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Im Gespräch: Antonio Banderas : Wie trickst man sich nach Hollywood, Señor Banderas?

  • Aktualisiert am

Den Hollywood-Stier bei den Hörnern gepackt: Antonio Banderas Bild: Burkhard Neie

Ein Gespräch mit dem Schauspieler Antonio Banderas über seinen spanischen Akzent, die Grenze der Schauspielerei und seine Fähigkeiten als Kuppler.

          7 Min.

          Wir treffen Antonio Banderas beim Filmfestival von San Sebastián. Der spanische Schauspieler spricht leise, trinkt Kräutertee und raucht viel („Sorry, mein einziges Laster“). Dabei wirkt er bodenständig, besonnen und bescheiden.

          Ihre ersten Filme haben Sie vor drei Jahrzehnten mit Pedro Almodóvar gedreht. Wie haben Sie den Regisseur kennengelernt?

          Unsere erste Begegnung war ziemlich kurios. Damals spielte ich in Madrid Theater. Als ich eines Tages mit Kollegen in einem Straßencafé saß, kam ein Kerl mit wilder Frisur und knallroter Tasche an unseren Tisch, riss ein paar Witze und wandte sich plötzlich an mich: „Du hast ein sehr romantisches Gesicht. Du solltest Filme drehen.“ Dann verschwand er. Verblüfft fragte ich meine Freunde, wer das war. Und sie sagten: „Er heißt Pedro und hat tatsächlich mal einen Film gemacht, aber den kannst du vergessen. Aus dem wird nichts.“

          Sie wurden beide mit den fünf gemeinsamen Filmen berühmt, die Sie zusammen in den achtziger Jahren gedreht haben ...

          Ja, aber anfangs sah es gar nicht danach aus. Nie werde ich die Weltpremiere unseres ersten Films, „Labyrinth der Leidenschaften“, vergessen, hier in San Sebastián, vor neunundzwanzig Jahren: Ich war mit einer Handvoll Peseten in der Tasche aus Madrid hergetrampt, und als ich nach dem Film mit Pedro auf die Bühne kam, gab es riesige Tumulte im Saal. Manche Leute wollten uns buchstäblich kreuzigen! Das spanische Kino war damals in Konventionen erstarrt - aber Pedro hatte den Mumm, diese Konventionen einfach hinwegzufegen.

          Was sagten denn Ihre Eltern zu Ihren Filmen mit Almodóvar?

          Sie waren entsetzt. Besonders mit meiner Mutter habe ich mich immer wieder heftig gestritten: Sie warf mir vor, dass meinetwegen keiner mehr mit ihr reden würde. Nachdem ich in „Gesetz der Begierde“ auf der Leinwand sogar einen anderen Mann küsste, konnte ich mich ein Jahr lang nicht mehr zu Hause blicken lassen. Damals wurden Pedros Filme vom Gros des Publikums verdammt, mittlerweile gelten sie als Klassiker. Die Zeit setzt eben alles ins rechte Maß. Aber bis heute weigert sich Pedro standhaft, die Erwartungen der Zuschauer zu erfüllen. Das finde ich sehr erfrischend.

          Sie haben zuletzt mit ihm den Psychothriller „Die Haut, in der ich wohne“ gedreht. Darin verkörpern Sie einen perversen Schönheitschirurgen, ein wahres Monster. Gibt es Grenzen, die Sie vor der Kamera nicht überschreiten würden?

          Nein, ich würde nichts von vornherein ausschließen. Ich beurteile meine Filmfiguren nie von einem moralischen Standpunkt aus, sondern nähere mich ihnen völlig wertfrei. Ähnlich wie Pedro stürze ich mich mit Leidenschaft in das Studium der menschlichen Seele und ihrer Abgründe.

          Inwieweit haben Sie und Pedro Almodóvar sich im Lauf der Jahrzehnte, die inzwischen vergangen sind, verändert?

          Inhaltlich sind seine heutigen Filme wesentlich vielschichtiger und tiefgründiger. Sein Inszenierungsstil ist hingegen minimalistischer und reiner geworden: Pedro hat sich beinahe zu einem kleinen Japaner entwickelt. Ich selbst bin viel ruhiger, entspannter und furchtloser als früher. Denn ich habe endlich kapiert, dass die Angst der schlimmste Feind eines Schauspielers ist - und dass es in der Filmbranche besonders wichtig ist, nein sagen zu können. Darum arbeite ich nur noch mit Regisseuren zusammen, die mich wirklich interessieren. Schließlich bin ich jetzt über fünfzig: höchste Zeit, endlich erwachsen zu werden.

          Heißt das, Sie haben es mittlerweile satt, vor der Kamera ständig den Latin Lover geben zu müssen?

          Ja! Mit meiner Rollenwahl habe ich ohnehin immer versucht, dieses lästige Etikett loszuwerden. Wenn Sie sich meine Filmografie genau ansehen, werden Sie zum Beispiel feststellen, dass ich in meiner Karriere vermutlich mehr Schwule dargestellt habe als jeder andere lebende Schauspieler. Ich sehe das Älterwerden als ein Geschenk: Falten und graue Haare dürften dafür sorgen, dass der Latin Lover endlich verschwindet und Platz macht für interessantere Figuren.

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