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Im Gespräch: Isabelle Huppert : Lieben Sie die Abwechslung, Madame Huppert?

  • -Aktualisiert am
„Ich interessiere mich mehr für den Regisseur, als für die Story eines Films oder eine bestimmte Figur“

Sie haben Ihre Karriere mit einem Film von Otto Preminger begonnen, einem der letzten Titanen des klassischen Hollywood, und jetzt drehen Sie mit einem philippinischen Autorenfilmer. Wie suchen Sie sich die Regisseure aus? Geht es Ihnen dabei um Abwechslung?

Um Neugier. Ich interessiere mich mehr für den Regisseur, als für die Story eines Films oder eine bestimmte Figur. Aber manchmal werden die Figuren selbst immer dominanter. Zum Beispiel in Michael Hanekes „Klavierspielerin“. Da kam die Figur mit ihrem Machtstreben der Autorität des Regisseurs in den Weg.

Ist Unschuld wichtig, um eine gute Schauspielerin zu sein? Braucht man einen Moment vollkommener Unvoreingenommenheit?

Ja schon, denn viele Figuren, die ich gespielt habe - wie eben die Klavierspielerin -, sind auf gewisse Weise harsch. Sie können zunächst einmal unsympathisch wirken, auch auf mich selbst. Da muss ich suchen, Freiräume finden und tatsächlich so etwas wie Unschuld im Umgang mit ihnen - um ihr Benehmen akzeptabel zu machen. Für den Zuschauer, aber zunächst einmal für mich selbst.

Sie selbst haben ja auch das Image einer Schwierigen. Auf viele Menschen, die Sie nur von der Leinwand her kennen, wirken Sie kühl und distanziert - ich finde zwar, dass es schon in manchen Rollen anders ist, erst recht, wenn Sie jetzt hier vor einem sitzen, aber das Klischee über Sie scheint kaum veränderbar.

Da kann man nichts machen. Die Leute setzen einen Schauspieler notwendig mit seinen Rollen gleich. Obwohl ich ja auch anderes gespielt habe, sind die Rollen, mit denen ich bekannt geworden bin - „Die Klavierspielerin“, „Eine Frauensache“, andere Chabrol-Filme -, jene, in denen ich solche kühlen, unnahbaren, manchmal unsympathischen Frauen spiele. Hätte ich eine ähnlich enge Beziehung zum Publikum über andere Rollen, die freundlicher, netter und wärmer angelegt sind, dann wäre vielleicht das Verhältnis auch wärmer. Aber ich habe so eine Rolle nie gefunden.

In ihren Rollen scheinen Sie sich oft stärker preiszugeben als andere Kolleginnen. Sie machen sich sichtbarer. Und besonders sichtbar zu sein bedeutet, distanziert zu sein.

Ich weiß es nicht. Aber es spielt natürlich auch eine Rolle, dass die Geschichten meiner Filme sich oft um sehr starke Themen und harte Fragen drehen. Es gab mal eine Epoche, aber das war vor meiner Zeit, da erzählten auch künstlerisch große Filme von positiveren Dingen, predigten positive Werte. Das war die Ära des klassischen Hollywood, ein goldenes Zeitalter. Heute ist das Kino weniger dazu da, nette Sachen über nette Leute zu erzählen - das tun nur noch schlechte Filme, und darin sind die Leute dann am Ende auch gar nicht so nett. Ich bin eine Schauspielerin meiner Epoche. Heute werden keine Komödien à la Lubitsch oder Wilder mehr gemacht, der Humor dessen, was produziert wird, weil die Masse es angeblich so will, ist ziemlich primitiv. Kluge Regisseure machen lieber andere Filme. Das Kino ist heute das Medium, das uns dazu bringt, über die Dummheit der Welt nachzudenken - und das ist genauso aufregend.

Was haben Sie noch von Ihren Erfahrungen mit Otto Preminger beim Dreh für „Operation: Rosebud“ in Erinnerung? Der war ja einer der letzten Überlebenden jenes goldenen Zeitalters, von dem Sie sprechen.

Preminger war ein Denkmal. Er war... Er hat immer alle angeschrien. Jeden Tag.

Er war also genau so wie das Klischee, das über ihn existiert?

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