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Im Gespräch: Christoph Waltz : Steht Ihnen die Schauspielerei im Weg?

  • Aktualisiert am

Lange suchte Quentin Tarantino nach einem geeigneten Darsteller für den SS-Offizier in seinem Film „Inglourious Basterds“. Dann fand er Christoph Waltz. Ein Gespräch über Tarantinos Musikalität, die Sprache als Waffe und die Sorge vor der nächsten Rolle.

          6 Min.

          Berlin, am Tag der Premiere von Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“: Nach dem Film wird Christoph Waltz aus schierer Freude etwas Undruckbares sagen. Im Gespräch ist er höflich zum Niederknien. Und antwortet druckreif.

          Quentin Tarantino hat in Cannes und danach immer wieder erzählt, dass er kurz davor war, die Pläne für seinen Film „Inglourious Basterds“ fallenzulassen, weil er keinen passenden Darsteller für den SS-Offizier Hans Landa finden konnte. Dann kamen Sie. Warum haben Sie sich so lange Zeit gelassen? Hat Ihr Agent geschlafen? Hatten Sie andere Pläne?

          Christoph Waltz: Beides nein. Ich wollte nur sichergehen, wofür ich da eigentlich vorspreche. Denn oft werden Castings einberufen, nur um mal zu testen, ob dann die Förderungen fließen. Außerdem war ich mir auch nicht sicher, für welche Rolle ich am Ende vorgesehen war. Dass es tatsächlich Landa war, konnte ich mir gar nicht vorstellen.

          Sie wollten also erst mal wissen, worauf Sie sich da einlassen?

          Unbedingt.

          Sehr selbstbewusst.

          Finden Sie?

          Ja, finde ich schon, vor allem angesichts der allgemeinen Aufregung bei allen darüber, in einem Tarantino-Film dabei zu sein.

          Also, Quentin Tarantino ist wirklich wunderbar, und natürlich ist es großartig, mit ihm zu arbeiten. Er ist gebildet, höflich, leise, das glaubt man ja gar nicht, beflissen nachgerade, und ein großer Regisseur. Außerdem ist er sehr musikalisch.

          Weil er auf die Musik in seinen Filmen so große Sorgfalt verwendet?

          Nein, nicht nur. Es gibt eine immense Musikalität im Zusammenspiel der verschiedenen Elemente. Der Film an sich kann musikalisch betrachtet werden. Die Elemente der Musik, der Rhythmus, das Tempo, die perkussiven Zwischenspiele wie diese Schießerei in der Kneipe – das ist ein Perkussionsfurioso, und was ich besonders interessant finde, ist die Harmonik. Dass da so viele filmische Elemente zusammenkommen, nämlich Licht, Bild, Bewegung, Ton, Filmmusik, Untertitel – die sind ja ein Teil des Bilds und hier nicht umsonst gelb. Alles trägt zum gesamten Ergebnis bei. Das ergibt eine Harmonie, einen Akkord, der manchmal auch harmonische Spannungen erfährt, die nach Auflösung trachten. So wie in der Musik auch. Die Sprache fügt sich als sehr wichtiges Element eines Tonfilms natürlich in diese Gesamtmusikalität.

          War es da für Sie noch mal eine besondere Herausforderung, anders zu sprechen? Ihre Rolle verlangt, dass Sie sehr elaboriert sprechen, in diesem fast vornehmen, auch sehr gefährlichen theaterhaften Ton.

          Absolut, und zwar in jeder Sprache. Weil gewisse Elemente der Sprache sehr zur Geltung kommen, die im alltäglichen Umgang in zunehmendem Maße verschüttet werden. Sprache in dieser Rolle ist nicht das simple Kommunikationsmittel, um den Alltag zu bewältigen, sondern ist ein Mittel, um Wirklichkeiten zu erzeugen.

          Auch eine Waffe?

          Natürlich, das ist Sprache auch. Es ist ja auch keine unbekannte Tatsache, dass ein Wort tiefer und bleibender verletzen kann als ein Messer. Auch ein Wort kann töten.

          Das von einem SS-Offizier allemal.

          Die Uniform, die derjenige trägt, der das Wort hat, ist nicht das zentrale Thema. Ich sehe die Uniform nicht als Ausgangspunkt, sondern als vorübergehendes Mittel – aus Sicht der Figur. Das Vorübergehende wird ja auch thematisiert, wenn Brad Pitts Bastard sagt: „Die ziehst du doch aus, wenn der Krieg vorbei ist.“ Landa sagt gar nichts mehr. Aber nicht, weil er an der Uniform hinge, sondern weil er weiß, was das Ausziehen der Uniform für eine Konsequenz hat. Und die findet ja nur ihren direkten Ausdruck in diesem Schnitt.

          In dem Hakenkreuz auf der Stirn.

          Ja. Also nehme ich im Rückschluss an, dass das Anziehen der Uniform auch nur ein momentanes Mittel war.

          Haben Sie zur Vorbereitung auch Ufa-Filme aus jenen Jahren angeschaut?

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