https://www.faz.net/-gqz-138mt

Im Gespräch: Marco Bechis : Spiel ihnen das Lied vom Tod

  • Aktualisiert am

Mit seinem Doku-Drama „Birdwatchers“ über das Schicksal südamerikascher Indios drehte Marco Bechis einen der wichtigsten politischen Filme des Jahres. Peter Körte sprach mit dem Regisseur über Werner Herzog, westliche Projektionen und die Vorzüge naiver Schauspielkunst.

          Mit „Birdwatchers“, seinem Doku-Drama über das Schicksal südamerikascher Indios, drehte Marco Bechis einen der wichtigsten politischen Filme des Jahres (siehe auch „Birdwatchers“ im Kino: Die Indianer sind noch fern). Peter Körte sprach mit dem Regisseur über Werner Herzog, westliche Projektionen und die Vorzüge naiver Schauspielkunst.

          Die Ironie, die im Titel „Birdwatchers“ liegt, ist nicht zu übersehen – wie sind Sie zu dem Titel gekommen?

          Der Film ist Ergebnis eines langen Prozesses, der 2002 begann, als ich durch Lateinamerika reiste, weil ich einen Film über die Probleme der Indios drehen wollte, genauer gesagt: über den Genozid an ihnen. In Ecuador besuchte ich eine Lodge im Urwald, in der wohlhabende Touristen Vögel und andere Tiere beobachten können. Es gab dort auch Indios, für die sich die Touristen weit weniger interessierten als für die Tiere. Später stieß ich dann in einem anthropologischen Buch auf die Geschichte einer Frau im Amazonasgebiet, die als Kind von Indios entführt wurde und dann fast dreißig Jahre unter ihnen lebte. Als sie den Urwald verließ und nach Manaus zurückkehrte, erkannten ihre Verwandten sie nicht wieder. Diese Geschichte wollte ich verfilmen, merkte aber bald, dass ich nur einen Hollywood-Film im Tarzan-Stil hinkriegen würde, weil ich unsere, die Projektionen der Weißen verfilmen würde. In Mato Grosso dann lernte ich Ambrosio kennen, der im Film den Nadio spielt, und die Gruppe von Guarani-Kaiowá. Da stellte sich ein anderes Problem: Was passiert mit den Indios, wenn der Wald als ihr Lebensumfeld nicht mehr da ist? Auf einmal sah ich einen besseren Filmstoff. Von meiner alten Idee ist nur der Anfang geblieben, die Touristen, die sich scheinbar naturbelassene Indios anschauen. In gewisser Weise war ich auch ein „Birdwatcher“, weil ich mir Indios vorgestellt hatte, die nur in meiner Phantasie existieren.

          Ist es nicht für einen weißen Regisseur unausweichlich, dass er projiziert?

          Alle, zum Teil sehr gute Filme über Indianer wie die von Werner Herzog oder Terrence Malicks „The New World“ setzen die indigenen Völker in den Hintergrund; im Zentrum steht ein weißer Schauspieler. Das wollte ich nicht, ich wollte etwas anderes probieren: Indios, die als Schauspieler agieren. Die Arbeit bestand also darin, die Indios nicht dokumentarisch zu zeigen, wobei ich ihnen wie ein Anthropologe zuschaue. Da hätte es keinen Austausch der Perspektiven gegeben, und ich wollte, dass die Perspektiven sich vermischen.

          Und wie haben Sie die Guarani zu Schauspielern ausgebildet?

          Ich begriff, dass sie ein schauspielerisches Potential haben, als ich eine Szene erlebte, in der eine Guarani-Frau sich mit einem Beamten auseinandersetzte. Sie sprach laut und heftig, sie hatte die Strategie, den Mann verbal hart anzugehen, dann wandte sie sich ab und ging zu den Männern, die die eigentlichen Verhandlungen mit der Behörde führen sollten. Es war ein klarer rhetorischer Schachzug. Ich sagte mir: Sie wissen genau, was Theaterspielen heißt. Wir haben dann vier, fünf Monate gearbeitet, aber das waren keine Proben. Sie improvisierten und begannen zu verstehen, was ein Film ist. Ich habe ihnen Ausschnitte aus Hitchcocks „Vögeln“ gezeigt und aus „Spiel mir das Lied vom Tod“, vor allem Szenen ohne Dialoge, weil ich wollte, dass sie die stumme, gewaltige Wirkung der Nahaufnahme eines Gesichts erleben.

          Weitere Themen

          Transformers wird gerettet Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Bumblebee“ : Transformers wird gerettet

          Wer bisher kein Fan von den Transformers-Filmen war, sollte sich „Bumblebee“ trotzdem nicht entgehen lassen. Wie Charlie Watson gespielt von Heilee Steinfeld zusammen mit dem gelben Käfer die Reihe rettet, erklärt Dietmar Dath.

          „Bumblebee“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Bumblebee“

          Am 20. Dezember kommt der Prequel des 2007 Transformers „Bumblebee“ in die deutschen Kinos. Im Mittelpunkt steht der gleichnamige Transformers-Charakter.

          Topmeldungen

          Hessen : CDU und Grüne einigen sich auf Koalitionsvertrag

          Bis in die frühen Morgenstunden haben sie verhandelt. Nach Elf Stunden endlich die Einigung: Die Grünen erhalten mehr Ressorts. Die schwarz-grüne Koalition in Hessen wird fortgesetzt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.