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Im Gespräch: Julie Delpy : Ich weiß nicht mal, was niedlich ist

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Ihr erster Regisseur war Jean-Luc Godard. Kein schlechter Einstieg.

Ja, da hatte ich Glück. Eigentlich wollte ich nur einen Assistentenjob. Ich war vierzehn und wollte Regisseurin werden, ich wollte einfach mal bei einem seiner Filme mitarbeiten. Ich habe dann mein Foto in der Casting-Abteilung eingereicht, um ihn zu treffen, und als ich ihm dann gegenüberstand, sagte ich ihm, dass ich gar keine Rolle wollte, sondern einfach nur am Set arbeiten, Kaffee machen oder irgendwas. Und er sagte, nein, du spielst mit. Und ich dachte, super, dann kriege ich ja sogar Geld dafür, dabei zu sein. So wurde ich aus Versehen Schauspielerin.

Sie haben drei Mal mit Godard gearbeitet. Haben Sie sich von ihm etwas abgeguckt?

Das kann man nicht, er ist ein Genie, er hat einen ganz eigenen Zugang zum Kino. Aber ich habe ihn sehr genau beobachtet. Er kann wirklich unausstehlich sein und es Leuten sehr schwer machen, aber mit mir war er immer ganz reizend. Lustigerweise habe ich nie Probleme mit Leuten, die den Ruf haben, schwierig zu sein.

Sie haben als junge Schauspielerin in einem Interview erzählt, dass ein Regisseur Sie als Teenager auf die Besetzungscouch zwingen wollte. Ihrer Karriere in Frankreich habe das sehr geschadet.

Ja, das war einer der Gründe, warum ich Frankreich verlassen habe. Es hat mir sehr geschadet, dass ich darüber geredet habe. Langsam ändert sich das, in Frankreich wurde ein Regisseur von Schauspielerinnen wegen sexueller Belästigung verklagt. Aber damals, in den Achtzigern, war es unmöglich, offen über solche Sachen zu reden. Damals konnte man zwölfjährige Schauspielerinnen sehen, die mit fünfzigjährigen Regisseuren zusammen waren. Wenn sie dann vierzehn waren, wurde die Beziehung offiziell. Ich möchte das moralisch nicht verurteilen, aber ich wollte nicht Teil davon sein.

Sie sind dann mit Anfang zwanzig nach Amerika gegangen.

Ja, und ich kann nicht sagen, dass es in Hollywood so viel besser ist. Ich meine, die haben Harvey Weinstein. Der natürlich ein ganz toller Produzent ist, aber . . . Wirklich, jeder soll machen, was er machen will, aber ich möchte so nicht sein. Ich habe eine sehr sensible Natur, und ich betrachte meinen Körper als etwas, für das ich Respekt haben möchte. Ich möchte ihn nicht benutzen. Er ist kein Marketing-Instrument. Und ich bin schüchtern. Ich stehe zwar vor der Kamera, aber in Wahrheit bin ich dafür nicht geschaffen. Ich mache es, weil mir manche Aspekte am Schauspielen Spaß machen, aber es liegt nicht in meiner Natur.

Heute leben Sie abwechselnd in Amerika und Frankreich, haben das ganze letzte Jahr in Paris verbracht. Merken Sie, dass sich Frankreich unter Sarkozy verändert?

Es ist das totale Chaos. Ich warte eigentlich täglich auf eine neue Revolution. Das Problem mit Sarkozy ist, dass er kein Bewusstsein dafür hat, was auf der Straße los ist. Er lebt sein Highlife mit seiner Modelgattin, er ist reich, sie ist reich, und alle anderen werden immer ärmer. Gehen Sie mal durch Paris, da werden Sie alle paar Minuten nach Geld gefragt, Sie müssen nur einmal spazieren gehen, und Sie wissen, es gibt ein Problem. Und wenn man jemandem kein Geld gibt, ist es nicht mehr wie früher - die werden sofort aggressiv. Sie hassen einen. Sie würden töten für zwei Euro. Paris ist gefährlich geworden, es ist nicht mehr so wie früher.

Was dachten Sie, als Sie hörten, er sei mit Carla Bruni zusammen?

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