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Hundert Jahre Robert Kahn : Batmans scheuer Vater

Alles begann im Mai 1939 mit dieser 27. Ausgabe von „Detective Comics“. Originale erreichen bei Auktionen mittlerweile Erlöse von über einer Million Dollar. Bild: AP

Er schuf Batman, den bis heute beliebtesten Superhelden. Auch seine eigene Identität suchte Robert Kahn, alias Bob Kane, zu verschleiern.

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          Heute vor hundert Jahren wurde Robert Kahn geboren. Manchen wird die Bedeutung dieses Jubiläums klarer werden, wenn man jenen Namen nennt, den Kahn als Autor annahm, um seine jüdische Herkunft zu verschleiern: Bob Kane – der Zeichner von „Batman“. Antisemitismus war salonfähig im New York der dreißiger und vierziger Jahre, wie aus den autobiographischen Comics von Will Eisner, einem zwei Jahre jüngeren Schulfreund von Kane, bekannt ist, der allerdings im Gegensatz zu seinem Kollegen als selbständiger Zeichner arbeitete und deshalb seinen jüdischen Namen beibehielt. Kahn jedoch wollte nicht unangenehm auffallen, als er in einem Trickfilmstudio seine erste Anstellung bekam, und wurde zu Kane.

          1939 dachte er sich Batman aus und schuf damit den bis heute beliebtesten Superhelden, der selbst die Gründerfigur des Genres, Superman, in der Lesergunst überholte. In den maskierten Rächern sieht die Kulturgeschichtsforschung eine Kompensation der gesellschaftlichen Benachteiligung von Juden in den Vereinigten Staaten der Zwischenkriegszeit; auch „Superman“ hat zwei jüdische Väter. Kanes Serie war so erfolgreich, dass er sich schon 1953 zurückziehen und „Batman“ anderen Zeichnern überlassen konnte.

          Er erlebte noch mit, wie Tim Burton 1989 seinen Fledermausmann zu einer Filmfigur machte, die Kassenrekorde aufstellte und die Welle von Hollywood-Superheldenverfilmungen auslöste, die heute immer noch nicht auf ihrem Scheitelpunkt angekommen zu sein scheint. Bisheriger Höhepunkt: Christopher Nolans „Dark Knight“-Trilogie (2005 bis 2012), natürlich rund um Batman, aber da war Bob Kane schon tot, er starb 1998. Ihm genügte es, dass sein angenommener Name in aller Munde war, öffentliche Auftritte scheute er, und so hatte er sich auch geweigert, einen Gastauftritt in Burtons „Batman“ zu übernehmen. Diese Zurückhaltung unterschied ihn von seinem Kollegen Stan Lee, geboren 1922 als Stanley Lieber, der als junger Mann dieselben Erfahrungen wie Kane gemacht hatte, aber andere Schlüsse daraus zog.

          Lee ist der publicitysüchtigste Comic-Künstler überall, Cameo-Rollen in jedem der zahlreichen nach seinen Comics gedrehten Filmen sind Pflicht, seit dem ersten „X-Men“-Film (2000) bis zuletzt zu „Ant-Man“ umfasst seine Rollenliste 22 solcher Auftritte, und zwei weitere stehen im kommenden Jahr noch bevor, wenn der neueste „X-Men“-Film und der dritte Teil von „Captain America“ in die Kinos kommen. Lee spielte dabei unter anderem Hot-Dog-Verkäufer, Partygäste, Wärter, Bibliothekare und einmal auch sich selbst (2014 in „Avengers – Age of Ultron“), was für Bob Kane ein Albtraum gewesen wäre. Der „Batman“- Schöpfer versteckte sich stets hinter seiner Figur, er war selbst ein Mann hinter Masken.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

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