Kind der Vorstädte Mesrine, war als Kind immer wieder auf den Namen gestoßen. Wir trafen uns und waren uns völlig einig, dass wir keinen Helden aus ihm machen wollten, sondern eine Charakterstudie, in der er Pfiff und Ausstrahlung haben sollte, aber trotzdem nicht verschwiegen werden sollte, dass er auch ein Rassist und Sadist war und Frauen geschlagen hat.

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